Brombeere, Brünette, Maulbeere, Verzugszinsen, Zahlungsverzug, Loganbeere, Dunkelhäutige(r), Dunkelhaarige(r), Maure

    Das alles gibt das Onlinewörterbuch als Übersetzung für "Mora" an. Verwirrend. Die spinnen, die Römer. Einen Wein Zahlungsverzug zu nennen. Brombeere passt nämlich nicht so gut, denn der gestrige Wein war ein 90%iger Sangiovese mit 10% Keineahnungwas (möglicherweise Grenache, in der Maremma Alicante genannt), und wies eher Anklänge von Vanille, Erdbeeren und Milchreis auf. Der Sangiovesekenner hätte es sicher der Einfachheit halber als Veilchen bezeichnet. Ein Sangiovese nicht aus dem Classico, sondern der Maremma. Maremma wird eigentlich der ganze Küstenstrich der Toskana genannt, In Sachen Wein beschränkt sich der Begriff jedoch nur auf den Abschnitt südlich von Grosseto und dort gibt es das Anbaugebiet des Morellino di Scansano (Morellino ist der heimische Name für Sangiovese), und das ist seit wenigen Jahren eine DOCG. Die Maremma wird einerseits als Ausweichfläche für andere Chiantiweine genutzt, andererseits ist der Weinanbau noch sehr jung in diesem Gebiet, so dass man auf eine interessante Entwicklung in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten hoffen kann. Viele Rebstöcke sind noch jung, sprich haben noch lange nicht die Qualität von 25jährigen oder noch älteren. Der "La Mora" wurde von der Großkellerei Cecchi auf den Markt geworfen. Fröhlich war er irgendwie, aber auch stabil wie der Eiffelturm mit seinem Gerüst aus Säure und deutlichen Tanninen. Der erste fruchtigvanillige Geschmack bleibt auf der Zunge stehen, überdauert eine Entwicklung zum eher dunkelbeerigen, kirschigen und hält sich selbst über den Durchzug der Gerbstoffe bis lange nach dem Schlucken. Und trotzdem, das eigentlich betörende ist sein Bouquet. Eigentlich will man ihn wegriechen, nicht wegtrinken. Und noch etwas: Italienischer kann man das Etikett gar nicht machen. Ein feines Karomuster aus lila und dunkelrot macht sonst kein noch so kreativer Mensch. Kostet ca. 8 Eier. 16435 Punkte.

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