Fr

29

Nov

2013

Weinrallye #69: Wein und Lyrik

Deutung eines allegorischen Gemäldes

 

Fünf Männer seh ich

inhaltsschwer -

wer sind die fünf?

Wofür steht wer?

 

Des ersten Wams strahlt

blutigrot -

das ist der Tod

das ist der Tod

 

Der zweite hält die

Geißel fest -

das ist die Pest

das ist die Pest

 

Der dritte sitzt in

grauem Kleid -

das ist das Leid

das ist das Leid

 

Des vierten Schild trieft

giftignaß -

das ist der Haß

das ist der Haß

 

Der fünfte bringt stumm

Wein herein -

das wird der

Weinreinbringer sein.

 

In der Recherche nach etwas weinlyrischem bin ich auf dieses Gedichtchen von dem sagenhaften Robert Gernhardt gestoßen. Wollen wir einmal die hässlichen vier ersten Kreaturen vernachlässigen und uns auf den engelsgleichen Letzten fokussieren. Zunächst fällt mir ein, dass ich vor Jahren mal in einer Gruppe Freunde bzw. Mitbewohnern eine junge, weinunerfahrene Dame in meinen Weinkeller geschickt habe, um eine, irgendeine Flasche zu holen. Egal welche es ist, sie wird getrunken. Fühlte sich wie eine Art Lotto an. Weil ich wusste z. B. auch von einer Flasche, die in dem Moment gar nicht ging. Ein halbtrockener St. Laurent von keine Ahnung mehr welchem billigen und doch überteuerten Weingut. Von allen Flaschen da unten im Bauch des Hauses holte sie - genau diesen St. Laurent. Er wurde NICHT getrunken. Entgegen aller Vorsätze. Es gibt Momente, da muss man sich untreu bleiben.

 

Für die aktuelle Weinrallye versuche ich es noch einmal. Und ich werde es diesmal – der obigen Poesie entsprechend - mit einem Weinreinbringer, nicht mit einer Weinreinbringerin versuchen. Und wieder gilt, was geholt wird, wird getrunken. Und wenn es nur ist, damit man diese Regel wieder über Bord werfen kann. Der Lottofee (ja, jetzt musste ich maskulinifizieren) ist Philip, ein langer Mitbewohner. „Langer“ viel mehr körperlich als zeitlich. Und puuh, Glück gehabt. Ellermann-Spiegel Anno XI, eine (wie sein Name schon sagt, 2011er) Cuvée aus Cabernet, Merlot und Spätburgunder. Klingt wie die deutsche Version eines Bordeaux. Von Frank Spiegel bin ich gewohnt, dass er seine Weine zu günstig anbietet, was mir als Konsument sehr behagt. Zwei Stunden musste er sich noch mit atmen beschäftigen, während wir am Tisch noch anderes Zeug vernichten mussten. So, jetzt endlich zur VKN. Alles andere ist unwichtig. Auch der letzte Satz. Auch dieser. Er riecht etwas dreckig, animalisch. Linoleumfußboden, faules Laub, etwas Räucherschinken. Im Mund etwas schlaffer als die Nase erwarten lässt. Vanille, Lakritz, auch das alte Laub, aber ohne krümeliges Mundgefühl. Pflaume auch. Und auch die allgegenwärtige Brombeere. Und wenn man an Bratäpfel denkt, ist man auf dem Holzweg. Aber wenn man sich nur auf die Rosinen eines Bratapfels konzentriert, stimmt's wieder. Etwas stumpf insgesamt, und trotzdem für Deutschland ziemlich dick. Kein Bordeaux, aber man hat doch mächtig was im Mund. Ca. 11,50 €, das ist ok. Dieser Wein ist nach meinem Dafürhalten nicht zu preiswert, aber auch nicht zu teuer. Das ist schön. Denn er hat auch nicht im Geringsten etwas mit Tod, Pest, Leid und Hass zu tun.

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So

04

Mär

2012

New Mexico

Zweieinhalb Wochen Amerikaurlaub, davon 10 Tage in New Mexico, dem Staat im Süden an der Grenze zu, wer hätte es gedacht, Mexiko. Obwohl man in Mitteleuropa im Großen und Ganzen amerikanische Weine nur aus Kalifornien, Washington und Oregon bekommt, heißt es, dass in allen der vereinigten Staaten Wein angebaut wird. Also auch in New Mexico, wo karge und trockene Verhältnisse herrschen. Ganze 38 Wineries gibt es, falls ich mich nicht verzählt habe. Ich habe nicht alle probiert, aber kam doch dazu, ein paar zu verkosten. Der erste Eindruck war nach einem von La Chiripada aus Dixon im Norden von NM. Er heißt Vintner's Reserve Red und ist ein Tempranillo/Ruby Cabernet, 12 Monate in ungarischer Eiche gereift. Sympathisch, dass die amerikaner nicht nur amerikanische Eiche verwenden. Geschmacklich sympathisch, nicht nachhaltig sympathisch. Schöne Dichte, gute Frucht, lecker Weinchen. Aber der erste Eindruck wurde schnell bei einem weiteren Wein relativiert. Von Vivác Winery ein Tempranillo. Mager, ausdruckslos, eindimensional. Wird aber vom Weingut selber als sexy bezeichnet. 19 $, aber ein Geschmack wie Tetrapak ausm Penny. Auf und ab ging es mit jedem verkosteten Wein weiter. Vielleicht mehr ab als auf. Auf jeden Fall zu teuer. Und man darf sich nicht von den überwiegend schlechten Etiketten schrecken lassen.

 

Was einigermaßen positiv aufgefallen war:

Milagros Vinyards Corrales Red

Luna Rossa Tempranillo

Gruet Pinot Noir

 

Was nicht uninteressant ist, ist, dass sich viele typisch italienische Rebsorten, wie Dolcetto, Nebbiolo, Aglianico, Montepulciano, Barbera, finden.

 

Wahrscheinlich wird es aber noch eine Weile dauern, bis neumexikanischer Wein in Deutschland erhältlich ist.

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So

15

Jan

2012

Schmecktologie Syrah! nein, Shiraz!

Nach dem letzten gescheiterten Versuch, eine Syrah/Shirazschmecktologie zu machen, wurde das nun erfolgreich nachgeholt. Die illustre Auswahl der Weine begann mit einem syrahig untergeordneten Land, Italien. Und im Detail Sizilien. Ein 2009er Syrah von der Azienda Agricola Nino Gandolfo. Der Name ist keinem der zahlreichen anwesenden Herr der Ringe Verehrer aufgefallen. Was aber daran liegt, dass der Erzeugername auf dem Etikett nicht großartig in Erscheinung tritt. Ganz anders der Name des Weins: Muharta. Was das heißen soll? Das ist gleichzeitig der Name eines Stadtviertels von Salemi in Sizilien. Oder heißt es, da es eine Insel ist, auf Sizilien? Und wie es nicht der Zufall, sondern einfach die Gegebenheiten wollen, ist dort auch der Sitz des Weinguts. Nun endlich zum Wein, der in einer Höhe von ca. 450 m über NN gewachsen und im Betontank ausgebaut wurde: Rubinrote Farbe, leicht violette Reflexe. Der Duft ist würzig wie die italienische Macchia und hat sehr reife Brombeeren und auch das rassige Aroma von schwarzen Johannisbeeren fehlt nicht. Es ist ein Wein, der rough ist, mit dem man ein bisschen kämpfen muss, kein geschmeidig-glitschiger Schwiegermutterschwarm. Nach dem ersten pfeffrigen, säurebetonten Eindruck drängeln sich die Tannine in den Vordergrund, aber ohne zu kratzen. Und die ganze Zeit wird der Geschmack von dem Spiel der Brom- und schwarzen Johannisbeere untermalt. Die Buddel für 8,50, super PLV!

 

2008er Shiraz von Enrique Mendoza, nicht aus Mendoza, Argentinien, sondern Alicante, Spanien. Sanfte Holztöne umschlingen die Nasenlöcher, Nutellatoast und Beeren des Unterholzes im Wald. Im Geschmack weich und würzig wie Moos, Heidelbeeren, ein Schuss Vanille und, wie es sich für einen vernünftigen Shiraz gehört, tanninlastig. In sich runder und stimmiger Wein.

 

Weiter geht’s mit dem 07er Shiraz von Tyrrell’s Wines, Hunter Valley, Australien. Schmusiger vanilliger Duft neben dem Aroma von dunklen Beeren. Aber auf der Zunge ein Kleindesaster. Pappige Weichheit und starke Frucht, etwas schokoladig, etwas Weinbrand, etwas Haribolakritz. Alles im einzelnen nicht unbedingt verkehrt, aber jeder Geschmacksteil spielt seine eigene Melodie. Die Einzelteile kommen nicht wirklich zusammen und dann ist das Ganze auch mal weniger als die Summe aller Teile. Schade.

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2005er Scali Syrah von Scali Schoone Oord, Paardberg, Paarl, Südafrika. Davon gibt’s nur 27 Barriques Fässer, also rund 6000 Liter. Und in den Fässern lag der Wein 24 Monate lang. Diese Reife riecht man ihm schon gleich an. Ab dem ersten Atemzug weiß man, dass man sich mit diesem Wein gegenüber den drei vorherigen in einer anderen Liga befindet. Der Liga der passionierten Winzer, die alles herauskitzeln wollen. Natürlich riecht er nach den 24 Monaten holzig (im positiven), schokoladig und dann schieben sich filigrane Noten von Wiesenkräutern durch. Im Mund erscheint ein absolut sauber gemachter Wein, fein auf sich selber abgestimmt, durch das Auslassen von Filtration geschmacksintensiv, geschliffene Tannine. Schokolade, Himbeere, Christstollen. Der reiche Geschmack braucht dann auch seine 14,5% Alkohol als Transportmedium.

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So, und dann ging’s ab. Hidden Valley (das ist der Name des Weinguts, nicht eines Tals) Land’s End Syrah 2006, Cape Agulhas, Südafrika. Unterster Zipfel von Südafrika. Ich hatte ihn noch nicht im Glas, da flogen mir schon die ersten begeisterten Assoziationen der Freunde um die Ohren: Blauschimmelkäse, schwitzender Pferdearsch, riecht nicht nach Hundekacke, sondern nach Hundedünnschiss. Und es bewahrheitete sich. Ha, ein Wein genau nach meinem Geschmack! Das beste, was ich bisher dieses Jahr getrunken habe. Ok, das Jahr ist erst 14 Tage alt, aber mal sehen, wie lange es dauert, bis der getoppt wird. Junge junge, der hat Unterscheidbarkeit, der hat Charakter. Der Scali war klasse, aber dieser ist Ken Blocks Gymkhana im Glas. Punk! Wie er genau schmeckt? Probier ihn und es aus. Du wirst nicht enttäuscht werden. Außer du spielst noch mit Monchichis.

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Und dann der letzte. Deutschland, Pfalz, Schneider. Syrah. 2009. Vorher dekantiert. Bei Markus Schneider erwartet man, dass er deutschuntypische Geschmacksstile in die Flasche bringt. Der erste olfaktorische Eindruck bestätigt, dass es ein Schneider ist. Irgendwie haben die alle eine ganz eigene distinktive Note. Von seinem „Ursprung“ angefangen bis in seine höchsten Qualitäten. Aber wow, dieser schmeckt nach Anis, Kümmel, Thuja, Schokolade und gar nicht so sehr beerig. Vielleicht Jostabeere oder so was. Auch so ein wagemutiger Wein. Aber wer will schon handwerklich top gemachtes Zeug, dem es aber an Eigenständigkeit und Interessanz mangelt. Für 30 Euro kann man genau das erwarten, was man mit dem schneiderschen Syrah im Glas hat. Finde ich. Geiler Stoff.

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Danach gab’s noch einen ... nein, nicht Reparaturwein. Das wäre nach dem Line up nicht nötig. Aber als Kontrast den Grauburgunder Goldkapsel 2010 von Ellermann Spiegel, Kleinfischlingen, Pfalz. Für einen Grauburgunder ziemlich wuchtig (das hat der Ausbau im Holz gemacht) und fruchtig. Läuft wie von alleine den Rachen runter. Immer gut, zu jeder Gelegenheit. Also auch als Abschluss nach sechs Syrah aus fünf Ländern.

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Mi

26

Okt

2011

Portugal

Im August hat die Portugalschmecktologie stattgefunden, im August habe ich die VKNs geschrieben, aber im Oktober erst pflege ich sie hier ein. Man muss auch mal gegen die allgemeine Schnelllebigkeit arbeiten. Schön, wieder ein Wort mit lll.

 

Here we go:

 

Júlio Bastos: Dona Maria, Vinho Regional Alentejano, 2008, 13,5%, Viosinho, Arinto, Antão Vaz

Sattes Gelb

Intensives würziges Aroma, schon fast wie von einem alten Wein. Etwas Gummi, Heu, Hauch Grapefruit, Birne? Ja, Birne auch. Vielleicht auch nur mit Fantasie.

Der Naseneindruck wird auf der Zunge enttäuscht, geschmacklich verliert er gegenüber dem Geruch an Dichte. Die Grapefruitnote tritt deutlicher hervor. Erfrischend, säurebetont. Auch wenn auf der Zunge weniger als erwartet passiert, ist es noch ein spaßbereitender Wein mit gutem Nachhall, der nicht zu den simpelsten gehört.

 

Winzergenossenschaft, wenn ich das richtig verstehe: Gaião, Vinho Regional Alentejano, 2009, 14%, Aragonês, Trincadeira, Alfrocheiro, Alicante Bouschet

Auf der Flasche ist eine Nebelkrähe abgebildet. Na toll. Etikett mit Tier. Wenn es nicht irgendwie auf besondere Art und Weise gemalt oder gezeichnet ist, kann man solche Weine oft vergessen. Ja, man muss auch mal vom Etikett auf die Qualität schließen. Was diese Krähe da jetzt soll, ist mir schleierhaft, da ihr Verbreitungsgebiet in Osteuropa ist und nicht Portugal.

In der Nase buttrig, vanillig, fruchtig, sommerlich

Schmeckt tanninreich, fruchtig zwischen Him- und Brombeere und seine Bestandteile passen alle nicht zusammen. Forget it. Maximal was für Anfänger.

 

Burmester: Douro DOC, 2008, 13,5%, Tinta Roriz, Touriga Franca, Touriga Nacional

Nach dem letzten kann es ja nur besser kommen. Dieser jetzt riecht satter und durchdachter als der vorige. Die unschöne Uhunote verfliegt recht schnell und dann offenbaren sich erdige, ledrige Töne. Rassig, rustikal.

Für den Mund braucht er allerdings eine Weile Luft. Dann zeigt er sich kräftig, tanninbetont mit gut eingebundenem Alkohol, der kaum schmeckbar ist. Die gesetzten erdigen Töne werden durch saftige Kirschen erfrischt. Kein Topwein, aber schön und unangestrengt zu trinken.

 

Keine Ahnung von wem: Planura, Vinho Regional Alentejano, Reserva, 2007, 14%, Syrah, Touriga Nacional, Alicante Bouschet

Erster Eindruck: Staubsaugerbeutel. Kein Witz. Einstimmige Bestätigung aller Beteiligten. Staubsaugerbeutel. Tja, was will man machen. Erst später dringt auch hier etwas Lösungsmittel durch. Und Leder. Und Pilze. Und Lorbeer. Wegen dem Staubsauger waren die meisten schon negativ voreingenommen, was den Geschmack angeht. Aber der ist in sich schön rund und stimmig. Auch wieder viele Tannine, aber wie bei den anderen Weinen keine rauen, sondern feine Tannine. Wenn auch viele davon, aber das scheint Portugal zu charakterisieren. Guter Wein. Wenn man sich mit diesem Staubsaugerbeutel arrangieren kann.

 

Luis Pato: Pato Rebel, Vinho Regional Beiras, 2009, 13%, Baga

Eindeutiger Etikettenpreisgewinner des Abends. Abgebildet ist auf schwarzem Hintergrund eine Grafik des Winzers, wie er mit den Händen an den Ohren wedelt und die Zunge rausstreckt. Rebellisch halt. Schwarzes Etikett mit roten Eyecatchern, weiße Kapsel: hübsch.

Riecht nach frisch ausgegrabenen Baumwurzeln, wieder Leder, kräutrige Noten. Lässt auf der Zunge Tiefe und Länge vermissen. Kräuter wie Thymian sind auch hier vorhanden, dazu frische rote Früchte. Als 2009er ncoh zu jung. Ach was, viel zu jung. Der braucht noch 5 Jahre mindestens.

 

Casa Cadaval: Trincadeira Vinhas Velhas, Do Tejo DOC, 2008, 13,5%, Trincadeira

Hmmm, duftet schon lecker. In sich stimmig, souverän und wissend. Kräutrig, würzig, rural, traktorig. Genau so sieht’s aus. Im Mund merkt man Vanille und Gewürze. Ausgewogen und bestimmend. Eine Exzellenz. Aber auch Exzellenzen haben ihre Macken. Ein guter Bordeaux kann mehr.

 

Quinta do Sanguinhal, Vinho Regional Lisboa, 2006, 13,5%, Touriga Nacional. Aragonez

Balsamischer Duft, Leder, Vanille, etwas Moos. So riecht er. Geschilffene und erwartungsgemäß reichhaltige Tannine. Da ist was von Baum. Also, wenn man so im Wald ist und man möchte mal in eine Baumrinde beißen. Der Geschmack, den man sich davon so vorstellt. Ich denke, Eichenrinde ist es. Oder auch Eichhörnchen und Rind. Sonderbar, aber das triffts auch. Kann man nix sagen gegen den Wein. Aber seine 17 Euro ist er nicht ganz wert.

 

Photos? Nee, die Putzmonautenmannschaft hat die leeren Flaschen entsorgt, bevor ich die Linse draufhalten konnte. Was solls. Nächstes Mal wieder.

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Mo

30

Mai

2011

Die WeinFunatiker und der Kanzemer Altenberg

Diesen Abend vergnügten wir uns mit sechs Rieslingen von der Toplage Kanzemer Altenberg an der Saar. Devonschiefer und 50-85% Steigung zeichnen den Hang, der fast nur mit Riesling bestückt ist, aus. Die Weine waren die Reihe von 2008-2003 und nicht von v. Othegraven, van Volxem oder dergleichen, sondern von den WeinFUNatikern, die z.T. nur rund 100 Flaschen abgefüllt haben und ihre Weine von Andreas Barth im Keller von von Othegraven vinifizieren und ausbauen lassen. Allesamt Spontis.

2008: Der trockenste, aber trotzdem schon mit einer Portion Restsüße. Zuerst scheint er schon Alterstöne aufzuzeigen, aber dabei handelt es sich letztendlich um den Schieferboden, auf dem er stockt, der sich deutlich offenbart. In der Nase Mandarine, Birne, Pappe. Im Mund mit nicht zuviel Säure, die Fruchtaromen treten zu Tage, eine feine, aber fröhliche Bitterkeit ist auch am Start. Ein Wein, dem man anmerkt, dass er noch lange trinkbar sein wird, obwohl er das jetzt schon 100%ig ist.

2007: Jetzt wirklich schon tief im halbtrockenen Bereich: 16,6 g RZ, dazu nur 5,8 g/l Säure. Ein ganzes Stück dunkler im Glas als der 2008er. Riecht ganz schwach nach Holzkohle, aber viel mehr nach Birne und Zitrusfrüchten. Auf der Zunge mit dicker Konsistenz. Aprikose findet sich und die Zitrusfrüchte aus der Nase tauchen wieder auf. Macht mehr Spaß als 2008, vielleicht weil er wuchtiger ist, aber auch mit zartem Schmelz nicht spart.

2006: Eher im unteren Teil der Flasche ein Sack voll Trubstoffe. Sieht richtig milchig aus. Er dringt mit Aromen von Pfirsichen und Golden Delicious durch die Nüstern. Wieder mit mehr Süße, diesmal 25 g. Aber selbst bei uns Trockentrinkern stieß sie nicht auf Unbehagen, da sie sauber im Wein harmoniert. Die Mineralität kommt nicht zu kurz. Dicke Fruchtaromen liegen auf der Zunge und auch die Süße ist es, die ihn schwer und ölig erscheinen lässt.

2005: Wieder einer der farblich dunkleren Vertreter. Erster Eindruck: Uhu. Selbst am Folgetag noch nicht verflogen. Etylacetat. Wenn es nicht zu stark ist, kann es durchaus auch animierend empfunden werden, so wie bei einigen in unserer Runde. Dann Pomelo. Eine Frucht, die man eigentlich viel zu selten isst, weil sehr lecker. Und Weinbergspfirsich. Mit 13,6% Alkohol schlägt er etwas aus der Reihe. Die anderen haben zwischen 10,5 und 11%, der 08er 12%. Aromaklumpen von hier noch deutlicherer Pomelo im Mund. Und so ein Hauch von diesen gelben Johannisbeeren. Oh ja, und Mirabellen, nicht zu knapp. Wildes Ding. Lecker.

2004: Noch dunkler als 05. Noch süßer als 05 (35,1g). Schon die ersten echten Alterstöne, aber noch schwach. Hier mal endlich ruppiges Apfelaroma. Spürt man da schon die immense Säure von 8,1 g in der Nase? Ein bisschen Teppich, ein bisschen Löwenzahn. Die Säure puffert hier enorm die Süße ab, legt sich dominant durch den Mundraum und erzeugt sogar ein wenig den Eindruck von Sauvignon Blanc. Aber hey, noch lange nicht mit einem SB zu verwechseln. Sehr interessant, keine Popmusik.

2003: Da steckt Beifuß drin, feuchter Asphalt und Birne wieder mal. Sehr sehr pfirsichig im Mund. Und Banane. Und ein Apfelstückchen. Und diese Schiefermineralik. Aber das haben sie alle. Schöne Flaschen auch. Langgezogen, dunkelblau und dunkelgelbe Etiketten.

Mein Fav: Ich glaube, 2004. Oder 7. Nee, 4. 

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Mo

04

Apr

2011

Schmecktologieabend Amerika (Nord)

Eigentlich wollten wir ja die Kanzemer Altenberg-Vertikale ’08-’03 von den Weinfunatikern durchprobieren, aber dann kam alles ganz anders. Wir haben eh schon einige Amerikaner im Haus, am folgenden Tag sollte noch eine halbamerikanische Familie zu Besuch und BBQ kommen, und an diesem schmecktologischen Abend hat sich eine weitere Amerikanerin angekündigt. Zudem hatte Tyler aus den USA zwei Flaschen und die Laumanns eine Flasche mitgebracht, die alle drei vielversprechend aussahen. Also änderten wir den Kurs zu amerikanischen Weinen. Außer den drei genannten erwarb ich noch den CS von 1995, der schlussendlich diese kleine Reihe abrunden sollte. Vorher gab es einen keinen Wein. Hä? Ja, ich hatte noch einen Chardonnay offen und hatte aus Versehen falsch gedacht, dass er aus den Staaten kommt, kam er aber nicht, sondern aus Südafrika. Die Verwechslung ist mir aber erst aufgefallen, als wir ihn schon komplett geleert haben. Komisch, ist mir bei dem selben Wein früher schon einmal passiert. Also zählte er nicht und wird auch hier stillschweigend ignoriert. Aber der dann wirklich erste war auch ein Chardonnay. Von Milagro aus New Mexico. Aus dem Staat findet man nicht allzu häufig was in deutschen Regalen und er wurde ja auch in diesem Fall privat importiert. Jahrgang 09. In der Nase schon untypisch, spritzig und man mochte ihn olfaktorisch schon fast für einen halben Sauvignon halten. Nee, wirklich. Gleichzeitig zu seiner Hartkantigkeit und seinem Stachelbeeraroma zeigte er aber auch das typisch buttrige, dazu Mostbirne, Erbsen, Pampelmuse. Durch seine Ambivalenz etwas anstrengend, obwohl man ihm seine Klasse nicht absprechen konnte. Je wärmer er wurde, umso angenehmer wurde er. Allerdings bukettierte er dann mit einer leichten Petrolnote. Wieder ein Wort erfunden. Bukettieren. Sein Abgang schwebte lange nach. Dagegen hielten wir einen Chardonnay aus der Pfalz vom Ökoweingut Wiedemann, 2010. Ganz was anderes. In der Nase feuchte, etwas bemooste Steine, Gummibärchen, sehr gereifte Birne und der Geruch von dem Holz roter Johannisbeeren, wenn man daran mal mit dem Fingernagel kratzt. Probier das mal aus. Im Mund war er deutlich leichter und zitrusfruchtiger. Und fiel auch viel schneller ab. Nicht wirklich schlecht, aber der New Mexikaner hatte dann doch die Nase vorn.

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Mehr weiß gabs nicht, sondern jetzt einen Zinfandel 2007 von Rosenblum Cellars aus Livermore Valley bei San Francisco, nicht weit südlich des großartigen Napa Valleys. Überwältigend in der Nase, unglaublich reichhaltig. Leider auch etwas Uhu dabei. Am Gaumen auch Jostabeere, Preißelbeere, Aprikosenmarelade. Und das alles getragen von den typischen Holznoten Schoki und Vanille. Nicht zu vergessen die rauchigen Klänge. Durch und durch interessant gemachter Zin, bei dem man nicht mal geschmacklich die 15,2 Vol.% sehr merkt. Von der Rebsorte bin ich inzwischen sowieso überzeugt, egal ob aus Kalifornien oder als Primitivo aus Apulien.

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Dann ein Stoff von Jim Clendenen. Neenee, aber nicht Au Bon Climat. Trotzdem dieser Jim Clendenen. Nebenbei bewirtschaftet er mit seiner Familie noch ein weiteres Weingut, Le Bon Climat im Santa Maria Valley. Der Pinot Noir war ein 06er und wir dekantierten in etwa eine Stunde vor Genuss. Faszinierendes, durchdachtes Aroma. Zwetschgen, Semmelknödel und Bratensoße, Stroh, würzig und sekundär überreife Erd- und Himbeeren. Ganze Menge. Auf der Zunge ging es weiter so: Vanille, Teer, dann lustig, Kornelkirsche, Stroh, Wachholder. Und für Candida war er „wie ein Fuchs, der eine weiße Gans zerfleddert hat und jetzt auf der Flucht vor dem Bauern ist“. Gesegnet ist, wer sich darunter einen Geschmack vorstellen kann :-) Auch nicht von schlechten Eltern: Die Flasche an sich. Genauso ein Panzer wie die damals vom Sessantanni Primitivo, die leer 1200g wiegt. Diese hatte das selbe Gewicht. Etwa das anderthalbfache des Inhalts.

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Schließlich der Dinosaurier. 1995er Niebaum Coppola Cabernet Sauvignon, sowohl aus der Black Label Serie als auch aus Napa Valley. Coppola, der Hollywood Regisseur, hat das Weingut, das ursprünglich vom Finnen Gustave Niebaum im 19. Jh. gegründet wurde, in zwei Teilen bis 1995 aufgekauft. Durch das Alter ein ganz anderer Wein wie die vorhergehenden. Und das merkt man schon gleich in der Nase. Alte Honginoten, Ginster und der Geruch, von einem PS-Monster, das Gummi auf der Straße lässt. Im Mund dann relativ süßlich (aber noch merkbar im trockenen Bereich, nur gefühlt nah an der Grenze), Pappe, Lakritze und deutliche Tannine. Ich wüsste mal gerne, wie stark die in seinen ersten Jahren wohl waren. Offensichtlich sagt man Niebaum Coppola nicht umsonst nach, sie würden bordelaisig ausbauen.

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Ach ja, und da waren außer dem o.g. Chardonnay noch zwei deutsche Vergleichsflaschen: Ein Pinot Noir von Männle aus Durbach/Baden und ein Barrique Cabernet von Anselmann aus der Pfalz. Aber die werden jetzt hier nicht weiter besprochen, auch wenn du dir das noch so sehr wünschst.

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Di

15

Feb

2011

Schmecktologieabend Eeeestereich

Samstag Abend, Schmecktologie. Yeah! Das Thema: Österreich. Die Teilnehmer: Illuster aber wenige, da einige abgesagt haben. Start mit der typischsten der typischen Trauben Österreichs, dem Grünen Veltliner. Eine Flasche von ewiger Länge, physisch. Letztes Mal hatten wir die vielleicht schwerste 0,75er Flasche der Welt. Leergewicht 1,2 kg und darin ein prachtvoller Primitivo aus alten Reben. Und jetzt eine Flasche, die lang und dürr wie ein Supermodel ist. 35 cm, ich mag so was ja. Der GV stammt vom Weingut Kirchmayr aus dem Kamptal, stand auf Lößboden und wurde 2009 gelesen und hat einen Gehalt von 12,5% Alkohol. Die Sonderedition für Martin Koesslers K&U Weinhandel in Nürnberg. Sehr hell und stählern im Glas. Duftet sehr frisch nach Ananas mit Schlagsahne und natürlich Pfeffer, angeblich unvermeidlich bei GV. Weißer Pfeffer hier. Pfeffer auch im Geschmack und frisches Basilikum von einer alten Pflanze. Mark R. sah auch Parallelen zu Auxerrois. Sauerbratensäure. Adstringierend. Dill. Irgendwie stumpf wie nasser Asphalt. Aber eine schöne Flasche, auch das Etikett.

 

Dann als zweiter Weißer ein Riesling von Bründlmayer, auch aus dem Kamptal. 2006 vom Zöbinger Heiligenstein, wo klüftiger Sandstein mit vulkanischen und Kohleanteilen ansteht. Die Reben werden auf zwei Weisen erzogen: 80% Guyot und 20% Lyra. Kräftige Rieslingfarbe, die das Alter von 5einhalb Jahren noch intensiviert hat. Vornehmer, kräftiger Duft nach Pfirsich und einem Hauch Honigmelone. Noch nicht der Kellermuff von lange gelagerten Rieslingen, aber der zarte Geruch vom öffnen der Kellertür, in dem es muffig ist, wenn man die Treppe hinuntersteigt. Aber noch spritzig auf der Zunge. Etwas Banane dabei. Vermittelt das Gefühl, durch die nordfinnische Heidesteppe zu spazieren. Doch, echt. Nach Mark R. geschmackliche Parallelen mit Chardonnay, dafür fehlt mir allerdings die Buttrigkeit. Nobel, aber für mich zu alt. Slow Wine ist ein interessanter Gedanke, aber ich mag nun mal lieber junges Gemüse.

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Ab jetzt nur noch Rote. Fangen wir an mit Claus Preisingers basic, seinem Basiswein. Ein 2009er Zweigelt mit 10% St. Laurent-Einschlag. Sattes, kräftiges Aroma. Blau- und Brombeeren, kleines bisschen Benzin, schöne Frucht. Die Zunge spürt den leichten Holzeinfluss. Die Vanille trägt die Heidelbeeren wie auf einer Sänfte. Am Folgetag hat er etwas aus sich gemacht. Am ersten Abend zeigte er sich noch etwas lasch. Aber perfekt ist er auch am Folgetag noch nicht. Ordentliche Basisweinqualität. Und, wie überhaupt der Abend zeigte, ist Zweigelt auch kein Wein, der es einem leicht macht, kein Zungenschmeichler. Schöne Website hat er übrigens, der Preisinger. Und schöne Etiketten. Und viel Heidelbeergeschmack im basic. Nach dem nächsten Wein sind wir noch mal zu diesem zurückgekehrt und da hatte er plötzlich starken Wachholdercharakter.

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Wie der Preisinger kommen auch Anita und Hans Nittnaus aus Gols in der Region Neusiedlersee. Von ihnen hatten wir den nächsten Wein. 2008, Blaufränkisch Kalk und Schiefer. Riecht vanillig-buttrig von 15monatiger Reife in 500 l Fässern. Mediterrane Kräuter in der Nase und – sorry – undefinierbare rote Früchte. Oder Blut. Aber nicht Blutwurst, sondern frisch aus einer Wunde ausgetretenes Blut. Auf der Zunge schmierige Mineralik, dunkelrau (geschmacklich, nicht haptisch) (was meint der Schmecktologe damit überhaupt?), Kirsche, ja und ein kleiner Zauber von Orange.

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Zantho Zweigelt 2008, ebenfalls Neusiedlersee. Einer der technisch modernsten Betriebe Österreichs. Glasstopfen. Nase: Pisse und Sauerkraut. Geschmack: Rhabarber, Flusskiesel, Raufasertapete. Aber schöner weicher Abgang. Mit 4,4g/l sehr säurearm. Nicht so ganz mein Ding. Erinnert mich an den ersten Zweigelt, den ich getrunken habe. Und der hat mich erstmal Abstand nehmen lassen von der Rebsorte.

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Dann wieder ein Blaufränkisch. Von Moric aus dem Neusiedlersee-Hügelland. Jahrgang 2007. Die Reben sind bis zu 45 Jahre alt und das Produkt ist spontanvergoren, ungeschönt und ungefiltert. Daher findet sich auch noch der eine oder andere Trubstoff. Die Farbe ist dunkel und schwenkt an den Rändern langsam in warme Töne um. Aroma von Vollmilchschokolade und Estragon und Erdbeerjoghurt. Joghurt auch am Gaumen, aber da eher Kirschjoghurt. Auch wieder Heidelbeeren. Voller Körper, aber sich nicht im Mund aufblähend wie ein australischer Shiraz. Und er erhält zumindest von mir den unwichtigen Etikettenpreis des Abends. Das ist klar, nur serifenlose Schrift drauf, wobei die Schriftart köstlich gewählt ist. Toller Wein.

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Wenn Österreich, dann auch Pannobile. Der des Abends wurde wieder von Preisinger vertreten und war sein 05er, in dem er rebsortenrein Zweigelt verwendet hat, da er in dem Jahr Probleme mit seinen Blaufränkischreben hatte, die sich normalerweise auch in seinem Pannobile wiederfinden. Er duftet souverän schwer, animalisch ledrig und ein wenig nach Herbstlaub. Könnte fast ein Sangiovese sein, ist er aber nicht. Leider schwächelt er dann auf der Zunge ein bisschen. Zumindest im Vergleich mit der kraftvollen Nase. Er schmeckt wie Thujas riechen. Und Kokos, ja, irgendjemand in der weiten Welt meinte das behaupten zu müssen, Kokos ist auch im Geschmack. Auch bei diesem Zweigelt zeigt sich, dass er nicht geschmeidig ist, eher sperrig und trotz seiner Klasse einen zum Straßenkampf auffordert. Wenn man die Ärmel hochkrempelt und ihm fest in die Augen schaut, gewinnt man den Kampf und er schmeckt. Und zwar vorzüglich. Und dann leckt man sich die Wunden.

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Fr

04

Feb

2011

Schmecktologie...herrlich

Meine Retsina rezipierte einen Mann, der das Aussehen von Helge Schneider hatte. Und er bewegte sich wie Helge Schneider. Und dann, redend, erinnerte er mich auch an Helge Schneider. Nur 20 Jahre älter. Und dann fand er die folgenden zwei honigsüßen Worte:

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So

23

Jan

2011

Schmecktologieabend Primitivo/Zinfandel

An diesem Abend wollten wir uns ein wenig mit einer Rebsorte auseinandersetzen, die sich häufig durch ein gutes Preis/Leistungsverhältnis auszeichnet und sicherlich in den nächsten Jahren wie ich vermute noch einiges an Aufschwung erleben wird: Primitivo bzw. Zinfandel. Eine Rebsorte, die unter diesen Namen erst seit ca. 150 Jahren agiert, aber unter dem Namen Crljenak Kastelanski schon seit weit über 3000 Jahren in Kroatien angebaut wird.

 

Doch als erstes stand durch einen bestimmten Umstand ein ganz anderer auf dem Tisch, und zwar ein Chianti Colli Senesi 2008 mit dem Namen Giobatta von der Azienda Vitivinicola „Il Chicco“ di Anreucci. Diese Flasche hat Alex F. im Laden geschenkt bekommen mit der Auflage, sie auch bei der Schmecktologie zu verkosten. Die Nase antipiziert die Traubensorte Sangiovese durch deutlichen Veilchenduft mit durchgewalktem Leder. So wie man sich einen Sangiovese vorstellt und ich ihn auch liebe. Er ist noch ein bisschen durch Cannaiolo abgerundet, was sich aber kaum bemerkbar macht. Wie so oft bei Sangioveseweinen flaut er nach einer vielversprechenden Nase im Mund ab. Hier haben wir zwar schöne saftige Kirschen, aber auch so etwas wie Gurkensalat. Schön zu trinken, aber für einen romantischen Abend zu wenig.

 

Kommen wir zu den Primitivos, einer frühreifenden Sorte, daher möglicherweise auch der Name (primo = der Erste).

 

Unser erster Primitivo war ein 09er Zinfandel. Vom Megaproduzenten Robert Mondavi aus seinem Keller Woodbridge in Lodi, Central Valley, Kalifornien. Erster Eindruck: Kunststoffkorken. Empfinde ich inzwischen als unangenehm. Naturkork geht, trotz TCA-Risiko. Schrauber geht auch, auch wenn dem Tropfen damit ein Stück weit die gefühlte Noblesse genommen wird. Glasstopfen ist auch hübsch. Aber Plastik, nee. Na gut, kommt ja auf den Inhalt an. Riecht erstmal sehr würzig, Eukalyptus, Wachholder, Dattel. Im Geschmack etwas hart und mit einem Stückchen getrockneter Feige versetzt. Muss man nicht zwingend haben, da er insgesamt wie nicht zu Ende gedacht erscheint – quick and dirty. Mondavi kann mehr.

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Dann ging’s mit einem Primitivo wieder zurück nach Italien. Quota 29 heißt der Wein und das Weingut MenhirSalento und er stammt von 2008. Der Name rührt von der Anbaufläche her, die 29 m über NN liegt. Quota kann mit Höhenniveau übersetzt werden. Er sticht ein wenig in der Nase und riecht nach Apfelringen, Waschmittel und erinnerte mich an Italienaufenthalte, bei denen ich einmal inmitten von unendlichen wilden Zistrosenflächen wohnte. Oder an die typische derbwürzige Macchiavegetation. Spannende Kombi von Gerüchen. Ebenso beim Geschmack: Pfeffer schwarz/weiß, Blauschimmel, Kartoffelpürree, Himbeeren. Hört sich alles zusammen skurril an. Wurde aber an dem Abend bei den Verkostern sehr beliebt.

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  Zinfandel entdecken ohne Ravenswood geht nicht. Wir öffneten eine 2007er Flasche von Ravenswoods Basisreihe „Vintners Blend“, die, wie der Name schon sagt, aus Trauben von verschiedenen Winzern zusammengestellt ist. Eigentlich entspricht das dem ursprünglichen Vorgehen von Ravenswoods Gründer Joel Peterson, der seine ersten Weine gänzlich ohne eigene Trauben herstellte. Unser Zin lag 12 Monate in französischer Eiche, ein Viertel davon neu. Sowas lässt sich organoleptisch nicht verbergen. Mark W. definierte ihm auch erkaltetes Lagerfeuer in den Geruch. Aha. Dazu kommt eine Menge Brom- und Heidelbeere. Weich im Geschmack, beerig und mit feinen Lakritznoten. Steht lange im Rachen. Sehr passabler Wein, der einen Abend aufzuwerten wüsste. Ich bin jetzt auch gespannt auf die höheren Qualitäten von Ravenswood. Muss ich mir mal geben.

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Immer hin und her. Wieder Italien, noch zwei Weine aus Apulien, das war’s dann. Einmal der Primitivo 2008 „Pilùna“ vom Castello Monaci. Riecht deutlichichichich nach Vanille, war halt auch im Barrique. Rosinen, oder um genauer zu sein: Käsekuchen mit Rosinen, der oberseits leicht gebräunt ist. Das ist der Pilùna. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, ist selber schuld. Oder sollte sich den Wein kaufen, der einem preislich mit ca. 7,00 € auch nicht mal weh tut. Im Mund kommen Lakritztöne dazu und wunderbar feine Tannine, die einen fragilen Flaum in den Mundinnenraum legen.

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Und dann kam noch eine Magnum Primitivo di Manduria 07 von Feudi di San Marzano. Moment, es war doch nur eine 0,75-l-Flasche. Aber so etwas dickes habe ich noch nie in der Hand gehabt. Die leere Flasche hat noch mindestens das Gewicht einer normalen vollen. Mindestens doppelte Wandstärke. Holla die Waldfee! Die Rebstöcke sind 60 Jahre alt, daher erschließt sich auch des Weines Name Sessantanni (sessanta = 60). Er riecht dick, fruchtig, nach angenehmen Tabakhauchen, zimtig, Rosinen und Nelke und alles schon in der Nase höchst fein abgestimmt. Aber schon wuchtig. Wie eine gelassen summende Oberklasselimousine, mit der man gediegen zum Abendempfang cruist. Rosinig auch im Geschmack, souverän, Kirsche, Tabak, ach eigentlich kann man gar nicht alles aufzählen, was er für den Gaumen im Gepäck hat. 14,5% Vol. Puuh, nicht wenig, aber notwendig bei der Bombe, damit der schwere, komplexe Geschmack transportiert werden kann. In vielerlei Hinsicht einem Amarone nicht ganz unähnlich, nur preiswerter. Köstlich!

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Mi

05

Jan

2011

Weihnachtsschmecktologieabend: Burgund

Kurz vor Weihnachten muss man sich mal was geben, damit die guten Weine auf all den Weihnachtsfeiern noch übertrumpft werden (z.B. der Pfälzer Spätburgunder "Kalkmergel" 2008 von Bernhart). So gab es am letzten schmecktologischen Abend des Jahres Weine aus dem Burgund. Teuer, aber gut. Ich habe mal wieder zwar am Folgetag nachverkostet und Notizen gemacht, aber dann nicht schnell genug diesen Eintrag in Fließtext verfasst, daher nur die VKNs in ihrer notierten Form. So ist es auch authentisch :-) (A=Auge, N=Nase, M=Mund)

 

Domaine Cordier Père et Fils Saint Véran „En Faux“ Chardonnay 2007

(Pouilly-Fuissé) Für Parker der beste Erzeuger des Burgunds. Aber muss das wirklich erwähnt werden?

A: sehr dunkles, volles Gelb

N: Honig, Würze von Ysop, und irgendwie finde ich die Assoziation mit Schlangen

M: Honig, Waldmeister, Spekulatius, passt also zur Vorweihnachtszeit, weich und cremig, lang. A+

Was Parker sagt, muss ja nicht falsch sein.

 

Beaujolais Nouveau, Jean-Claude Debeaune, Romanèche-Thorins

Dass er von 2010 und ein Gamay ist, muss ja nicht gesagt werden.

A: extrem violett

N: Banane, leicht medizinisch, Kirsche

M: sehr fruchtig, Banane, dunkle Kirschen, wenig Tiefgang, aber amüsant

 

Trénel Fils: Moulin à Vent 2006, Gamay, Romanéche-Thorins und Chénas

Die älteste Cru des Beaujolais

A: sattes Pflaumenmusrot

N: intensiv Nagellack und Banane

M: Reife, Zwetschen, Banane, Früchtebrot.

Kein romantischer Wein für ein Candlelight Dinner, sondern urtypisch zum draußen mit einer Salami und Baguette auf großen Steinen sitzen und seelebaumelnd das Leben genießen. Ein Wein, der lacht.

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Blason de Bourgogne Cuvée 2005, Mercurey

Was daran Cuvée ist, sei mal dahingestellt. Ob es ein Lagencuvée ist oder neben Pinot Noir ausreichend Mengen an P. Gris und P. Liébault drin sind, bleibt fraglich.

A: Pflaumenmusrot

N: Herbstlaub, Lakritz

M: sauer, Pflaumen, Himbeeren

 

Domaine Gabriel Billard „Les Epenottes“ Beaune 1er Cru 2005

A: Purpurn mit zart ziegelnen Reflexen

N: Moos, Laub, Rind, überreife Erdbeeren

M: fängt super an, und dann fällt er. Veilchen, Erde und auch die überreifen Erdbeeren. Am Tag der NVK hält er sich stabiler im Mund, samtig. Trotzdem zu teuer.

 

Michel Picard, Nuits-Saint-George 2004

A: dunkel Ziegelrot

N: Kohlrabi und kalte nasse Holzkohle und Sonnenblumen, aber die riechen ja eigentlich nicht viel

M: kalte nasse Holzkohle, oder was man darunter als Geschmack vermutet, Trüffel. Sehr interessant und überraschend, irgendwie stumpf, und dennoch mit Klasse. Zuviel Säure. Brombeeren.

 

René Bouvier Gevrey-Chambertin 2001

 A: Ziegelrot

N: rassig, animalisch, Herbstlaub, Dörrpflaumen, Holunder, Vanille, Hauch Eukalyptus

M: Brom- und Erdbeere, Dörrpflaume, lang ziehender Abgang, harmonisch, brummt im Mund wie eine S-Klasse

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Die Pinots waren sehr unterschiedlich, obwohl aus der gleichen Traube. Man hat deutlich gemerkt, dass "Terroir" das im Burgund herrschende Leitmotiv ist und die Weine die Eigenarten ihrer Lagen herausstellen. So sollte die Weinmacherei sein! Kein Einheitsbrei, sondern mit Gesicht und Charakter.

 

Nach denen liefen plötzlich noch ein paar deutsche Pinots auf... der Manz <Kalkstein> 2007 (Rheinhessen), der "B" 2008 von Friedrich Becker (Pfalz) und der ... naja, nicht wirklich deutsche Gladstone Reserve 2006 von Johner Estate. Ein Dreiergespann, wie es schöner nicht sein kann. Der "B" wurde zu meiner persönlichen Weinentdeckung 2010. Ein Wein, der schmeckt, wie wenn man beim golfen endlich Handicap 0 erreicht. Geil. Und ganz anders als die Franzosen.

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Mi

05

Jan

2011

Weinverkauf im LEH

Beim Weineinkauf für Silvester hat es uns für einen bestimmten Wein in einen Lebensittelgeschäft getrieben, weil jenen Wein dort vermuteten. Einen kalifornischen Chardonnay mit vollem Körper, anschmiegsam und dick im Geschmack. Aber der Laden hatte ihn dann doch nicht mehr im Programm. Stattdessen empfahl uns der Verkäufer leidenschaftlich einen Sauvignon Blanc von der Loire. Mein erstes Gefühl war Skepsis. Chardonnay und SB vergleichen?!? Naja... Dem Verkäufer entgingen meine Bedenken nicht und er bot an, den Wein kalt zu stellen, damit wir ihn mal probieren können. Fand ich ja schonmal bemerkenswert. Wir waren schließlich nicht im Fachhandel, sondern im Supermarkt. Nach 20 Minuten und einer zusammengesuchten Einkaufswagenladung voll kehrten wir also zurück und der Kerl hat sogar zwei zum Vergleich für uns gekühlt. Der Sauvignon war wirklich eine Granate, sowas von eindeutig, mineralisch und charaktervoll, dass mir das Herz im Leibe hüpfte. Gekauft. Auch wenn es ein ganz anderer als der Chardonnay war. Und dazu hat der Verkäufer uns noch eine andere Flasche geschenkt. Der Laden war übrigens der Scheck-In Edeka in Durlach. Super Service. Das rostige an der Medaille ist nur, dass dieser Verkäufer nicht der einzige in der Weinabteilung ist.

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Di

19

Okt

2010

中国 葡萄酒

Das Durlacher Weinhaus am Markt lud zur Chinaweinprobe. Ganz interessant, denkt man da als offener Weingenießer mit fernöstlicher Affinität. Also hin. Der Weinhändler Herr Wachter hat über die letzten Jahre einige Weine aus China zusammengesammelt, die an jenem Abend zur Verkostung standen. Keine Weine, die er in sein Programm aufzunehmen gedenkt, sondern nur ein abendfüllender Ausflug in neue Regionen. Er selber kannte die Weine auch noch nicht, und so war die gesamte Gruppe gespannt wie ein Flitzebogen.

Ordnungsgemäß starteten wir mit den Weißen. Es wurde ein Chardonnay von Greatwall mit dem Jahrgang 2008 geöffnet. Und einstimmig waren wir der Meinung, dass dieser Wein einen Fehler haben musste, z.T. wurde auf Kork getippt, aber Trichloranisol olfaktort zwar genauso übel, aber anders. Da er beinahe untrinkbar war, wurde eine Flasche des gleichen Weins entkorkt. Genauso. Zunächst schwächer, aber nach ein paar Minuten an der Luft mit gleicher Intensität. Es schimmerten nur spärlich Wohlklänge von Quitte und Honig durch die Mischung aus Muff, Schimmel, Benzin und Harz. Fürchterlich. Auch die dunkel honiggelbe Farbe verstörte bei einem Wein, der erst zwei Jahre alt ist. Der Geschmack entsprach dem Geruch. Man fragt sich ernsthaft, warum so etwas abgefüllt wird. Naja, man nimmt es als Erfahrung und wird diesen sicher nicht so schnell kaufen. Wo auch?

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Wir hofften beim nächsten Wein auf etwas besseres. Auch weil es ein Riesling war. Davon kann man was erwarten. Einer von Changyu, der größten Winery Chinas. Jahrgang unbekannt. Müssen die Chinesen es nicht draufschreiben oder ist es ein Jahrgangscuvée? Beides wäre doof, letzteres aber doofer. So. Riesling. Man findet sortentypische Aromen. Man hat ja Phantasie. Aber auch die paaren sich mit diesem harzigen, muffigen Ton, wenn auch glücklicherweise deutlich schwächer als beim ersten Wein. Vielleicht sind wir in Deutschland einfach von Riesling verwöhnt, aber dieser nimmt es gerade mal mit den schlechten unseres Landes auf. Ein Scharzhofberger ist was anderes. Oder ein Rüdesheimer Berg Roseneck. Oder ein Niersteiner Orbel. Oder oder oder...

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Fertig mit den Weißen, ab zu den Roten. Zuerst zwei Brüder von Dragon Seal, auch einer der größten Produzenten des Reichs der Mitte und ist im Pekinger Distrikt ansässig. Beide Weine waren Merlots, beide von 2003, äußerlich nur an der Farbe des Etiketts (rot bzw. schwarz) und, auf dem schwarzen Etikett, ein paar mehr Schriftzeichen zu unterscheiden. Diese Schriftzeichen habe ich, nachdem ich selbst erfolglos gescheitert bin, zum übersetzen nach Kiel und Singapur (hier an meinen Kontakt mit chinesischen Wurzeln) geschickt, aber selbst dort taten sich die konsultierten schwer. Am Ende kam etwas heraus wie "Aus dem Gemüt/Schoß/Herz kommende Produktionsgebiete, hin zu Sonnenfeldern am Hang", was in meinen Augen nicht allzu viel Sinn macht und auch keinen Hinweis auf die Unterschiede im Wein selber gibt. Die waren jedoch sehr unterschiedlich. Der rot etikettierte war heller im Glas und hatte kühlere, wenn auch doch schon orangene Reflexe, der schwarze hatte deutlich orangene Reflexe. Der rote war in der Nase auch klar als Merlot zu erkennen, mehr noch als auf der Zunge und hatte - sowas blödes - auch diesen Muffton. Dennoch eine schöne Frucht und wäre ohne den Muff gut trinkbar. Erstes Aroma des schwarzen, welches sich einer Teilnehmerin der Weinprobe zeigte, war ausgelassener Speck. Was aber auch daher rühren könnte, dass sie direkt bei der aufgeschnittenen Salami saß, die eingangs gereicht wurde. Nein, ausgelassener Speck war auch ohne Salami nachvollziehbar. Außerdem Hagebutte, Sauerkirsche, Nelke, insgesamt eher exotisch. Und auch hier wieder, und schon fast erwartet, der harzige Muffton, der diesmal aber an eine gemütliche alte Holzbude erinnerte und dadurch erträglich war. Von den beiden der interessantere und bessere.

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Dann kamen wir zu einem Cabernet Sauvignon 2000, wieder von Weingut Changyu. Die Erinnerungen sind nicht mehr allzu dicht, meine VKNs des Abends geben nicht viel her. Eine Teilnehmerin jedenfalls war der Meinung, er rieche nach (Originalton) "Diabetiker kurz vor dem Koma". Interessant, wenn auch nicht gerade attraktiv. Den Muffton muss ich nicht mehr extra erwähnen. Auf jeden Fall war er schön präsentiert, zusammen mit einer weiteren, nicht verkosteten Flasche in einer schmucken mit brauner Seide drapierten Kiste. Und das ist ja schonmal was.

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Der letzte Wein schließlich war wieder ein CS, diesmal von 1994 und von einem nicht erkennbaren Weingut. Oder sollte "Happy News", was dick auf der Flasche bzw. der Kartondose aufgedruckt war, etwa der Name des Guts sein? Man weiß ja nie bei den Chinesen. Wenn man das Jahr bedenkt, macht einen die Farbe des Weins stutzig. Sie war noch richtig jugendlich, keine Spur von warmen Tönen, die man eigentlich nach 16 Jahren erwarten sollte. Aber sehr interessant im Geschmack, wenngleich auch hier das Alter nicht erkennbar war. Geschmeckt wurde in erster Linie Fallobst (Äpfel), und zwar nach Aussage eines Teilnehmers Fallobst vom Thomashof, einer kleinen Siedlung nahe Karlsruhe. Kennt man eher von St. Laurent, nicht von einem Cabernet. Bißchen reife Sauerkirschen und nach knapp einer Sekunde im Mund changierend zu diesen Haribo Kirschen. Nur gaaanz leicht der muffige Störfaktor. Klasse Wein, der beste des Abends und auch in einer hübschen Flasche: das grüne Glas war satiniert.

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Unklar blieb leider, ob diese irritierende Muffigkeit in allen Weinen gewollt war, ein Fehler ist, durch den Flugtransport entstanden ist oder sonst einen Grund hatte. Wäre er nicht vorhanden, hätten wir es mit richtig ordentlichen Weinen zu tun gehabt. Viele der großen chinesische Weingüter sind mithilfe westlicher, oft französischer, önologischer und ökonomischer Hilfe entstanden. Daher sollte man erwarten, dass die Weine aus dementsprechender Erfahrung und Knowhow entstanden sind und diese Misstöne eliminiert sein sollten. Es werden noch mehrere chinesische Weine den Rachen runterrauschen müssen, um sich ein adäquates Bild von der fernöstlichen Entwicklung der Weinwelt machen zu können und die Frage des Muff zu klären.

Aber dieser erste intensive Chinaweinabend im Leben des Schmecktologen hat auf jeden Fall eine Menge Spaß gemacht, nicht zuletzt auch wegen der illustren Gruppe der Teilnehmer.

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Mo

18

Okt

2010

Schmecktologieabend Barbera vs Nebbiolo

Eigentlich wollte ich als Thema für diesen Abend „Welcher Wein passt am besten zu Aldi Gewürzspekulatius?“ machen, aber wegen schneidigem Gegenwind der Freunde wechselte ich zu etwas ganz anderem: Barbera vs Nebbiolo. Zwei Rebsorten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, außer dass sie hauptsächlich im gleichen Gebiet angebaut werden, der Gegend von Asti und Alba, Barolo etc. im Piemont. Barbera war lange Zeit eine Massenträgerin für einfachen Wein, z. T. auch perlend ausgebaut. Anpassungsfähig in den Ansprüchen. Inzwischen aber dabei, wieder zu Renommee zu kommen. Tanninarm, aber säurestark. Nebbiolo gehört schon seit Jahrhunderten zu den edelsten Rotweintrauben weltweit. Reift langsam wie Sau und braucht auch im Ausbau ewig. Extrem standortintolerant, wächst Nebbiolo nur in dem piemontesischen Gebiet, wo er an sonnenexponierten Hängen Kalkmergel findet und im Herbst lecker Morgennebel (nebbia (ital.) = Nebel) die Beeren benetzt. Eine Legende sagt, dass ein Mönch sich wegen zuviel Weinbergsarbeit nicht mehr ums Beten gekümmert hat und statt im Kloster ständig zwischen Reben war. Gott erboste und schickte ihm so dichten Nebel, dass die Arbeit nicht mehr möglich war und er fürderhin im Kloster weilen musste.

Zuerst reihten wir die Barberas aneinander, danach schmeckten wir die Nebbiolos. Erster Barbera: Barbera d’Asti von Alto di Bellano, 2005. No comment, weil er beim Nachverkosten nicht mehr da war. War aber eigentlich ganz ordentlich, wenn auch eine gewisse Härte mit drin war. Zweiter: Barbera d’Asti „Blina“ von Agostino Pavia & Figli, einem nur 7,5 ha großen Weingut, das seine Rebstöcke mit Sorgfalt und Geduld behandelt und sie nicht sofort abholzt, sobald sie ertragsschwächer werden. Der Blina stammt z.B. von 50jährigen Gewächsen und erschien auch etwas ausgefeilter, souveräner als der erste des Abends. Leider auch beim Nachverkosten nicht mehr vorhanden.

Es folgte ein Pärchen von Renato Ratti. Barbera d’Alba Torriglione von 2008 und von 2007. 2008, erster Eindruck von Mark R.: Kacke und Kupplung. Nicht grade verführerisch. Ein fieses Aroma, aber mit Veilchen durchmischt. Aber beschissene Veilchen sind auch nicht das wahre. Im Geschmack dagegen stimmiger. 4 Monate im französischen Barrique ausgebaut, das verleiht ihm Abrundung und etwas Eleganz. Ledrig, würzig, pflaumig und gar nicht mal so säurebetont. Der 2007er hat von dem üblen Geruch verloren, dieser ist aber immer noch zu erahnen. Blöd, wenn man durch den anderen schon vorgeprägt ist und Erwartungshaltung hat. Er ist aber leiser in der Nase und es mischen sich nasse Steine und eine feine Note von Estragon rein. Dagegen hat er geschmacklich wesentlich mehr charakterliche Schärfe und Rasse. Das eine Jahr mehr an Reife hat ihm gut getan. Ein noch älterer Jahrgang wäre von daher nicht uninteressant. Beide bleiben lange im Mund hängen. Eigentlich gar nicht so üble Gesellen. Bis auf den Geruch vor allem des ’08ers. Wir tauften die beiden Weine „die Stinkebrüder“. Nun ja, zum Geruch kann man eine Hassliebe entwickeln, und dann macht’s Spaß.

Als letzter Barbera trat aus den Colli Tortonesi der von der Cantina Volpi auf, ein ’06er. Nach sechs Monaten im Barrique strömt der dafür typische Ton sanft in die Nase. Man merkt ihm sofort an, dass er toll ausgebaut ist. Nicht zu viel, nicht zu wenig Barrique. Die Säure ist präsent, aber schön eingebunden. Er schmeckt nach Pflaumen, Leder und Veilchen und strahlt Souveränität aus. Unter den Barberas der Sieger des Abends.

Kommen wir zu den Nebbiolos. Als erstes hatten wir einen Nebbiolo d’Alba von Grimaldi. Davon war allerdings die ganze Flasche am Tag der Nachverkostung nicht mehr auffindbar. Also kein Wort darüber. Bleiben ja auch noch drei weitere. Und zwar einmal der Nebbiolo d’Alba 2007 von Francesco Rinaldi & Figli, dessen Schriftzug auf dem Etikett auch zu einem Zirkus gehören könnte. Aufgrund seines jungen Alters haben wir ihn in den Dekanter gegeben, wo er sich noch ein bisschen entwickelte. Aromen von Tabak, Leder und ein Hauch von Rosen, etwas Heidelbeere. Und so schmeckt er auch. Irgendwie nach dem Wohlstand von kulturbeflissenen älteren Damen an einem spätsommerlichen Tag mit Kuchen auf der Terrasse. Mein ich positiv. Dabei belegen eine arttypisch Menge Tannine den Mundinnenraum, die allerdings eine noch etwas geschliffenere Erscheinung haben könnten. Trotzdem für mich der beste an dem Tag.

Barbaresco 2006, Castelvecchio. Riecht rustikaler als der Vorgänger, Leberwurst, Ziegel, Leder, auch Veilchen. Der Geschmack geht in rote Früchte, könnte mehr Körper vertragen, aber ist dennoch nicht verkehrt. Hat das Spannende von etwas nicht lupenreinem.

Noch einer, der Nebbiolo 2006 von Luigi Dessilani & Figlio aus der DOC Colline Novaresi, wo Nebbiolo auch Spanna gennant wird. Für die meisten war er der Etikettgewinner. Dunkelgrün und ornamental. Das Weingut möchte die Eigenart seiner nordpiemontesischen Herkunft bewahren und baut auf seinen 50 ha nur heimische Sorten an. Ca. anderthalbjähriger Barriqueausbau und weitere Reifung in großen Fässern aus slawonischer Eiche haben den Wein verfeinert, wobei die lange Zeit im Holz gar nicht hervorsticht. Stattdessen eher weiche Veilchen, auch im Geschmack dominieren sie. Dazu noch Pferd, Herbstblätter und Leder. Die Tannine sind natürlich auch reichlich, aber zart und anschmiegsam. Nach anderthalb Tagen offener Flasche in Bestform.

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So

17

Okt

2010

Schmecktologieabend Neuseeland

Ist schon jetzt schon ewig her, dass wir den Neuseelandabend hatten. Aber es war eine Offenbarung. Neuseeland und schlechter Wein scheinen sich gegenseitig auszuschließen. Lange Zeit hatte ich keine Lust, Text fürn Blog zu schreiben, deshalb jetzt nur meine stichpunkthaften VKNs der durchweg schraubverschlossenen Weine. F steht für Farbe, N für Nase und M für Mund.

Here we go:

 

Sileni Sauvignon Blanc 2008

F: hellgelb

N: Kiwi, mineralisch, Stachelbeere, weiße Johannisbeere, intensiv, grüne Paprika, manche möchten in ihm auch Maracuja sehen, was nicht ganz verkehrt ist und das sauvignontypische Gras fehlt auch nicht

M: mineralisch, säurebetont, voluminös, sehr stimmig

 

Cloudy Bay Sauvignon Blanc 2008

F: beinahe gräuliches hellgelb

N: weicher, unaufdringlicher, aber mit der substantiellen Souveränität von vornehmer Zurückhaltung, Ananas, ein paar Tropfen Orange, natürlich auch Stachelbeere, ein Hauch Limette, vielleicht sogar Birne

M: schon fast zu durchdacht, zu perfekt, man stößt sich an nichts, kein ungestümer 67er Ford Mustang, sondern eine S-Klasse Stretchlimo, auf einmal wirkt der vorherige wie Gurkenwasser

 

Johner Riesling 2008 Wairarapa

F: schickes gelb mit reduzierter Farbintensität

N: Asphalt, Mineralität, Mirabelle

M: sehr geschmeidig, Pfirsich, Mirabelle, fröhlich, Säure begleitet, aber spielt nicht die erste Geige

 

Montana Pinot Noir 2007

F: gereiftes, aristokratisches Warmbraunrot

N: Linzer Torte, Pflaumenmarmelade

M: lang, etwas ledrig, Thymian, Brombeere

 

Saint Clair Pinot Noir 2007 Marlborough

F: Pflaumenmarmeladenrot

N: Erdbeermarmelade, bisschen was von dem weißen Kunstlederbezug der Klippansofas von IKEA, Zwetschgen

M: Brombeere, was in der Nase so noch nicht vorhanden war, Leberwurst, Tannine der feinen Sorte

 

Cloudy Bay Pinot Noir 2005

F: warmes dunkelorange

N: schmiegt sich wie ein Schaumstoffbällchen durch die Nase, ähnlich gelassen wie der SB, da auch er weiß, dass er überzeugen wird und sich nicht groß erklären muss, Holz (französich), Sahne mit Vanillinzucker, Kirsche, bisschen weihnachtlich, Lebkuchen

M: konkurrenzlos, Schokolade vom Zuckerbecker, imaginär spielt Ludwig Güttler seine Trompete

 

Montana Merlot/CS 2008 keine Lust mehr. nicht so gut.

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So

05

Sep

2010

Der Schmecktologe...

... grüßt Irmgard und Clemens :-)

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Di

24

Aug

2010

Weingartener Ochserohr vom Hohenberg

Naja, Ochserohr ist nur ein mundartliches Synonym im Kraichgau. Eigentlich heißt er phonetisch ähnlich, nämlich Auxerrois. Nach dem letzten Schmecktologieabend, an dem zwar Durlacher Wein am Start war, aber keiner von den dann nächsten Bergen von Weingarten, hole ich jetzt so einen alleine nach. Auxerrois, der Pinotfamilie abstammend, wird nur wenig in Deutschland angebaut, aber am meisten in Baden und in Baden am meisten im Kraichgau, also bei mir um die Ecke. Die Flasche beeindruckt mich schonmal mit ihrer Länge. Ich bin ja der Meinung, dass Weißweinflaschen nicht schlank und lang genug sein können. Diese misst 37 cm in der Höhe und 7,5 cm im Durchmesser.

Die Farbe ist zwischen nikotinweiß und strohgelb und weist damit schon einmal ein Charakteristikum von Auxerrois auf. Die Rebsorte ist i.d.R. immer etwas farbschwach. In die Nase gelangt erstmal ein Hefeton, dann auch Kiwi und bißchen Heu. Auf der Zunge erschreckt er zunächst durch Flachheit und Bitterkeit, versucht dann aber (leider erst) im Abgang noch einmal die Kiwis zu präsentieren. Nee, das ist nix. 4,99 €, die sich nicht gelohnt haben. Lieber zu dem vom Durlacher Turmberg greifen. Oder einem Elsässer.

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Aber jetzt, eine Stunde später, muss ich sagen, er lässt sich gut zu einer deftigen Salami trinken.

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Di

24

Aug

2010

Was lernen über georgischen Wein

Vor einigen Tagen habe ich den Winemaker Giorgi Dakishvili aus Georgien getroffen und er hatte interessantes zum Wein aus seinem Land zu sagen. Natürlich verbindet man vor lauter Unwissenheit georgischen Wein mit süßer Plörre, aber das muss so nicht sein, es gibt auch wirklich gute Tropfen und einige autochthone Sorten. Wein wird schon seit 7000 Jahren dort angebaut, was man von vielen europäischen Ländern nicht sagen kann, und die traditionelle Methode, die nach wie vor angewendet wird, ist der Amphorenwein. Eine riesige Tonamphore (Qvevri) von mehreren Tausend Litern Fassungsvermögen ist in den Boden eingelassen und von innen mit Bienenwachs ausgekleidet, was sie abdichtet. Ton würde sonst beständig feine Mengen Flüssigkeit durchlassen. Das Wachs teilt durch den direkten Kontakt zum Wein natürlich auch leicht seinen Geschmack mit. Die Lagerung in der Erde garantiert eine gleichmäßige Temperatur. Vor allem aus diesem Grund sind heutige Weinkellereien eben auch im Keller. Heute werden die Amphoren entweder als kurzzeitiger Behälter während der Maischegärung (bis zu 20 Tage) oder zur Reifung (mehrere Monate) eingesetzt. Sie werden mit einem Stein und dann mit Asche und Sand abgedeckt.

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Ich durfte zwei Qvevri-Weine probieren, einen weißen und einen roten. Der Weiße aus der Sorte Kisi verblieb 5 Monate in der Amphore und wechselte dann 12 Monate in gebrauchte Barriques. Er war dunkelgelb, schmeckte nach Datteln, dick, muffig, Honig. Der Rote aus 50jährigen Saperavitrauben, wie Kisi auch autochthon, wurde nur im Qvevri vinifiziert, und kam dann ins Holz. Er zeigte Noten von Estragon, mehr Feinheit als der bracchiale Weiße, merlotartiges Fruchtspiel, reichlich sanfte Tannine. Aber dennoch waren mir die am gleichen Tag verkosteten georgischen Weine, die nicht in der Amphore waren, lieber. Vielleicht muss man sich auf diese Weine konditionieren, indem man in Georgien aufwächst. Aber interessant waren sie allemal.

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Mo

23

Aug

2010

Schmecktologieabend 14. August 2010

Das Universum hat einen Durchmesser von Multipliarden Kilometern und in jeder Ecke wird Wein angebaut. Und sämtlicher Wein wird nach Deutschland in die Regale transportiert. Aber wir haben einen Sinn für regionales Leben und sind uns der Eigen- und Einzigartigkeit der Region bewusst. So schweiften wir nicht in die Ferne, da das Gute ja so nah liegt. Weinanbau aus Luftlinie maximal 100 km Entfernung sollte verkostet werden. Und dann gab es noch die bescheuerte Regel, dass kein Riesling und kein Spätburgunder auf dem Tisch stehen darf, weil wir uns mit den Sorten an einem anderen Tag dezidiert beschäftigen werden. Es kamen 4 weiße und 6 rote Weine zusammen. Start: Ein Silvaner aus der Pfalz vom Weingut Ökonomierat Froelich, der sich auch fleißig der Forschung und Entwicklung von Reben verschreibt. Das Weingut liegt in Edenkoben, die Lage ist Schwarzer Letten, Jahrgang 2007. In der Nase gleich eine angenehme Würzigkeit von Liebstöckel, auch Spargel und Grapefruit. Der Geschmack wird mit den Sekunden im Mund immer weicher und liebevoller, während er zu Beginn außer den in der Nase schon vorhandenen Aromen noch Dragonfruit addiert. Wirklich netter Wein, seinen Preis von 7,- € wert. Nächster Tropfen war der 2008er Pinot Gris von Heitlinger aus dem Kraichgau, Baden, der schon durch ein attraktives Etikett vor dem Verkosten zu gefallen sucht. Und dazu gefällt mir die Typo des Rückenetiketts, wo der Vermerk „Spicy Stone“ draufsteht. Will er damit auf besondere Mineralität hinweisen? Naja, zunächst hat er eine kräftige, noch leicht grüne Farbe. Dann sehr schwer in der Nase, mächtiges Aroma. Bisschen was von Baustelle und nassem Beton, Pampelmüschen, Kopfsalat, Sonnenblumenkerne (was, die riechen!?), frische, süßliche Äpfel. Geht etwas pelzig über die Zunge, aber solider Geschmack und wirklich: mineralisch. Mit 10,- € ein paar Mark teurer als der Silvaner, aber auch dieser eine echte Kaufempfehlung. Edenkoben, Kraichgau, wir kamen Karlsruhe immer näher. Und als nächster und vorerst letzter weißer kam einer in die erlauchten Gläser, der direkt in Karlsruhe angebaut wird, um genau zu sein, am Durlacher Turmberg. Der Wein war ein 2008er Auxerrois (oder, wie er seit diesem Abend auch genannt wird: Accessiore), der preiswertere der beiden, die das Staatsweingut Durlach anbietet. Als Kontrast zu dem Pinot Gris war dieser farblich sehr blass, was ich einem Weißwein aber nicht unbedingt negativ anlaste. Nicht nur in der Farbe ist er zurückhaltender, sondern auch im Geruch. Aber er hat etwas zu sagen und erzählt von Äpfeln, Birnen und Heu. Ein Wein wie ein hübscher Herbsttag. Kann man vielleicht generell zu Accessiore aka Auxerrois sagen. Im Geschmack ganz weich und trotzdem frisch. Der weht wie ein seichter Wind durch den Mund und braucht auch nicht mehr als 10% Alkohol. Und diese Bescheidenheit mag ich an der Rebsorte. Auxerrois präsentiert sich, aber nicht mit Pauken und Trompeten. Auxerrois stellt sich nicht selbstverliebt in den Kegel des Rampenlichts. Auch 7 €, auch wert, wieder gekauft zu werden. So, rot. Der letzte Weiße ist süß, der wird erstmal zurückgestellt. Rot Nr. 1: 2008er Lemberger vom selben Staatsweingut Durlach. Man denkt bei der Traube erstmal an Trollinger/Lemberger Plörre auf schwäbischen Stammtischen. Aber man erwartet von dem Weingut eigentlich mehr. Dieser Lemberger ist im Holzfass gereift und zeigt einen transparenten Rotton mit schon warmen Reflexen. Das Holz reicht man gleich raus. Dazu kommt Thymian und Kirsche. Etwas angestrengt schiebt er sich über die Zunge, als wäre er von seinem eigenen Charakters nicht wirklich überzeugt. Schmeckt aber trotzdem nicht schlecht nach Waldfrüchten und dem dazugehörigen Boden. Aber es mangelt an gebührender Harmonie. Sonst wäre er durchaus ein lecker Stöffsche. Dann kam das Feindesland. Aus badischer Sicht. Württemberg. Cuvée der Weinmanufaktur Untertürkheim, 2007, auch aus dem Holzfass. Keine Ahnung, was die Trauben sind, aber will ich auch gar nicht wissen. Der Wein ist einfach flach. Oder wie Matthias sagte: Glatt wie eine Turnhalle. Also, vergiss es. Zurück nach Baden, nach Wiesloch. Ein Regent, 2005. Mit der Rebsorte kam ich noch nie so wirklich klar. Obwohl er ja weitgehend pilzresistent ist und man als einigermaßen ökologisch denkender Kerl sowas wegen der geringeren Fungizidbekämpfung begrüßen möchte. Er riecht nach Sauerkraut mit Knödeln und schmeckt scheiße. Mehr Worte möchte ich nicht verlieren. Lieber mit dem nächsten Wein weitermachen, der die Erwartungen wieder ankurbelte, denn es war vom renommierten pälzer Weingut Knipser, der seinen 2007er Cuvée aus Cabernet, Dornfelder (Pfalz halt) und St. Laurent Gaudenz genannt hat. Muss ich mal googlen, was er damit meint. Vielleicht eine Kombination aus Gaudi und Audienz. Jetzt, wo ich das schreibe, war die Flasche schon leer und ich kann mich an das Geschmackserlebnis vom Abend nicht mehr ausreichend erinnern. Er kam aber bei den meisten klasse an, bei mir jedoch weniger. Der vorletzte Rotwein war die Neuzüchtung Acolon (Dornfelder x Lemberger) von der Winzergenossenschaft Edenkoben, also wieder Pfalz, Jahrgang 2008. Acolon findet vor allem in Franken viel Anklang, aber auch in der Pfalz immer mehr Freunde. Leider war dieser am Verkostungsabend so scheußlich, dass ich das Glas nicht in den Mund, sondern in den Schweineeimer geleert habe. Einen Tag später gewann er aber überraschend und ordentlich an Quali. Nicht dass er jetzt geil wäre, aber einen Satz nach vorne hat er unverkennbar gemacht. Er riecht nach Kirsche und Kuh und schmeckt auch so, was ich hauptsächlich, aber nicht nur, positiv meine. Acolon braucht also lange Luft. Aber ob ich mal freiwillig einen kaufe, sei noch sehr dahingestellt. Schlussendlich begaben wir uns zu dem letzten Rotwein. In einer schweren Flasche lag ein 2007er, barriquegereifter Cabernet Sauvignon von Werner Anselmann aus der Edesheim, Pfalz. CS aus Deutschland sehe ich i. d. R. kritisch, aber von außen hat er trotz eines Wappens auf dem Etikett einen guten Eindruck gemacht, nicht zuletzt, weil er zwei goldene Plaketten vorwies. Aber was heißt das schon. Nase: Ein wirklich schmeichelnder Duft aus dicken roten Früchten, und viel schwarzer Johannisbeere. Wüsste ich’s nicht besser, ich hätte apodiktisch auf Shiraz getippt. Weich im Mund, super Tannine, fruchtig und voller Körper. Ein Knaller, und das für 11 €. Richtig geil. Und als Nachtisch noch ein Weißer. Eine Spätlese vom Jahrgang 2007 aus dem Hause Karl Pfaffmann, Walsheim, Pfalz. Hartes Gelb im Glas, in der Nase Mirabellen und Salatgurke, die Süße ist auch schon gut riechbar. Auf der Zunge fühlt er sich voluminös, aber dabei luftig leicht an. Er hat ein angenehmes Säurespiel, aber auch diese unangenehme Textur einer durchgereiften Birne. Die Frage nach Nachkaufen erübrigt sich, weil so liebliches Zeug nix für mich ist. After all ist Deutschland wieder interessanter geworden. Und es wurde wieder bestätigt, dass Deutschland ein ausgezeichnetes Weißweinland ist, obgleich es auch hervorragende Rote gibt. Inzwischen habe ich auch raus, dass Gaudenz ein männlicher Vorname ist und im Fall des beschriebenen Weins Bezug nimmt auf Gaudenz Knipser, einen Urahn der Knipserlinie. Gaudenz Koch, wäre das ein Name für meinen imaginären Sohn?

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Do

29

Jul

2010

Nee, du

Wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind das Presskorken. Ganz schlimm sind die, die noch nicht mal eine Scheibe Normalkork oben und unten draufgepappt haben.

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Do

29

Jul

2010

Schmecktologie 9134m

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Mo

12

Jul

2010

Schmecktologie goes Southeast Asia

Erstmalig fand Schmecktologie in Südostasien statt, in Singapur. Acht Leute, acht exquisite Weine, die zum allergrößten Teil von einem Paar zur Verfügung gestellt wurden. Dazu wurde ein 2,2 kg Lammbraten gereicht; Bruschetta, Salat, mit Spargel und Langem Pfeffer verfeinerter Reis, Kartoffelpüree mit Trüffelöl und Kartoffelpüree aus lila Kartoffeln standen ebenfalls auf dem Tisch und als Dessert ließen sich homemade Tiramisu und eine Käseplatte mit Trüffelhonig (34,-/250 g, aber der Geschmack rechtfertigte den Preis...) blicken.

 

Der Starter unter den Weinen war ein Riesling von der Saar: Egon Müller Scharzhofer Kabinett 2007. Wer Müller kennt, weiß, dass es sich weder um trockenen noch um schlechten Wein handeln kann. Ist Müller der d’Yquem Deuschlands? Allen Trockentrinken möchte ich Egons Worte ans Herz legen: „Wenn man das nachher im Glas hat und probiert und der Wein ist gut gemacht, dann stellt man sich die Frage gar nicht mehr, ist das jetzt süß oder trocken oder halbtrocken, sondern dann ist das nur noch der Eindruck von perfekter Balance oder Harmonie.“ Und wirklich vergaß man den restsüßen Impact, als der Wein durch die Zähne flutschte. Es war zwar „nur“ ein Kabinett, hatte aber schon die Dichte einer Beerenauslese. Nach 2-3 Sekunden im Mund geht er in eine erfrischende Bitterkeit über, die an Boskoop erinnert, ist aber dennoch insgesamt sehr weich. Außerdem zeigt er im Duft deutliche Noten von Honig und, wahrscheinlich durch die Süße verursacht, auch etwas Litschi. Im Geschmack gesellt sich noch samtiger Pfirsich dazu. Die Säure ist nicht hart und steht nicht im Vordergrund. Brilliant, keine Frage. 0,75 Flasche in D für ca. 30,- , aber wir hatten ein paar 0,375 Fläschchen.

 

Die Reihenfolge der Weine an diesem Abend war etwas chaotisch. Als nächstes kam schon einer meiner Favoriten des Tages: Châteauneuf-du-Pape, Château Saint-Cosme, 2004, mit sage und schreibe 14,5% Alk, aber was ist das schon gegen den Pinotage von der letzten Schmecktologie mit 16%? In Châteauneuf sind 13 Rebsorten zugelassen, von denen viele Winzer eine große Auswahl in ihre Weine packen, aber dieser besteht nur zu je 50% aus Mourvedre und der für Châteauneuf typischsten Sorte Grenache. St. Cosmes Weine stammen von alten Reben in besten Lagen, werden aufwändig handselektiert und die Weine nicht filtriert. Der jetzige Inhaber Louis Barruol sorgte letztendlich für die enorme Qualität des Weinguts. Der Wein schlägt einem erstmal eine hölzerne Faust in die Fresse, aber mit dieser Faust kommt auch noch ein dichter Komplex aus Leder, Kirsche, bisschen Lakritz, ordentlich Tanninen, mediterranen Gewürzen und dem Geschmack, den ich vom Auslutschen von Phloxblüten kenne, nur nicht so süß. Das schöne ist, dass man kaum einen zweiten Schluck braucht, weil er so lange nachhallt. Leider war er nach einem Tag im heißen Wetter von Singapur schon so weit degeneriert, dass der Alkohol zu massiv rüberkam. Aber an sich grandios! Wahrscheinlich 30-40 in Deutschland.

 

Der nächste war ein 99er Cornas von Jean Luc Colombo, und zwar der Terres Brûlées. Cornas ist ein Dorf an der Rhône, die Weine von dort stocken auf steilen Hängen auf Granitfels. Terres Brûlées, was „gebrannte Erde“ bedeutet, spielt auf das spezielle Aroma der Weine an. Der Wein aus 60 Jahre alten Syrahreben lag in gebrauchten Fässern, die ihm eine erhabene Holznote verleihen. In ihm liegt eine gewisse angenehme Mineralität, ist tannin- und säurereich. Geschmacklich schwerer zu fassen als ein Shiraz aus dem Barossa Valley. Er hat mich an den Bauernhof meines Großvaters erinnert, was ich positiv zu verstehen wissen möchte. Auch an den Sauerbraten von der dazugehörigen Großmutter. Und nebenbei an die Erd- und Brombeeren aus deren Garten. Eigentlich gar keine schwarzen Johannisbeeren, die ich sonst bei Syrahs erwarte. Toll, am zweiten Tag sogar besser. Ca. 30,- in Deutschland.

 

So, jetzt erst mal an Kaffeebohnen schnuppern, damit die Nase sich wieder entspannen kann.

Weiter. Domaine Vieille Julienne, Côtes-du-Rhône, 2001, vieilles vignes (= alte Reben, die Stöcke vom Winzer Jean-Paul Daumen sind zwischen 50 und 90 Jahre alt). Daumen arbeitet naturschonend und er fügt dem Wein weder Reinzuchthefen noch Schwefel hinzu. Kein Schwefel, das ist selten. Doch, ein kleines bisschen schon, bevor er auf die Flaschen gezogen wird. Aber keine Filtration. Aber auch der Geschmack wird vielfach gelobt. Nicht nur von diesem, sondern Daumens Châteauneufs gehören zu den besten ihrer Appellation. Die Grundlage bildet mit 70-80% Grenache, der Rest wird mit Syrah und Mourvedre komplettiert. Vielleicht war er mit seinen 9 Jahren schon zu alt, aber mich hat er nicht überzeugt. Er roch nach altem Ledersofa, hefig, nach Staub, aber auch nach Zwetschgen, Sojasoße und Trüffel. Mag sich vielleicht interessant anhören, aber naja. Im Mund dann zwar schön weich, aber trotzdem aufdringlich, erinnerte sonderbarerweise auch an Pinot Noir. Kein Wein für mich. Preis in Deutschland: 16,50 . Da kann man eigentlich was erwarten.

 

Irgendwann zwischendurch wurde ein Champagner von Piper-Heidsieck geöffnet, aber von dem war am nächsten Tag für meine Degustationsnotizen kein Tropfen mehr übrig. Ich weiß nur noch, dass er lecker war und nach dunklem Brot geschmeckt hat.

Domaine Rossignol-Trapet aus Gevrey-Chambertin. Côtes-de-Nuits, Burgund, 2007. Was könnte es von dort anderes sein als ein Pinot Noir? Nicht meine Lieblingstraube, aber mal sehen. Oha, fluffig, schon als heilig zu bezeichnende Samtigkeit, Pflaumen, Himbeeren, toller Körper, tolle Harmonie. Ich bin positiv überrascht. Auch dieser aus alten Reben, 45 Jahre alt, Bewirtschaftung nach Demeter Richtlinien, Spontangärung, 12 Monate Fass, davon 20% neue Fässer. Hat richtig Spaß gemacht. Sollte dieser Stoff mich dazu bringen, mich endlich mit Pinot Noir anzufreunden? Auf jeden Fall war er ein Meilenstein. Ca. 30,- .

 

Einen hatten wir noch: Aus Morey-St-Denis, also auch Côtes-de-Nuits im Burgund, also auch Pinot Noir. Wird sich der Siegeszug dieser Traube jetzt fortsetzen? Der Wein stammt aus dem Jahr 1999 und von Hubert Lignier, der wegen unglücklichen familiären Fällen im eigenen Keller Hausverbot hat. Nanu, riecht nach Käse und Wurst, Leder, Heidelbeeren und nassen hartlaubigen Gehölzen. Die Textur ist super. Insgesamt aber nicht mein Ding. Vielleicht hat er seinen Zenith schon überschritten. Kostet 42,50 in Deutschland.

 

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Fr

30

Apr

2010

Mineralität

schmeckt wie etwas zwischen Fels und Marshmallow.

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Mo

26

Apr

2010

Die Offenbarung

Mich haben ja schon seit einiger Zeit die Rieslinge etwas langgeweilt. Nicht dass die Königin der Weißweintrauben schlecht wäre - ganz und gar nicht - aber sie haben ständig nur mit den gleichen Trümpfen zu spielen versucht: Balance zwischen Süße, Frucht und Säure. Apfel und Pfirsich in Variationen. Kein Kick mehr. Ich hatte schon von Anfang an bei St. Antony ein gutes Bauchgefühl und habe mir endlich mal was von denen bestellt. Der erste Riesling, der "Bodenschatz" (2009) überraschte mich dann aber heftigst. Ein weicher Schmelz, der Seinesgleichen sucht, etwas von Brot, auf das ein paar Tropfen Olivenöl geträufelt wurden. Sowas von rund. EIn Zungenschmeichler.

Dann der Rotschiefer (auch 2009) mit edlem Glaskorken. Der erste war ja schon farbintensiv, aber dieser ist mit seinem satten Gelb, das zum sanften Grün tendiert, nichts für ungeübte Augen. Ui, der ist nochmal anders, viel würziger. Den Schmelz hat er auch, aber eben Thymian, frischer Oregano dabei. Kennt man das vom Riesling? Ich nicht. Nicht minder stimmig als der Bodenschatz. Da kommt mal richtig die Mineralität raus. Danke, St. Antony!

Und noch einer war da, der Rote Bodenschatz aus Merlot und St. Laurent, etwa ein Jahr im Fass gereift. Ich bin ja nicht so ein Trinker von deutschen Roten. Aber auch von diesem kann man kaum lassen. Es ist einer, der nicht sehr schwer erscheint, das Milky Way unter den Weinen. St. Laurent sorgt für eine gewisse Apfelnote und etwas weiße Schokolade, Merlot gibt ein bißchen Pflaumen dazu, das alles ist schön in die Fassaromen eingelegt. Kann man ständig trinken.

Also: Kaufen, kaufen, kaufen. Und zwar alle davon. Lieblingsweine.

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Mi

21

Apr

2010

Schmecktologieabend #6

Nachdem es hier zum letzten hochinteressanten Abend (#5), der sich um Spanien drehte, keinen Post gab, weil ich voller Schreibunlust war, hacke ich jetzt lieber mal wieder was hier rein. Am vergangenen Samstag waren wir zwar nur zu viert, die Weine aber zu acht und es handelte sich bei allen um Cabernet Sauvignons. Nach dem ersten Öffnen und Verkosten hielten wir es für besser, draußen noch einen Spaziergang  zu machen, um den Weinen ein bißchen Zeit zum Luft holen zu geben, denn sie wurden im Vorfeld noch nicht geöffnet. Dazu gossen wir aus jeder Flasche etwa 10 cl in einen Humpen, damit die Luftkontaktfläche des verbliebenen Weins in der Flasche größer wurde.

Nr. 1: Der Ursprung des CS: Frankreich. Wir begrüßten einen Vin de Pays d'Oc, der mit einem putzigen Etikett zurückgrüßte. Darauf war ein gekritzeltes Schweinchen und ein paar Boulekugeln. Daher hieß er auch Le Cochonnet, französisch einerseits für Ferkel und für die Zielkugel beim Boule. Seine Farbe war dunkel und hatte noch violette Reflexe, was bei einem 2008er zu erwarten war. So schön er auch aussah, so fürchterlich war sein Aroma und Geschmack. Vor allem stach so etwas wie saure Milch in die Nase, dahinter traten Brombeeren und wenige schwarze Johannisbeeren fast bis zur Unkenntlichkeit zurück. Auf der Zunge war er metallisch, ein paar Kirschen zeigten sich noch. Insgesamt charakterlos. Keine Kaufempfehlung.

Nr. 2: Weiterhin Europa, aber jetzt Italien. Ein Land, dass z. T. schon in den Super Tuscans den Sangiovese mit CS versetzt hat, aber auch immer mehr reinsortige CS auf die Flaschen zieht. Wir hatten einen Cabernet Sauvignon delle Venezie von Bolla, 2007. Es stellte sich heraus, dass wir an jenem Abend auffallend mit großen bis riesigen Weingütern besetzt waren. Bolla ist einer der ganz großen in Italien. Er war leicht heller als der vorhergende. In der Nase war von allen der erste Eindruck alter Keller. Außerdem noch Blauschimmelkäse (ein Aroma, das einige CS anfangs ab und zu zeigen, was aber am Folgetag fast verschwunden ist), eingelegte Gurken. Mark R. ließ sich zu der Bemerkung "es könnte auch Hundekacke sein" verleiten. Man sieht, überzeugt war keiner wirklich. Im Mund lag zunächst ein Rest von Gärkohlensäure. Nicht gerade erwünscht bei Rotweinen. Etwas gemüsig, etwas brotig, aber nur ein Jota besser als der erste des Abends.

Nr. 3: Californien, einer der größten Abfüller der Welt: Robert Mondavi aus dem Central Valley, Kalifornien. Wir hatten einen 13,5%igen Woodbridge von 2006 und auf einmal wurde es beeindruckender. Seine Farbe war schön rubinrot. In der Nase zarte Barriquetöne und viel Beerenfrucht: Brom, Heidel und schwarze Johannis. Er war verblüffend süß, die Süße erinnerte an Marzipan, deutliche Tannine, die noch etwas Reife benötigten, so kratzte er noch etwas im Mundinnern, manchmal konnte man auch diese dicken bunten Lakritzstäbchen von Haribo Colorado herausschmecken und noch wenig grüne Paprika. Der Alkohol war etwas zu hoch eingestellt. Aber insgesamt ein Wein, wie man ihn sich für einen Preis von 8 € wünscht und der auch nicht so schnell in Vergessenheit gerät, da sein Abgang noch eine ganze Weile bleibt.

Nr. 4: Und wieder ein Gigant, nach der der Winzergenossenschaft KWV der größte Weinproduzent Südafrikas: Nederburg. Beide sind in Paarl ansässig, einer warmen Region mit wenig Regen. Von Nederburg war es der Manor House Cabernet Sauvignon 2007 mit den für Südafrika schon fast typischen 14% Alkohol. Mundus Vini Silbermedaille, soll man darauf was geben? Seine dunkelrote Farbe glitt schon sanft ins Warme. So auch das Bouquet. Warm, weich, fruchtig, Schokolade, roter Paprika. Die Trauben wurden wahrscheinlich relativ früh geerntet, daher rühren die Paprikatöne, die auch im Mund noch wahrnehmbar waren. Auch die etwas überdurchschnittlich hohe Säure (6,14 g/l) spricht dafür. Aber nach einer angemessenen Reife im Holz werden aus Cabernettrauben mit einem frühen, aber nicht zu frühen, Lesezeitpunkt tolle Weine. Finde ich. Ein charakter von Gemüse bleibt erhalten, der aber in eine weiche finessenreiche Matrix eingebunden ist. Allein der massive Alkoholgehalt störte ein bißchen, ansonsten fand ich diesen Wein bisher am besten. Die anderen drei Jungs tendierten aber eher zu dem Kalifornier. Schön dickes Flaschenglas hat der Nederburg auch. Da denkt man nach dem leeren der Flasche immer: Wow, der muss gut gewesen sein. Weil das Teure an teuren Weinen wird meist auch in die Dicke der Wandung gesteckt.

Nr. 5: 2007, Viu Manet Classico, Valle de Colchagua, Chile. Dunkle warmrubinrote Farbe. Man riecht schwarze Johannisbeere, aber ohne die olfaktorische Härte oder Kantigkeit von der Frucht, Paprika, Lauch, schön und stimmig. Ich mag ja die Gemüsenoten im Sekundäraroma von manchen CS. Geschmacklich interessant. Er täuscht zuerst Süße vor, was sicherlich auch von den 14% Alk kommt, schlägt dann aber in Bitterkeit um, die noch einmal ein brombeeriges Cassisaroma offenbart. 9,90 die Buddel, durchaus vernünftig.

Nr. 6: Wie gesagt, viele Großkellerein waren heute im Spiel und mit dem folgenden Wein präsentierte sich der größte Erzeuger aus Argentinien. Die Finca Flichman aus dem Distrikt Barrancas im Departamento Maipu un der Provinz Mendoza, das an der Flanke der Anden auf 600-1400 m ü NN liegt. Die meisten Wolken haben sich schon auf der chilenischen Seite der >4000 m hohen Anden abgeregnet und Maipu bekommt nur noch 200 mm/a Niederschlag, eine winzige Menge. Allerdings liefern schmelzende Schneedecken aus höheren Gebieten ständig zusätzliches Wasser, so dass Weinanbau möglicht ist.

Der Wein ist auch mit 14% Alkohol gesättigt und aus 2008er Trauben, ein nicht schlechter Jahrgang, aber natürlich mit zwei Jahren noch jung und daher mit Potential in der Zukunft. Fein violette Reflexe zeugen auch noch von seiner Jugend. Er hat vanillige und schokoladige Aromen, man merkt gleich, dass er im Holz lag. Nämlich sechs Monate. Auch er zeigt Gemüse. Roter Paprika, etwas Zwiebel. Trotz vorhandener Tannine sehr weich im Mund, voller Körper, angenehme Holznote, absolut runder Trunk. Macht wirklich Spaß.

Nr. 7: San Felipe, Bodega La Rural Conquimbito, auch Mendoza, Argentinien.

Vergiss es, untrinkbar. Kork par excellence.

Nr. 8: Ok, der letzte war kein reiner Cabernet Sauvignon mehr, sondern ein Cabernet-Cuvée aus C. Sauvignon, C. Franc, C. Cortis, C. Carol und C. Carbon. C. Franc ist ja neben Sauvignon Blanc ein Elternteil und Namensgeber von CS, CS selber ist wiederum ein Elternteil von den drei letztgenannten, die in den 80ern in Freiburg als pilzresistente Sorten gezüchtet wurden, aber bisher nur auf wenigen Hektar vor allem in Deutschland angebaut werden. Der Cuvée ist von hellerer Farbe, das Rot leuchtet regelrecht. In der Nase ist der 2006er von Zähringer aus dem klimatisch verwöhnten Markgräflerland leichter, fröhlicher als ein reiner CS. Primär kommt einem Himbeere entgegen. Auch im Geschmack ist er ob seiner Leichtigkeit kaum noch mit einem CS zu vergleichen. Obwohl er leichter und agiler schmeckt, dealt er mit ledrigen Aromen, auch so etwas wie Grillfleisch ist dabei. Der Alkohol tritt kaum hervor, ist mit 12,5% aber auch eher mager. Insgesamt könnte man ihn als ein Zwischending zwischen CS und Pinot Noir rubrizieren. Interessant, aber ihm fehlt die Klasse, die man für 11,10 € erwartet.

Ach ja und dann war da ja noch der andere Cuvée. Der aus allen heute verkosteten Weinen. Da bei uns ja nicht gespuckt, sondern hardcoregenossen wird, waren wir schon im Föhlichkeitssektor. Vielleicht hat er deshalb auch geschmeckt. Vielleicht auch, weil aus lauter Zufall die Zusammenstellung einfach gestimmt hat. VKN habe ich aber nicht gemacht. Verblüffend war, dass der Korkschmeckerwein seinen Kork nicht mehr erkennen ließ. Trotz der positiven Kritik, auf die der DIY-Cuvée stoß, rann er zu seinen größten Teilen den Abfluss hinab.

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Mi

21

Apr

2010

Carchelo 08

Wow, das war ein guter! 40% Monastrell, 40% Tempranillo, 20% CS. Bodegas Carchelo, Jumilla, 2008. Und ne schöne Flasche ist es außerdem. Aber das können die Spanier ja sowieso. Kunststoffkorken :-(, aber der ist in hübschem weiß.

Verkostungsnotizen hab ich mir beim trinken nicht gemacht und heute, einige Tagen nach dem Öffnen, hätte er schon lange getrunken sein sollen. Jetzt ist er saurer und spitzer geworden und seine Klasse kann man nur noch erahnen.

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Do

15

Apr

2010

Beim Aldi

Aldi (Süd) bot vor einigen Wochen einen Wein aus dem Priorat an, der mich angelächelt hat. Montecastillo Crianza, 2007. Kommt ja vor, dass Aldi Weine zu wirtschaftlich unvernünftig günstigen Preisen anbietet. Dieser lag bei 5,99 € und heute wurde er entkorkt. Drin ist Garnacha, Carignan & Cabernet Sauvignon. Johannisbeeren, Brombeeren steigen einem in die Nase, aber das ist noch nicht alles. Er ist neben den Fruchtaromen noch würzig, riecht nach Wachholderbeeren und sogar ein bißchen nach Marzipan. Nicht enttäuschend. Lassen wir ihn mal über die Zunge rollen. 14,5% Alkohol, die sich aber geschmacklich nicht bemerkbar machen, da der Wein wirklich erstaunlich konzentriert ist. Allein die Tannine sind mir ein bißchen zu deutlich. Der Eindruck in der Nase setzt sich auf der Zunge fort, es kommt noch etwas Pfeffer dazu. Nein, es ist kein Amarone, aber er zeigt auch so etwas sherryartiges und wirkt auch schon ähnlich pastos. Mann mann, der ist wirklich mal sein Geld wert. Könnte durchaus auch noch 2 Euro mehr kosten. Leider war's nur ein kurzzeitiges Angebot, und ich habe nur eine Flasche erworben. Hätte ich ihn doch mal früher probiert und dann den Laden leergeräumt. Egal, es gibt noch mehr gute und eigentlich sowieso lieber beim Fachhändler. Heute habe ich in Karlsruhe-Durlach endlich mal den einen zum ersten Mal aufgesucht und mich wohlgefühlt. Ein sehr angenehmer älterer Herr, mit dem man schön fachsimpeln kann. Die Auswahl ist straff und außerhalb von europäischen Weinen hat er nicht viel. Aber was er hat, scheint von der leckeren Sorte zu sein. Auch wenn die Preise bis über 200,- €/Flasche gehen, gibt es das gros in meiner Preiskategorie. Ich habe einen deutschen Cabernet Cuvée geholt und den gibts am WE beim nächsten Schmecktologieabend, wo das Thema Cabernet Sauvignon sein wird. In dem Cuvée sind C. Franc, C. Sauvignon, C. Cortis, C. Carol und C. Carbon zusammengeworfen. Ich bin gespannt.

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Mo

12

Apr

2010

Der bescheuerte Hochmoselübergang

Ich texte nicht groß rum, sondern übergebe das Wort an Hendrik Thoma und seine Gesprächspartner:

Stoppt die Hochmoselbrücke

 

auch hier was:

B50

 

und hier:

Weine, Mosel, weine

 

Unterzeichnen kann man hier:

Petition

 

 

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Mi

07

Apr

2010

das Glas

Ich habe heute abend den direkten Vergleich gemacht: same Wein, different Glas. Drei Gläser wurden gecastet: ein Degustationsglas (klein und fein), ein normales Rotweinglas (normal) und ein Burgunderglas (bauchiger Voluminösizismus). Im Ausschank zufallte sich ein Salento Primitivo, ein Rioja Reserva und ein Sangiovese aus der Romagna. Das Ergebnis hat mich erstaunt. Die Unterschiede sind frappant. Das Degustationsglas mit seiner kleinen Öffnung leitet den Wein direkt in die hintere Zungengegend. Man erkennt schneller Bitterstoffe und Säure, Weichheit und Filigranz gehen eher verloren, auch das Bouquet zeigt Mängel. Das Rotweinglas dagegen verteilt den Wein gleichmäßiger im Mund und nimmt zum einen mehr Bouquet auf, gibt dieses aber auch bereitwillig preis. Das Burgunderglas gibt dem Wein durch die große Oberflächenfläche viel Sauerstoff, aber gleichzeitig ist das Volumen so immens, dass die Aromastoffe kaum konzentriert werden. Der Wein gelangt schon auf der Zungenspitze in die ganze Breite des Mundraumes und wirkt dadurch süßer. Bis sich die Balance von Süße und Säure findet, vergeht eine Weile.

Das Rotweinglas (Schott Zwiesel, Taste-Serie) hat bei allen drei Weinen geglänzt. Vielleicht sollte noch ein Burgunder getestet werden, damit das Burgunderglas seinem Namen entsprechend zu Ehren kommt. Und vielleicht werde ich dann durch das Burgunderglas endlich mal freund mit Pinot Noir, der sich mir immer noch nicht positiv erschlossen hat.

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Mo

29

Mär

2010

Schmecktologieabend #4

#4 in kürzester Kürze:

 

1. Bardolino Classico, Val dei Molini, Cantina di Custoza, 2006: doof

2. Vino Nobile di Montepulciano, Podere di Caggiole, Tiberini, 2004: doof, obwohl Nobile und Wine Spectator 87/100

3a: Shiraz "Hollow Tree", Barossa Valley, Australien, 2006: geil

3b: Lou's Shiraz, Barossa Valley, Australien, 2006: geil minus

4: Château Moine Blanc, St. Émilion Grand Cru, 2005: gut

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Fr

19

Mär

2010

Prosecco/Lidl

Mit Kollegin aus lauter Jux und Dollerei mal nen Prosecco aus dem Lidl für 1,79 (1,79!!!!) € geholt. Selten so was scheußliches gemacht. 0 Punkte auf der 100er Skala.

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Mo

15

Mär

2010

Slow Wine

Eigentlich bin ich ja nicht zwingend gegen Anglizismen, wenn es nicht zu viele in einem Satz sind, aber in diesem Fall finde ich aus dem Bauch heraus Langsamer Wein schöner. Hier nur mal kürzchen ein kleiner Beitrag zu dem Terminus. Bei Wein ist Hetze generell inadäquat, selbst das drittelgefüllte Becherglas in italienischen Familien zum Mittagessen erfährt seine stille Würdigung. Manchmal mag man einen gekauften Wein am selben Abend öffnen, weil man einfach Spannung in den Adern hat, aber auch hier sollte der Wein erst einmal ein paar Tage liegen, um wieder zu seiner Ruhe zu finden. Und genauso spielt beim An- und Ausbau Zeit eine nicht untergeordnete Rolle. Der ehrenwerte Landschaftsarchitekt Chrisophe Girot hat einmal zu seiner Profession sinngemäß gesagt: Zeit, Leben und Demut sind die drei fundamentalen Säulen der Landschaftsarchitektur. Und so kann man genauso an den Wein herangehen. Es muss nicht immer der frischeste und neueste Wein sein. Die meisten Weine brauchen Ruhe und Dauer, um zu reifen und dem muss Repekt gezollt werden. Schnell schnell auf die Flasche ziehen und auf den Markt werfen ist normalerweise nicht die beste Lösung. Und wenn er einmal in der Flasche ist, kann er immernoch liegen gelassen werden. Ein Jahr, zwei Jahre, acht Jahre,... Das neueste Kameramodell toppt in der Regel das Vorgängermodell. Der neueste Jahrgang toppt nicht immer den Vorjahrgang und erst recht nicht, wenn man ihn überstürzt.

Auf der anderen Seite unterliegt Wein als Naturprodukt auch der Vergänglichkeit. Er wird produziert, ist noch jugendlich, reift dann und zerfällt schließlich. Es gibt für jeden Wein ein bestes Datum, das ist aber oft nicht fünf Monate nach der Lese und auch nicht 50 Jahre danach, sondern irgendwo dazwischen. Wein ist ein Genussmittel, und genießen funktioniert nur im konsumieren. Wein ist letztendlich nicht zum Platz verbrauchen im Keller gemacht, sondern zum trinken. Es kommt nicht auf den Tag an, aber an irgendeinem muss er getrunken werden. Und manchmal muss man für einen guten Wein einfach einen Tag zu einem besonderen Tag erklären, damit man ihn berechtigterweise öffnen kann. Und dann passiert eine wunderbare Metamorphose: Der Tag wird zu einem besonderen Tag, WEIL man den Wein geöffnet hat.

Man kann die fast 2000 Jahre alte Terrakottaarmee konservieren und in vielen Jahren noch uneingeschränkt bestaunen. Mit Wein geht das nicht. Wein ist etwas für das Jetzt, auch wenn das Jetzt mit viel Dehnung verstanden werden muss. Gerade diese Vergänglichkeit finde ich interessant, dieses Unvermögen, konservieren zu können. Das macht den Wein eigenwillig. Und es ist metapherig für das unaufhaltsame Rollen aller Dinge des Lebens. Eigentlich wollte ich weniger schreiben.

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Mo

15

Mär

2010

100 Grad Oechsle, Rückblick

Ist mir ja nichts neues, dass Wein Spaß machen kann. Genau das wurde am vergangenen Samstag opulent zelebriert. Die Weinshow 100GradOechsle von Dirk Würtz, einem der Protagonisten der neuen deutschen Weinszene, lud wieder ein und strahlte live im Internet aus. Gäste waren der ebenso protagoniste Hendrik Thoma, welcher einen schwierig zu erkennenden Wein blindverkostete, Marco Giovanni Zanetti, der als Weinbotschafter global unterwegs ist und Philipp Wittmann, Präsi Vorsitzender des VdP Rheingauhessen und Winzer. Jeder für sich ein Unikat. Die Sendung war straffer, lustiger und professioneller als #1. Und als Zuschauer war es nochmal attraktiver. Es gibt keine stage und kein Stargehabe, die Redenden sind mitten unter uns und verkostete Flaschen gehen schnell von den Akteuren in die Zuschauermenge. Der rote Faden, Slow Wine (= Weine, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben im Gegensatz zu vom Markt bestimmten Jungweinen, die z.T. im Jahr nach der Lese schon vertrunken sind), war ein interessanter. Der Blick wird auf Zeit, auf Liegenlassen, gelenkt, anstatt auf der modernen Schnelllebigkeit trittbrettzufahren. Nach den ca. 70 Minuten Show ging die Party unter Gleichgesinnten los. Manche Winzer hatten eigene Weine dabei und unter ihnen war der Grauburgunder von Uebel einer der geschmeidigsten, vor allem zu dem Preis. Allerdings ging nichts über Würtz' Geyerscheiss-Riesling. Granate! Potate! Der eigentliche Slow Wein des Abends war der Ress 2001 Riesling. Er wurde national verkostet und Twitterer und Fratzenbucher gaben kontinuierlich ihre Meinungen preis. Viva la Internet! Ich finde, auch wenn gerade Rieslinge eine interessante Muffnote mit den Jahren bekommen, hätte dieser schon vor vielleicht zwei Jahren getrunken werden sollen.

Was den Abend bzw. die Nacht so schön gemacht hat, waren einfach die Leute. Alles sehr unkomplizierte, offene, humorvolle und genussinteressierte Menschen. Aber so sind wir aus der Weinwelt 2.0 ja. Danke an alle, die da waren! Wir sehen uns wieder.

Stephi Doering und Hendrik Thoma im Glanz der Scheinwerfer
Stephi Doering und Hendrik Thoma im Glanz der Scheinwerfer
Philipp Wittmann und Dirk Würtz haben Spaß. Im Hintergrund quaken Hendrik Thoma und Marco Giovanni Zanetti
Philipp Wittmann und Dirk Würtz haben Spaß. Im Hintergrund quaken Hendrik Thoma und Marco Giovanni Zanetti
Hendrik isst lecker selbstgemachtes, Stephi, Marco
Hendrik isst lecker selbstgemachtes, Stephi, Marco
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Do

11

Mär

2010

100 Grad Oechsle

Ich freue mich, am Samstag bei Dirk Würtz' Live-Sendung dabei zu sein. On the stage: Sommelier und "Weinpunk" Marco Giovanni Zannetti, Master Sommelier Hendrik Thoma, Winzer Philipp Wittmann und zum Verkosten ein 2001er rheingauer Riesling von Balthasar Ress, fast ein Erstes Gewächs. Verfolgen kann das Spektakel jeder Heini am 13.3. ab 20:15 Uhr live bei tv.wuertz-wein.de. Und danach ist es weiterhin abrufbar.

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Di

09

Mär

2010

Zweigelt

Endlich mal einen probiert. Und das, obwohl ich heute überhaupt keine Lust auf Wein hatte, was mir nur erfreulich zeigt, dass es mir an Alkoholsucht fehlt. Der Naziwein roch und schmeckte unerhört rhababerkuchenig, hatte einen guten Körper und samtig und knackig zugleich. Naziwein? Kuck bei Wikipedia im Absatz Entstehung.

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Mo

01

Mär

2010

Meerendal Merlot vs. Lou's No. 1 Choice vs. Amarone della Valpolicella

Drei hochwertige Weine, die um die Gunst des Schmecktologen buhlen. Meerendal Merlot, Durbanville, Südafrika, 2006: Was bei ihm Spaß macht, ist, dass er sich nicht zu erkennen gibt. Zumindest als Merlot. Wo ist die Fruchtigkeit, die Leichtigkeit???? Stattdessen wartet er mit einer ordentlichen Packung Tanninen auf (kein Wunder bei einem Jahr Barrique) und einer Erdigkeit und Rauchigkeit, die so manche Zigarre erblassen lässt. Es scheint, als wäre die offene Flasche vor dem Verkorken erst einmal quer durch einen lange gewachsenen Waldboden gezogen worden. Dabei ist er aber gar nicht muffig oder dorfkneipenstammtischmäßig, sondern fein vinifiziert, dass es eine Freude ist und das für sparsame 17,90 €.

Lou's No. 1 Choice, Barossa Valley, Australien, 2006: Bei ihm kommt man im Gegensatz zum vorhergenannten auf keinen Fall drum herum, die Rebsorte im Wein zu finden, nämlich Cabernet Sauvignon. Außer CS wird im namhaften Barossa Valley gerne Shiraz angebaut, von dem Lou Miranda auch einen rebsortenreinen Stoff herausgibt. Und der ist was für Profis. Aber um den geht es hier nicht. Der Cabernet ist ungeheuer weich, harmonisch in allen Teilen, grünen Paprika sucht man vergeblich, dafür zeigt er roten Paprika en masse. Man kann nicht anders, als überzeugt von ihm sein, erst recht, wenn man ein CS-Liebhaber ist wie ich. Er ist unaufdringlich, aber bestimmt. Er weiß, dass man ihm nicht so leicht das Wasser reichen kann, deshalb schreit er nicht. Und mit stoischer Sicherheit macht er alles richtig. So perfekt, dass es schon fast langweilig ist. 25,50 €.

Amarone, Valpolicella, Veneto, Italien, 2006: Brutaler Alkoholgehalt von 15.5%, auch deswegen kommt er einem süßer vor als er ist (Restzucker ~2g/l). Aber es ist sicher auch der enorme Extraktreichtum, denn die Trauben (Corvina, Molinara und Rondinella) werden vor der Pressung viele Wochen an der warmen italienischen Luft getrocknet, rosinenartig enthalten sie dann wenig Flüssigkeit und viel Geschmacks- und andere Stoffe. Dicht, komplex, dunkel und von pastoser Schwere liegt er auf der Zunge und schämt sich nicht, bitter zu sein und damit seinem Namen Rechnung zu tragen, denn amaro bedeutet bitter auf seiner Muttersprache. Ein Tropfen, für den man Minuten für jeden Schluck braucht. Er kostet 37,50 €.

Wer gewinnt? Keiner oder alle. Drei Weine, die äußerst unterschiedlich sind und allein die aktuelle Stimmung die Auswahl treffen sollte. Jeder kann der Sieger sein, aber beim nächsten Rennen am nächsten Tag ist es ein anderer.

Meerendal Lou's Amarone
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So

28

Feb

2010

Change the World or go home.

So ist das, wenn man mit mehreren Genussgenossen unter einem Dach lebt. Ruckzuck stehen mehrere Flaschen auf dem Tisch und wollen erfahren werden. Es passiert auch, dass mehrere viele sind, so wie am gestrigen Abend, als sich 20 Buddeln auf dem Tisch breit machten. Alle hier im einzelnen zu besprechen wäre langatmig und -weilig. Aber eine Sache, die hervorzuheben ist, ist dass der Abend zu manchen netten Etiketten geführt hat. Das Weingut Meerendal zeichnet sowohl durch hervorragende Weine als auch dadurch aus, dass es ein funny englisch druckt. Der Chardonnay/Chenin Blanc wird beschrieben mit fresh crispness. Der erste Wein in meinem Leben, der "frische Knusprigkeit" zeigen soll. Tat er nicht, aber die Beschreibung ist so sonderbar, dass ich wutig werden würde, wenn sie ihren Text ändern würden. Gleiches Weingut, Etikett vom Pinotage Rosé: candy floss. Hä? Bonbon Zahnseide? Selbst der anwesende Amerikaner unter uns konnte sich darauf keinen Reim machen. Recherchen ergaben, dass es der britische Ausdruck für das amerikanische "cotton candy" ist = Zuckerwatte. Aha, ein Wein, der nach Zuckerwatte schmeckt. Sehr attraktiv. Tut er aber zum Glück ebensowenig wie der Chardonnay/Chenin knusprig ist. Doch das feinste Gespür für Amusement bot uns der Stormhoek Cab/Merlot, Südafrika. Dessen Rückenetikett weist aktuell die folgenden Worte auf:

Be passionate

Love

Dream Big

Be spontaneous

Celebrate

Change the world or go home

Hope you enjoy. Seriously.

 

Keine besonders großen Worte auf den ersten Blick, aber sie zeigen ein Verständnis vom Leben wie man es sich von viel mehr Menschen wünschen würde und machen den Wein zu einem größeren Kunstwerk als es lediglich der Wein ist. Da ist Leidenschaft, da ist Freude am Prozess und -dukt. Da ist das Werkstück nicht Mittel zum Geld erwirtschaften, sondern Transporteur für Leben, Spaß und sensibler Umgang mit den Vorgängen in der Welt. Sowas will ich. Leute, geht auf die Website http://www.stormhoek.com/blog/ und macht euch ein Bild von dem Weingut. Auch wenn der Wein selber kein Ferrari ist. Wer weiß, ob und wo man die Flaschen in Deutschland bekommt, wird fies bestraft, wenn er es nicht mitteilt.

 

Ein guter Abend braucht einen guten Abschluss. Um zwei Uhr (auf der Vogelzwitscheruhr im Verkostungsraum zwitscherte die Amsel) brachen wir auf, um uns zu den Reben des Staatsweinguts Durlach am Turmberg zu gesellen. Ein herrlicher Blick über die Lichter Karlsruhes und das Bewusstsein, dass die Rebstöcke, die in unsichtbar stetiger Langsamkeit vor unseren Augen ihren Wuchs vollbrachten, unsere Freunde sind, relativierten die scheußliche Tatsache, dass es in Strömen regnete. Nach einer halben Stunde Durchnässung wurde es uns aber zu bunt.

Der Schmecktologe
Der Schmecktologe
Der Schmecktologe
Der Schmecktologe
Der Schmecktologe
Stormhoek Cab/Merlot
Stormhoek Cabernet Sauvigonen/Merlot
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Mo

22

Feb

2010

Torrontes

Auch wieder einer, der in die sonderbare Kategorie Gewürztraminer/Muscat gehört. Halt nur auf argentinisch. Weine, die nicht in trocken funktionieren.

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Mo

22

Feb

2010

Ein Wein, bei dem wir in mehrseitigem Einverständnis...

...festgehalten haben, dass er nach Rotkohl mit Lorbeer und etwas Wachholder duftet. Brunello di Montalcino, 2004, 40,- €

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So

14

Feb

2010

H. O. Spanier:

"Frucht ist Schein, Stein ist Sein"

(Spanier ist bestimmt einer der besten Winzer in Rheinhessen, der konsequent seine Linie fährt)

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Sa

13

Feb

2010

Schmecktologieabend #3

Mit schlotternden Knien ging ich in den letzten Schmecktologieabend. Es sollte nämlich eine reine Weißweinverkostung werden, und Weißwein ist bei meinen Freunden z.T. eine untergeordnete Kategorie. Rotwein ist besser, basta. Weißwein ist mädchenhaft, auch basta. Na gut, ich habe übertrieben. Soooo schlecht war die Stimmung nicht. Ich war jedenfalls gespannt, wie die Weißen punkten können und Vorurteile zu zertrümmern imstande sind.

 

Erster Stoff an dem Abend war ein 2007er Weißburgunder von Salwey, Oberotweil im Kaiserstuhl. Und der sollte den Weinstil "Frische und Frucht/leichte Weißweine" repräsentieren. Im Glas lag er mit nicht zu wenig Farbe, die aber wirklich schon Frische und Fruchtigkeit mit einem kräftigen, grünen Gold zeigte. In der Nase setzte sich kräftiges grünes Gold fort: grüne Äpfel, Birne, Ananas. Und schon waren die ersten dabei, ihn positiv zu einzustufen. Am Gaumen dann mehr Pfirsich und immernoch diese Birne, dazu aber eine leichte überraschende Bitterkeit. Unterm Strich konnte der Weißburgunder die Gunst der Verkoster im Allgemeinen gewinnen und das Eis war gebrochen. Ich selber würde einen WB, der sich lange für mich nicht wirklich geschmacklich erschlossen hatte, so beschreiben: Qualität und Geschmack vom Riesling mal 0,75. Steinigt mich dafür.

 

Nächster Wein: Grüner Veltliner, 2007, von Felsner, Kremstal (Österreich). Stellte sich farblich intensiver golden mit weniger grün, aber doch etwas grün dar. Interessant, da ist wirklich Dill drin. Außerdem weißer Pfeffer, ich fand auch Haselnüsse, aber Juliane weigerte sich vehement dagegen, und Pampelmuse, die lange auf der Zunge blieb. Ein voluminöser Wein, interessante Traube, aber keinen der Anwesenden konnte sie überzeugen, und nachdem ich seither noch ein, zwei weitere Veltliner in den Rachen bekommen habe, hat sich meine negative Meinung verfestigt.

 

Die Rennstrecke machte wieder eine Kurve und wir gelangten zu einem 2006er Chardonnay von Sebastian aus Sonoma, Kalifornien, mit 13,5% Alkohol. Farblich trompetengold, diffundierte er sich in die Nasen mit einem Duft von Galiamelone, Bananensaft, etwas Mango. Ein Südseefrüchtekorb, aber ohne Citrusfrüchte. Nicht nur von der Textur, vor allem auch im Geschmack fand sich reichlich Butter, und zwar leicht gebräunte. Ich würde sogar sagen, es handelte sich um ein leckeres indisches Butterhähnchen ohne die indischen Gewürze. Nach den Massen an Butter kam er mit Birkenholz und Kaminfeuer hervor, und auch die Mango aus der Nase war geschmacklich vorhanden. Mark R.: "Fast ein Rotwein." Dieser Chardonnay war bisher der Sieger des Abends.

 

Aber auf einem Bein steht man schlecht, also öffneten wir einen zweiten Chardonnay, auch Kalifornien, auch Sonoma, auch 2006. Von den Giganten Ernest und Julio Gallo. Keine Ahnung, warum ich die Flasche vor langer Zeit mal gekauft habe. Es handelte sich um einen der Klasse "Turning Leaf", die nicht zu den besten des Weinguts gehören. Nase: Wiesenblumenhonig, aber sowas von. Gaumen: Herbstlaub und, ja, Mettwurst. Lange nicht die Liga wie der vorher getrunkene.

 

Und dann kam eine Bombe. 2006er Gewürztraminer trocken aus dem Elsass von Paul Zinck, der Cadmiumgelb im Glas lag. In der Nase explodierte dann die Vegetationsbombe: tonnenweise Litschis, gepaart mit Rosenblüten. Man roch schon, dass er süß sein musste, was er aber verwirrenderweise nicht war. Diese Irritation macht nicht soviel Spaß. Überhaupt lässt einen die Geschmackscharakterisitk an Rosamunde Pilcher erinnern oder, was noch etwas besser ist, Dorffeste in den 50er Jahren, auch wenn die von uns niemand miterlebt hat, aber das Kollektiv der Gesellschaft trägt die Erinnerung, an der der Einzelne sonderbarerweise partizipieren kann. Ich glaube, dieser Wein war in die falsche Richtung zu außergewöhnlich und nur Mark W. fand ernstes Gefallen, was aber trotzdem nicht gegen ihn spricht.

 

Die Erlösung: Ein Rotwein zum Nachtisch! Aus Südafrika ein Cabernet/Merlot vom Weingut, das auf deutsch "Jenseits der Erwartungen" heißt und in echt Buitenverwachting. Angesiedelt ist es in Constantia, wo auch der südafrikanische Weinanbau 1652 begonnen hat. Eine kleine Region, die etwas kühler und regenreicher als die meisten in dem Land ist. Es gibt nur eine handvoll Weingüter, aber die haben es in sich. Der geöffnete Cab/Merlot zeigte eine dunkle, warme Farbe, was er auch im Alter von 5 Jahren durchaus darf. Er überraschte in der Nase mit Blauschimmelkäse, wurde aber nach und nach fruchtiger, man fand Paprika, wofür der Cabernetanteil verantwortlich war. Der Blauschimmelkäse setzte sich auf der Zunge fort, es trat noch Heidelbeere dazu. Man muss sich einen Moment auf ihn einlassen, es ist kein Wein, der seine Qualität herausposaunt, obwohl er sie hat. Mark R.'s Kommentar: "Erst Ballett, dann Death Metal". Sein ganzes Potential spielte er aber erst am Folgetag aus. Ja, es ist etwas in der Flasche geblieben, das die Nacht überdauert hat. Nach 24 Stunden atmen war er hinreißend. Für 10,- € wirklich viel, was man bekommt.

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So

31

Jan

2010

Erkenntnis vom Freitag

Zu Raclette geht NUR holziger Wein. Viva la Barrique! Auf und aus den Brettern, die die Welt bedeuten war ein Rioja Tempranillo Reserva.

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Di

26

Jan

2010

Schmecktologieabend #2

Liegt jetzt auch schon wieder mehrere Tage zurück: der letzte Schmecktologieabend unter Freunden. Der erste Tag für die kleine Hallwag Weinschule mit den bestellten Weinen. Der Kurs nimmt zum Einstieg eine bunte Auswahl der wichtigsten Weinkategorien vor, sprich Schaumwein, Weiß-, Rot- und Süßwein.Diese Kategorien kämpften gegen sechs Jungs, eine leider kranke junge Frau und einen Hund mit Arthrose. Die beiden letztgenannten konnten jedoch nur wenig bis gar nicht partizipieren. Den Auftakt machte ein Champagner von Jean-Noel Haton, ein reines Pinot Noir Produkt, als Blanc de Noir ganz ohne Chardonnay, aber auch die dritte für Champagner zugelassene Rebsorte Pinot Meunier (Schwarzriesling) fehlt (oder ist nur in kleinen Anteilen vorhanden, ich weiß es nicht mehr). Von der Feinheit der Perlage habe ich mir mehr erwartet. In der Nase kam zuerst Erdbeere vor, aber auch schon Mirabellen und Ananas, die dann am Gaumen noch präsenter waren. Was mir generell an einem Champagner weniger zusagt, ist die Weicheit, die fehlende Spritzigkeit, die durch die Verwendung der roten Trauben zustande kommt. Da ziehe ich lieber einen guten Winzersekt aus Riesling oder noch lieber Sauvignon vor. Wenn irgendwas überbewertet wird auf dieser Welt, dann Champagner. Aber das ist Geschmackssache.

In den Ring stieg als zweiter Akteur ein 2007er Rheingauer Riesling von Josef Leitz aus Rüdesheim. Mit grün durchsetze goldene Farbe. Die Nase registrierte deutlich mehr Pfirsich als Apfel, zusätzlich einen Stich von Honig. Im Mund trat die rieslingtypische Säure etwas zurück, Restzucker war stattdessen noch ordentlich drin, so dass er schon fast jenseits von trocken geschmeckt hat. Der lange Abgang sprach für ihn, auch wenn Mark W. ihm schließlich und zu Recht attestierte, dass er "keine Abendveranstaltung" ist.

Nächster Wein: Chianti Classico, Villa Cerna, 2006. Trauben: 90% Sangiovese, 10% Cannaiolo. Überzeugende Nase. Komplex, ein Füllhorn aus Früchten und die Veilchennote, die einen Sangiovese zum Sangiovese macht, trat deutlich hervor. Was aber auch einen Sangiovese zum Sangiovese macht, ist sein üppiger Tanningehalt, und der war hier schon störend und rauh. Der Cerna hielt lange nicht auf der Zunge, was er in der Nase versprach, und sowas kann ich ja schonmal gar nicht leiden. Trotzdem insgesamt ein erfreulicherer Wein als der Riesling, auch wenn du rot und weiß nicht vergleichen willst.

Im Vergleich haben wir noch einmal den La Mora von Cecchi, einen Morellino di Scansano, getrunken (Beschreibung in früherem Post). Der war weniger fruchtig, weniger verspielt, aber geradeauser, ledriger, animalischer und von der Harmonie zwischen Nase und Mund überzeugender. Dem Cerna vorzuziehen. Kurz vor Veröffentlichen dieses Posts konnte ich meinen Augen kaum glauben, als ich zufällig herausfand, dass Villa Cerna das Gut von Cecchi im Chianti Classico ist. Und zwar nicht irgendein Gut, sondern das gute Gut. Aha.

Als zweiter Exkurs wurde ein mallorcinischer Roter in die Runde geworfen. Dieser war mir vor Monaten beim ersten probieren etwas unangenehm aufgefallen, hat mir mit der Zeit aber immer besser geschmeckt und ich wollte mal die Meinung der Weingenossen hören. Die Rebe ist Manto Negro, neben Callet eine der autochthonen Sorten von Mallorca. Er zeigt ein Würze, die kräuterbetont ist und hat ebenso Anklänge von Lakritz. Ein nettes Stöffchen, wenn auch nichts für Weicheier. Und er fand auch die Gunst in der Runde. Man sollte mal noch mehr Manto Negros versuchen.

Schlussendlich musste noch der Süße geöffnet werden. Ein Kapitel, dass keinem von uns so wirklich liegt. Braucht ja eigentlich auch kein Mensch. Aber immerhin war es ein Sauternes. Eine Appellation im Bordeaux, die vielleicht die besten Süßweine der Welt hervorbringt, aber mit solchen Aussagen muss man immer vorsichtig sein. Der Zucker pappt schon beim riechen die Schleimhäute zu, aber wenn man sich den mal wegdenkt, fand man Klasse in dem Wein. Dieser Sauternes ist wie viele andere aus der Region ein Semillon, eine fruchtige, körperreiche Traube. Die Qualitäten hat er auch ausgespielt. Nur halt der Zucker....

Ich ließ noch einen weiteren Süßen von der Leine, der von ganz anderem Charakter ist. Aus Südafrika, vom Winemaker De Krans einen Muscat mit 159g Restzucker/Liter. Deutliche Litschi im Vordergrund und natürlich das Gewürz, was die Traube im Namen führt, die eine der ältesten kultivierten Trauben der Welt ist. In dem Moment kam Ines herein, die nichts mit Wein am Hut hat. Aber wir haben sie zu dem Sauternes überredet und auf einmal gings bei ihr doch mit Wein. Den De Krans hat sie dann natürlich auch noch verkostet und er hat in ihrem subjektiven Dafürhalten den Sauternes noch übertroffen. Mal sehen, wo das noch hinführt.

 

Die Tropfen once more:

 

- Champagner Jean-Noel Haton, Blanc de Noir (ca. 25,00 €)

- Leitz Riesling Spätlese, Rüdesheim, Rheingau, 2007 (ca. 10,00 €)

- Villa Cerna Chianti Classico 2006 (ca. 10,00-12,00 €)

- Cecchi La Mora, Morellino di Scansano, Maremma, 2008 (ca. 8,00 €)

- Santa Catarina "La Reina de Baleares", Mallorca, 2008 (ca. 10,00 €)

- Divinitus, Sauternes, 2005 (0,375l, ca. 13,50 €)

- De Krans, Südafrika, 2008 (0,375l, ?,?? €)

 

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Do

21

Jan

2010

Gestern abend der Weißburgunder

Einen Weißburgunder ins Glas bekommen und die erste Assoziation in der Nase war Fleisch, was mich ein wenig erschreckte. Er war aber nicht schlecht und es gesellten sich noch Haselnüsschen im Aroma dazu sowie Birnen. Ein leichtes Moussieren war festzustellen, was ich gerne abgeschafft sehen würde.

Nur soviel zu dem. Ich habe ihn nicht richtig degustiert, sondern in einem Veranstaltungshaus nebenbei getrunken. Und das für umme.

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Do

14

Jan

2010

Schnupfen

Besser jetzt nichts trinken. Man kriegt ja nur die Hälfte mit.

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Mo

11

Jan

2010

Schmecktologieabend #1

Der erste Schmecktologieabend ist vorbei und es hat Spaß gemacht. Leider konnten nicht alle kommen, aber es bildete sich dennoch eine illustre feine Runde. Der Koch, welcher ich bin, hat eine kleine theoretische Einführung zur Degustation gegeben. Zum Verkosten standen vier ganz unterschiedliche Weine bereit, um das weite Feld der Geschmacksrichtungen ein wenig abzustecken. Und zwar war in den Flaschen ein Rheingauer Riesling (Oestricher Lenchen), ein badischer Spätburgunder (Zeller Abtsberg), ein südafrikanischer Cabernet Sauvignon und ein Barolo.

Der Riesling, dem man für einen Riesling erstaunlich wenig Säure, aber viel mehr Frucht abschmeckte, knackte sogar den Weißweinmeider Mark. Durch die wenige Säure erschien er sehr weich, dem standen jedoch so knackige Fruchtaromen wie Granny Smith und auch leicht Zitrusfrüchte gegenüber. Pfirsich sowieso auch, wie es sich für einen Riesling gehört.

Dann kam der Spätburgunder. Meine Güte, war der braun. Obwohl erst ein 2007er. Da wollte ich den Jungs mal zeigen, wie hell und glasig ein Roter sein kann, und dann sowas. Aber egal, war bestimmt nicht der letzte Spätburgunder. In der Nase war aber wieder klar, um welchen Wein es sich handelte. Leicht Himbeeren, aber auch toughere Aromen wie Leder und Laub steckten drin. Vor allem Radek genoss den Tropfen und schenkte sich gerne nach :-)

Es folgte der Cab aus Paarl, Südafrika. Mit dem Jahrgang 2009 ein noch sehr junger Wein, auch wenn 2009 aus Südafrkia heißt, dass er wegen der Verschiebung der Jahreszeiten zu Jahresbeginn gelesen wurde. Gerade Cabernet wirkt dann noch sehr jugendlich, was aber auch einen Reiz hat. Wer es gesetzter mag, möge so eine Flasche einfach noch fünf Jahre liegen lassen. Wir waren uns einig, dass er sehr gemüsig war, allen Gemüsesorten voran grüner Paprika. Aber auch...., ach vergessen, mit was er noch betitelt wurde, Dill war aber auch dabei.

Und als Krönung dann der Barolo. Ein fürchterliches Etikett. Andi sah darin eher eine Geschenkverpackung der 90er als genussstimulierendes Design. Zu Recht. Wichtig ist jedoch das, was drin steckt, und das überzeugte alle sofort. Selbst mich, der ich diesen Barolo in mittelmäßiger Erinnerung hatte. Sanfte Tannine und ein würziger Geschmack mit reichlich Komplexität, helle Beeren ebenso darin wie erdige Töne und ein voller Körper. Eine Freude, den die Speise- und Getränkeröhre runterziehen zu wissen.

Als Abschluss beamten wir uns noch "Adams Äpfel" rein. Hat nichts mit Wein zu tun, aber ist auch nicht verkehrt. Es gibt aber wesentlich bessere dänische Filme. Den Cineasten unter meinen werten Lesern muss ich nicht sagen, dass bei jenen unter Regisseur Refn steht.

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Di

29

Dez

2009

auf der Suche

... nach den Sylvesterweinen. Ein Spanier hat es schon in die Liste geschafft, aber sonst? Morgen geht's weiter. Nicht zu teuer, gefällig, aber auch nicht von schlechten Eltern soll er sein.

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Di

22

Dez

2009

Brombeere, Brünette, Maulbeere, Verzugszinsen, Zahlungsverzug, Loganbeere, Dunkelhäutige(r), Dunkelhaarige(r), Maure

    Das alles gibt das Onlinewörterbuch als Übersetzung für "Mora" an. Verwirrend. Die spinnen, die Römer. Einen Wein Zahlungsverzug zu nennen. Brombeere passt nämlich nicht so gut, denn der gestrige Wein war ein 90%iger Sangiovese mit 10% Keineahnungwas (möglicherweise Grenache, in der Maremma Alicante genannt), und wies eher Anklänge von Vanille, Erdbeeren und Milchreis auf. Der Sangiovesekenner hätte es sicher der Einfachheit halber als Veilchen bezeichnet. Ein Sangiovese nicht aus dem Classico, sondern der Maremma. Maremma wird eigentlich der ganze Küstenstrich der Toskana genannt, In Sachen Wein beschränkt sich der Begriff jedoch nur auf den Abschnitt südlich von Grosseto und dort gibt es das Anbaugebiet des Morellino di Scansano (Morellino ist der heimische Name für Sangiovese), und das ist seit wenigen Jahren eine DOCG. Die Maremma wird einerseits als Ausweichfläche für andere Chiantiweine genutzt, andererseits ist der Weinanbau noch sehr jung in diesem Gebiet, so dass man auf eine interessante Entwicklung in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten hoffen kann. Viele Rebstöcke sind noch jung, sprich haben noch lange nicht die Qualität von 25jährigen oder noch älteren. Der "La Mora" wurde von der Großkellerei Cecchi auf den Markt geworfen. Fröhlich war er irgendwie, aber auch stabil wie der Eiffelturm mit seinem Gerüst aus Säure und deutlichen Tanninen. Der erste fruchtigvanillige Geschmack bleibt auf der Zunge stehen, überdauert eine Entwicklung zum eher dunkelbeerigen, kirschigen und hält sich selbst über den Durchzug der Gerbstoffe bis lange nach dem Schlucken. Und trotzdem, das eigentlich betörende ist sein Bouquet. Eigentlich will man ihn wegriechen, nicht wegtrinken. Und noch etwas: Italienischer kann man das Etikett gar nicht machen. Ein feines Karomuster aus lila und dunkelrot macht sonst kein noch so kreativer Mensch. Kostet ca. 8 Eier. 16435 Punkte.

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Sa

19

Dez

2009

Punkt Punkt Komma Strich

Immer wieder finde ich die Vergabe von Punkten für Weine interessant. Das ist kein schlechtes System, ist es doch eine kompatible Zusammenfassung aller Eigenschaften eines Weines in einem einzigen Wert. Am berühmtesten sind sicher die Parkerpunkte von dem amerikanischen Weinkritiker Robert Parker. Aber auch sonstige Bewerter ähneln dem Parkerschen System. Meist stehen 100 Punkte zur Auswahl, von denen aber 50-70 nie vergeben werden. Keine Ahnung, wofür die überhaupt da sind, da die miserabelsten Weine schon beispielsweise 60 Punkte bekommen würden. Ich würde mal gerne wissen, wie dann ein Wein schmeckt, der nur 6 Punkte bekäme. Gute Weine fangen i.d.R. erst bei 80 Punkten an. Man könnte dann genausogut Punkte von 16420 bis 16450 vergeben, wobei einer mit 16420 Punkten übelste Plörre wäre und 16450 der Weltmeister im Schwergewicht. Warum nicht? Oder anhand einer Farbskala. Lila = bäh, blau = Geschenk für schlechte Freunde, grün = Alltagswein, gelb = für Weihnachten, rot = holla die Waldfee, aber unbezahlbar. Und dazwischen alle erdenklichen Nuancen. Könnte man auch in RGB-Werten ausdrücken oder für Web-Nerds in hexadezimalem Farbcode: dieser Cabernet aus Chile ist #F28546, aber jener aus Sizilien nur #2D4C6A. Vorteil: Man hat ein dreidimensionales System, das Helligkeit, Sättigung und Farbton umfasst. Oder man reduziert auf ein 2-Punkte-System: 1 ist schlecht, 2 bedeutet gut. Oder komplizierter, ein Zickzacksystem: 25 Punkte, wobei 25 die Topweine sind, die Fasttopweine bekommen 1 Punkt, die nächstbesten 24, gefolgt von 2, dann 23, 3, 22, 4 usw. Wunderbar verwirrend.

Ich denke, ich werde das 16420 - 16450 System anwenden. Der Gebrauch von großen Zahlen ist immer gut und es treibt die herkömmlichen Punktsysteme ad absurdum.

Parker sollte man als echter Weingenießer sowieso belächeln. Wein ist eine brutal subjektive Sache und man muss sich nicht von einer ebenfalls subjektiv beurteilenden Person einbeflussen lassen, die ihren Geschmack auf die ganze Welt multiplizieren will. Es sei denn, du bist leidenschaftlicher Trittbrettfahrer.

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Sa

19

Dez

2009

Spanien in der Nacht

  1:15 Uhr, ich krebs an sonem Primitivo herum und über Skype sagt mir Mark, dass der Vina Sardasol, ein Tempranillo/Merlot aus Navarra, noch nicht leer ist. Rubbeldikatz war er bei mir mit der Flasche in der Hand. Wir mögen beide momentan die Spanier (natürlich neben Italien und anderen), wahrscheinlich weil sie meist so rassig daherkommen und ein Gefühl von Stierkampfarena verbreiten. Als Mann hat man einen möglicherweise genetischen Hang zum archaischen, rauhen, und das wird durch spanische Weine hervorragend bedient. Ok, dieser kam aus Navarra, was noch nicht ganz Rioja ist, aber zumindest der kleine Bruder. Die Farbe verwirrte ein bißchen. Knackiges Rot, aber am Rand schon leicht warme Reflexe und das schon bei einem 2008er Jahrgang. Vier Monate Barrique, nicht viel, aber 0 Monate wäre schlimmer. Aroma: So wie es sein soll. Rassig, Unterholz, Leder, dunkle Früchte, überreife Erdbeeren, die direkt von der Pflanze genommen wurden und wo noch Erde dran haftet. Mark meinte auch Stachelbeere zu erkennen. Warum, weiß ich nicht. Auf die Zunge damit. Schöne Fruchtigkeit und Lebendigkeit. Aber diese Sääääure, sehr unangenehm. Leicht bitter auch. Und dann die Tannine, die nach hinten hin immer deutlicher werden. Rauh, kratzig fast. Gibt sicherlich bessere, auch aus der Navarra (der Navarra? die Navarra? das Navarra?), aber er hat auch nur irgendwo in den 100 Cent zwischen 5 und 6 Euro gekostet.

Vina Sardasol
keiner meckert, dass die Flasche so schlecht freigestellt ist, klar!?
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Do

17

Dez

2009

Erkenntnis von heute Mittag

Aber es ist unglaublich, was so mancher Kellermeister mit schnöden Weintrauben anfangen kann. Genauso, wie man sich wundern muss, was ein verblichener Ludwig v. B. mit schnöden Tönen anfangen konnte. Oder heutzutage Mogwai und andere. Diese Faszination, die ein durch Menschenhand veredeltes Produkt auslöst. Von Menschen, die meine Zunge nicht kennen, ihr aber schmeicheln wie ein Weltmeister. Heute zwei Flaschen gekauft, einen Chianti und einen Jumilla. Ich bin gespannt. Aber getrunken wird erst in ein paar Tagen. Der Wein will sich vor der Vernichtung ausruhen.

  Aber es ist unglaublich, was so mancher Kellermeister mit schnöden Weintrauben anfangen kann. Genauso, wie man sich wundern muss, was ein verblichener Ludwig v. B. mit schnöden Tönen anfangen konnte. Oder heutzutage Mogwai und andere. Diese Faszination, die ein durch Menschenhand veredeltes Produkt auslöst. Von Menschen, die meine Zunge nicht kennen, ihr aber schmeicheln wie ein Weltmeister. Heute zwei Flaschen gekauft, einen Chianti und einen Jumilla. Den Chianti hatte ich vor einem Jahr mal gehabt und muss mal sehen, was ich heute von ihm halte, und der Jumilla hatte ein sehr schönes Ettikett. Auch ich falle auf sowas rein. Ich bin gespannt, was die können. Aber getrunken wird erst in ein paar Tagen. Der Wein will sich vor seiner Vernichtung ausruhen.

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Do

17

Dez

2009

Erkenntnis von heute Morgen

Wein ist doof, weil er viel kostet und man leicht betrunken davon wird, was niemandem nützt. In einer Flasche mit 14% sind schätzungesweise 3-4 cm Füllhöhe purer Alkohol.

Nein, ich habe mir gestern nicht unkontrolliert einen hinter die Binde gekippt und bereue daher jetzt auch nicht beim Katerfrühstück mit leeren Versprechungen, nie mehr einen über den Durst zu trinken, meine Zügellosigkeit. Das kommt sowieso äußerst selten, wenn gar nie vor.

Wer weiß, vielleicht bin ich momentan nicht be- sondern noch zu schlaftrunken, um so eine Meinung ernsthaft haben zu können.

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Mi

16

Dez

2009

Mit dir hab ich noch ein Vorwörtchen zu reden

So, jetzt geht das Ding schon mal an den Start. Hier möchte ich Beschreibungen verkosteter Weine in das breite und verehrte Publikum drücken. Zum einen werden es Tropfen sein, mit denen ich ein lauschiges Rendezvous unter 4 Augen hätte, wenn Weine Augen hätten, zum anderen soll im derzeit noch ungeborenen Jahr 2010 eine kleine Weinschule unter einer handvoll Freunden gelauncht werden und diese wird sicher auch das eine oder andere kurzweilige Ergebnis emittieren. Und wer weiß, ob nicht auch vereinzelte Tage ein lehrreiches Video hervorbringen, in dem man zudem meine Pappnase mal in bewegtem Bild sehen kann. Cheerio!

der Autor
der Autor, Schmecktologe A. Koch
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