Schmecktologieabend #6

Nachdem es hier zum letzten hochinteressanten Abend (#5), der sich um Spanien drehte, keinen Post gab, weil ich voller Schreibunlust war, hacke ich jetzt lieber mal wieder was hier rein. Am vergangenen Samstag waren wir zwar nur zu viert, die Weine aber zu acht und es handelte sich bei allen um Cabernet Sauvignons. Nach dem ersten Öffnen und Verkosten hielten wir es für besser, draußen noch einen Spaziergang  zu machen, um den Weinen ein bißchen Zeit zum Luft holen zu geben, denn sie wurden im Vorfeld noch nicht geöffnet. Dazu gossen wir aus jeder Flasche etwa 10 cl in einen Humpen, damit die Luftkontaktfläche des verbliebenen Weins in der Flasche größer wurde.

Nr. 1: Der Ursprung des CS: Frankreich. Wir begrüßten einen Vin de Pays d'Oc, der mit einem putzigen Etikett zurückgrüßte. Darauf war ein gekritzeltes Schweinchen und ein paar Boulekugeln. Daher hieß er auch Le Cochonnet, französisch einerseits für Ferkel und für die Zielkugel beim Boule. Seine Farbe war dunkel und hatte noch violette Reflexe, was bei einem 2008er zu erwarten war. So schön er auch aussah, so fürchterlich war sein Aroma und Geschmack. Vor allem stach so etwas wie saure Milch in die Nase, dahinter traten Brombeeren und wenige schwarze Johannisbeeren fast bis zur Unkenntlichkeit zurück. Auf der Zunge war er metallisch, ein paar Kirschen zeigten sich noch. Insgesamt charakterlos. Keine Kaufempfehlung.

Nr. 2: Weiterhin Europa, aber jetzt Italien. Ein Land, dass z. T. schon in den Super Tuscans den Sangiovese mit CS versetzt hat, aber auch immer mehr reinsortige CS auf die Flaschen zieht. Wir hatten einen Cabernet Sauvignon delle Venezie von Bolla, 2007. Es stellte sich heraus, dass wir an jenem Abend auffallend mit großen bis riesigen Weingütern besetzt waren. Bolla ist einer der ganz großen in Italien. Er war leicht heller als der vorhergende. In der Nase war von allen der erste Eindruck alter Keller. Außerdem noch Blauschimmelkäse (ein Aroma, das einige CS anfangs ab und zu zeigen, was aber am Folgetag fast verschwunden ist), eingelegte Gurken. Mark R. ließ sich zu der Bemerkung "es könnte auch Hundekacke sein" verleiten. Man sieht, überzeugt war keiner wirklich. Im Mund lag zunächst ein Rest von Gärkohlensäure. Nicht gerade erwünscht bei Rotweinen. Etwas gemüsig, etwas brotig, aber nur ein Jota besser als der erste des Abends.

Nr. 3: Californien, einer der größten Abfüller der Welt: Robert Mondavi aus dem Central Valley, Kalifornien. Wir hatten einen 13,5%igen Woodbridge von 2006 und auf einmal wurde es beeindruckender. Seine Farbe war schön rubinrot. In der Nase zarte Barriquetöne und viel Beerenfrucht: Brom, Heidel und schwarze Johannis. Er war verblüffend süß, die Süße erinnerte an Marzipan, deutliche Tannine, die noch etwas Reife benötigten, so kratzte er noch etwas im Mundinnern, manchmal konnte man auch diese dicken bunten Lakritzstäbchen von Haribo Colorado herausschmecken und noch wenig grüne Paprika. Der Alkohol war etwas zu hoch eingestellt. Aber insgesamt ein Wein, wie man ihn sich für einen Preis von 8 € wünscht und der auch nicht so schnell in Vergessenheit gerät, da sein Abgang noch eine ganze Weile bleibt.

Nr. 4: Und wieder ein Gigant, nach der der Winzergenossenschaft KWV der größte Weinproduzent Südafrikas: Nederburg. Beide sind in Paarl ansässig, einer warmen Region mit wenig Regen. Von Nederburg war es der Manor House Cabernet Sauvignon 2007 mit den für Südafrika schon fast typischen 14% Alkohol. Mundus Vini Silbermedaille, soll man darauf was geben? Seine dunkelrote Farbe glitt schon sanft ins Warme. So auch das Bouquet. Warm, weich, fruchtig, Schokolade, roter Paprika. Die Trauben wurden wahrscheinlich relativ früh geerntet, daher rühren die Paprikatöne, die auch im Mund noch wahrnehmbar waren. Auch die etwas überdurchschnittlich hohe Säure (6,14 g/l) spricht dafür. Aber nach einer angemessenen Reife im Holz werden aus Cabernettrauben mit einem frühen, aber nicht zu frühen, Lesezeitpunkt tolle Weine. Finde ich. Ein charakter von Gemüse bleibt erhalten, der aber in eine weiche finessenreiche Matrix eingebunden ist. Allein der massive Alkoholgehalt störte ein bißchen, ansonsten fand ich diesen Wein bisher am besten. Die anderen drei Jungs tendierten aber eher zu dem Kalifornier. Schön dickes Flaschenglas hat der Nederburg auch. Da denkt man nach dem leeren der Flasche immer: Wow, der muss gut gewesen sein. Weil das Teure an teuren Weinen wird meist auch in die Dicke der Wandung gesteckt.

Nr. 5: 2007, Viu Manet Classico, Valle de Colchagua, Chile. Dunkle warmrubinrote Farbe. Man riecht schwarze Johannisbeere, aber ohne die olfaktorische Härte oder Kantigkeit von der Frucht, Paprika, Lauch, schön und stimmig. Ich mag ja die Gemüsenoten im Sekundäraroma von manchen CS. Geschmacklich interessant. Er täuscht zuerst Süße vor, was sicherlich auch von den 14% Alk kommt, schlägt dann aber in Bitterkeit um, die noch einmal ein brombeeriges Cassisaroma offenbart. 9,90 die Buddel, durchaus vernünftig.

Nr. 6: Wie gesagt, viele Großkellerein waren heute im Spiel und mit dem folgenden Wein präsentierte sich der größte Erzeuger aus Argentinien. Die Finca Flichman aus dem Distrikt Barrancas im Departamento Maipu un der Provinz Mendoza, das an der Flanke der Anden auf 600-1400 m ü NN liegt. Die meisten Wolken haben sich schon auf der chilenischen Seite der >4000 m hohen Anden abgeregnet und Maipu bekommt nur noch 200 mm/a Niederschlag, eine winzige Menge. Allerdings liefern schmelzende Schneedecken aus höheren Gebieten ständig zusätzliches Wasser, so dass Weinanbau möglicht ist.

Der Wein ist auch mit 14% Alkohol gesättigt und aus 2008er Trauben, ein nicht schlechter Jahrgang, aber natürlich mit zwei Jahren noch jung und daher mit Potential in der Zukunft. Fein violette Reflexe zeugen auch noch von seiner Jugend. Er hat vanillige und schokoladige Aromen, man merkt gleich, dass er im Holz lag. Nämlich sechs Monate. Auch er zeigt Gemüse. Roter Paprika, etwas Zwiebel. Trotz vorhandener Tannine sehr weich im Mund, voller Körper, angenehme Holznote, absolut runder Trunk. Macht wirklich Spaß.

Nr. 7: San Felipe, Bodega La Rural Conquimbito, auch Mendoza, Argentinien.

Vergiss es, untrinkbar. Kork par excellence.

Nr. 8: Ok, der letzte war kein reiner Cabernet Sauvignon mehr, sondern ein Cabernet-Cuvée aus C. Sauvignon, C. Franc, C. Cortis, C. Carol und C. Carbon. C. Franc ist ja neben Sauvignon Blanc ein Elternteil und Namensgeber von CS, CS selber ist wiederum ein Elternteil von den drei letztgenannten, die in den 80ern in Freiburg als pilzresistente Sorten gezüchtet wurden, aber bisher nur auf wenigen Hektar vor allem in Deutschland angebaut werden. Der Cuvée ist von hellerer Farbe, das Rot leuchtet regelrecht. In der Nase ist der 2006er von Zähringer aus dem klimatisch verwöhnten Markgräflerland leichter, fröhlicher als ein reiner CS. Primär kommt einem Himbeere entgegen. Auch im Geschmack ist er ob seiner Leichtigkeit kaum noch mit einem CS zu vergleichen. Obwohl er leichter und agiler schmeckt, dealt er mit ledrigen Aromen, auch so etwas wie Grillfleisch ist dabei. Der Alkohol tritt kaum hervor, ist mit 12,5% aber auch eher mager. Insgesamt könnte man ihn als ein Zwischending zwischen CS und Pinot Noir rubrizieren. Interessant, aber ihm fehlt die Klasse, die man für 11,10 € erwartet.

Ach ja und dann war da ja noch der andere Cuvée. Der aus allen heute verkosteten Weinen. Da bei uns ja nicht gespuckt, sondern hardcoregenossen wird, waren wir schon im Föhlichkeitssektor. Vielleicht hat er deshalb auch geschmeckt. Vielleicht auch, weil aus lauter Zufall die Zusammenstellung einfach gestimmt hat. VKN habe ich aber nicht gemacht. Verblüffend war, dass der Korkschmeckerwein seinen Kork nicht mehr erkennen ließ. Trotz der positiven Kritik, auf die der DIY-Cuvée stoß, rann er zu seinen größten Teilen den Abfluss hinab.

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