Schmecktologieabend #2

Liegt jetzt auch schon wieder mehrere Tage zurück: der letzte Schmecktologieabend unter Freunden. Der erste Tag für die kleine Hallwag Weinschule mit den bestellten Weinen. Der Kurs nimmt zum Einstieg eine bunte Auswahl der wichtigsten Weinkategorien vor, sprich Schaumwein, Weiß-, Rot- und Süßwein.Diese Kategorien kämpften gegen sechs Jungs, eine leider kranke junge Frau und einen Hund mit Arthrose. Die beiden letztgenannten konnten jedoch nur wenig bis gar nicht partizipieren. Den Auftakt machte ein Champagner von Jean-Noel Haton, ein reines Pinot Noir Produkt, als Blanc de Noir ganz ohne Chardonnay, aber auch die dritte für Champagner zugelassene Rebsorte Pinot Meunier (Schwarzriesling) fehlt (oder ist nur in kleinen Anteilen vorhanden, ich weiß es nicht mehr). Von der Feinheit der Perlage habe ich mir mehr erwartet. In der Nase kam zuerst Erdbeere vor, aber auch schon Mirabellen und Ananas, die dann am Gaumen noch präsenter waren. Was mir generell an einem Champagner weniger zusagt, ist die Weicheit, die fehlende Spritzigkeit, die durch die Verwendung der roten Trauben zustande kommt. Da ziehe ich lieber einen guten Winzersekt aus Riesling oder noch lieber Sauvignon vor. Wenn irgendwas überbewertet wird auf dieser Welt, dann Champagner. Aber das ist Geschmackssache.

In den Ring stieg als zweiter Akteur ein 2007er Rheingauer Riesling von Josef Leitz aus Rüdesheim. Mit grün durchsetze goldene Farbe. Die Nase registrierte deutlich mehr Pfirsich als Apfel, zusätzlich einen Stich von Honig. Im Mund trat die rieslingtypische Säure etwas zurück, Restzucker war stattdessen noch ordentlich drin, so dass er schon fast jenseits von trocken geschmeckt hat. Der lange Abgang sprach für ihn, auch wenn Mark W. ihm schließlich und zu Recht attestierte, dass er "keine Abendveranstaltung" ist.

Nächster Wein: Chianti Classico, Villa Cerna, 2006. Trauben: 90% Sangiovese, 10% Cannaiolo. Überzeugende Nase. Komplex, ein Füllhorn aus Früchten und die Veilchennote, die einen Sangiovese zum Sangiovese macht, trat deutlich hervor. Was aber auch einen Sangiovese zum Sangiovese macht, ist sein üppiger Tanningehalt, und der war hier schon störend und rauh. Der Cerna hielt lange nicht auf der Zunge, was er in der Nase versprach, und sowas kann ich ja schonmal gar nicht leiden. Trotzdem insgesamt ein erfreulicherer Wein als der Riesling, auch wenn du rot und weiß nicht vergleichen willst.

Im Vergleich haben wir noch einmal den La Mora von Cecchi, einen Morellino di Scansano, getrunken (Beschreibung in früherem Post). Der war weniger fruchtig, weniger verspielt, aber geradeauser, ledriger, animalischer und von der Harmonie zwischen Nase und Mund überzeugender. Dem Cerna vorzuziehen. Kurz vor Veröffentlichen dieses Posts konnte ich meinen Augen kaum glauben, als ich zufällig herausfand, dass Villa Cerna das Gut von Cecchi im Chianti Classico ist. Und zwar nicht irgendein Gut, sondern das gute Gut. Aha.

Als zweiter Exkurs wurde ein mallorcinischer Roter in die Runde geworfen. Dieser war mir vor Monaten beim ersten probieren etwas unangenehm aufgefallen, hat mir mit der Zeit aber immer besser geschmeckt und ich wollte mal die Meinung der Weingenossen hören. Die Rebe ist Manto Negro, neben Callet eine der autochthonen Sorten von Mallorca. Er zeigt ein Würze, die kräuterbetont ist und hat ebenso Anklänge von Lakritz. Ein nettes Stöffchen, wenn auch nichts für Weicheier. Und er fand auch die Gunst in der Runde. Man sollte mal noch mehr Manto Negros versuchen.

Schlussendlich musste noch der Süße geöffnet werden. Ein Kapitel, dass keinem von uns so wirklich liegt. Braucht ja eigentlich auch kein Mensch. Aber immerhin war es ein Sauternes. Eine Appellation im Bordeaux, die vielleicht die besten Süßweine der Welt hervorbringt, aber mit solchen Aussagen muss man immer vorsichtig sein. Der Zucker pappt schon beim riechen die Schleimhäute zu, aber wenn man sich den mal wegdenkt, fand man Klasse in dem Wein. Dieser Sauternes ist wie viele andere aus der Region ein Semillon, eine fruchtige, körperreiche Traube. Die Qualitäten hat er auch ausgespielt. Nur halt der Zucker....

Ich ließ noch einen weiteren Süßen von der Leine, der von ganz anderem Charakter ist. Aus Südafrika, vom Winemaker De Krans einen Muscat mit 159g Restzucker/Liter. Deutliche Litschi im Vordergrund und natürlich das Gewürz, was die Traube im Namen führt, die eine der ältesten kultivierten Trauben der Welt ist. In dem Moment kam Ines herein, die nichts mit Wein am Hut hat. Aber wir haben sie zu dem Sauternes überredet und auf einmal gings bei ihr doch mit Wein. Den De Krans hat sie dann natürlich auch noch verkostet und er hat in ihrem subjektiven Dafürhalten den Sauternes noch übertroffen. Mal sehen, wo das noch hinführt.

 

Die Tropfen once more:

 

- Champagner Jean-Noel Haton, Blanc de Noir (ca. 25,00 €)

- Leitz Riesling Spätlese, Rüdesheim, Rheingau, 2007 (ca. 10,00 €)

- Villa Cerna Chianti Classico 2006 (ca. 10,00-12,00 €)

- Cecchi La Mora, Morellino di Scansano, Maremma, 2008 (ca. 8,00 €)

- Santa Catarina "La Reina de Baleares", Mallorca, 2008 (ca. 10,00 €)

- Divinitus, Sauternes, 2005 (0,375l, ca. 13,50 €)

- De Krans, Südafrika, 2008 (0,375l, ?,?? €)

 

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Kommentare: 3
  • #1

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