Schmecktologie goes Southeast Asia

Erstmalig fand Schmecktologie in Südostasien statt, in Singapur. Acht Leute, acht exquisite Weine, die zum allergrößten Teil von einem Paar zur Verfügung gestellt wurden. Dazu wurde ein 2,2 kg Lammbraten gereicht; Bruschetta, Salat, mit Spargel und Langem Pfeffer verfeinerter Reis, Kartoffelpüree mit Trüffelöl und Kartoffelpüree aus lila Kartoffeln standen ebenfalls auf dem Tisch und als Dessert ließen sich homemade Tiramisu und eine Käseplatte mit Trüffelhonig (34,-/250 g, aber der Geschmack rechtfertigte den Preis...) blicken.

 

Der Starter unter den Weinen war ein Riesling von der Saar: Egon Müller Scharzhofer Kabinett 2007. Wer Müller kennt, weiß, dass es sich weder um trockenen noch um schlechten Wein handeln kann. Ist Müller der d’Yquem Deuschlands? Allen Trockentrinken möchte ich Egons Worte ans Herz legen: „Wenn man das nachher im Glas hat und probiert und der Wein ist gut gemacht, dann stellt man sich die Frage gar nicht mehr, ist das jetzt süß oder trocken oder halbtrocken, sondern dann ist das nur noch der Eindruck von perfekter Balance oder Harmonie.“ Und wirklich vergaß man den restsüßen Impact, als der Wein durch die Zähne flutschte. Es war zwar „nur“ ein Kabinett, hatte aber schon die Dichte einer Beerenauslese. Nach 2-3 Sekunden im Mund geht er in eine erfrischende Bitterkeit über, die an Boskoop erinnert, ist aber dennoch insgesamt sehr weich. Außerdem zeigt er im Duft deutliche Noten von Honig und, wahrscheinlich durch die Süße verursacht, auch etwas Litschi. Im Geschmack gesellt sich noch samtiger Pfirsich dazu. Die Säure ist nicht hart und steht nicht im Vordergrund. Brilliant, keine Frage. 0,75 Flasche in D für ca. 30,- , aber wir hatten ein paar 0,375 Fläschchen.

 

Die Reihenfolge der Weine an diesem Abend war etwas chaotisch. Als nächstes kam schon einer meiner Favoriten des Tages: Châteauneuf-du-Pape, Château Saint-Cosme, 2004, mit sage und schreibe 14,5% Alk, aber was ist das schon gegen den Pinotage von der letzten Schmecktologie mit 16%? In Châteauneuf sind 13 Rebsorten zugelassen, von denen viele Winzer eine große Auswahl in ihre Weine packen, aber dieser besteht nur zu je 50% aus Mourvedre und der für Châteauneuf typischsten Sorte Grenache. St. Cosmes Weine stammen von alten Reben in besten Lagen, werden aufwändig handselektiert und die Weine nicht filtriert. Der jetzige Inhaber Louis Barruol sorgte letztendlich für die enorme Qualität des Weinguts. Der Wein schlägt einem erstmal eine hölzerne Faust in die Fresse, aber mit dieser Faust kommt auch noch ein dichter Komplex aus Leder, Kirsche, bisschen Lakritz, ordentlich Tanninen, mediterranen Gewürzen und dem Geschmack, den ich vom Auslutschen von Phloxblüten kenne, nur nicht so süß. Das schöne ist, dass man kaum einen zweiten Schluck braucht, weil er so lange nachhallt. Leider war er nach einem Tag im heißen Wetter von Singapur schon so weit degeneriert, dass der Alkohol zu massiv rüberkam. Aber an sich grandios! Wahrscheinlich 30-40 in Deutschland.

 

Der nächste war ein 99er Cornas von Jean Luc Colombo, und zwar der Terres Brûlées. Cornas ist ein Dorf an der Rhône, die Weine von dort stocken auf steilen Hängen auf Granitfels. Terres Brûlées, was „gebrannte Erde“ bedeutet, spielt auf das spezielle Aroma der Weine an. Der Wein aus 60 Jahre alten Syrahreben lag in gebrauchten Fässern, die ihm eine erhabene Holznote verleihen. In ihm liegt eine gewisse angenehme Mineralität, ist tannin- und säurereich. Geschmacklich schwerer zu fassen als ein Shiraz aus dem Barossa Valley. Er hat mich an den Bauernhof meines Großvaters erinnert, was ich positiv zu verstehen wissen möchte. Auch an den Sauerbraten von der dazugehörigen Großmutter. Und nebenbei an die Erd- und Brombeeren aus deren Garten. Eigentlich gar keine schwarzen Johannisbeeren, die ich sonst bei Syrahs erwarte. Toll, am zweiten Tag sogar besser. Ca. 30,- in Deutschland.

 

So, jetzt erst mal an Kaffeebohnen schnuppern, damit die Nase sich wieder entspannen kann.

Weiter. Domaine Vieille Julienne, Côtes-du-Rhône, 2001, vieilles vignes (= alte Reben, die Stöcke vom Winzer Jean-Paul Daumen sind zwischen 50 und 90 Jahre alt). Daumen arbeitet naturschonend und er fügt dem Wein weder Reinzuchthefen noch Schwefel hinzu. Kein Schwefel, das ist selten. Doch, ein kleines bisschen schon, bevor er auf die Flaschen gezogen wird. Aber keine Filtration. Aber auch der Geschmack wird vielfach gelobt. Nicht nur von diesem, sondern Daumens Châteauneufs gehören zu den besten ihrer Appellation. Die Grundlage bildet mit 70-80% Grenache, der Rest wird mit Syrah und Mourvedre komplettiert. Vielleicht war er mit seinen 9 Jahren schon zu alt, aber mich hat er nicht überzeugt. Er roch nach altem Ledersofa, hefig, nach Staub, aber auch nach Zwetschgen, Sojasoße und Trüffel. Mag sich vielleicht interessant anhören, aber naja. Im Mund dann zwar schön weich, aber trotzdem aufdringlich, erinnerte sonderbarerweise auch an Pinot Noir. Kein Wein für mich. Preis in Deutschland: 16,50 . Da kann man eigentlich was erwarten.

 

Irgendwann zwischendurch wurde ein Champagner von Piper-Heidsieck geöffnet, aber von dem war am nächsten Tag für meine Degustationsnotizen kein Tropfen mehr übrig. Ich weiß nur noch, dass er lecker war und nach dunklem Brot geschmeckt hat.

Domaine Rossignol-Trapet aus Gevrey-Chambertin. Côtes-de-Nuits, Burgund, 2007. Was könnte es von dort anderes sein als ein Pinot Noir? Nicht meine Lieblingstraube, aber mal sehen. Oha, fluffig, schon als heilig zu bezeichnende Samtigkeit, Pflaumen, Himbeeren, toller Körper, tolle Harmonie. Ich bin positiv überrascht. Auch dieser aus alten Reben, 45 Jahre alt, Bewirtschaftung nach Demeter Richtlinien, Spontangärung, 12 Monate Fass, davon 20% neue Fässer. Hat richtig Spaß gemacht. Sollte dieser Stoff mich dazu bringen, mich endlich mit Pinot Noir anzufreunden? Auf jeden Fall war er ein Meilenstein. Ca. 30,- .

 

Einen hatten wir noch: Aus Morey-St-Denis, also auch Côtes-de-Nuits im Burgund, also auch Pinot Noir. Wird sich der Siegeszug dieser Traube jetzt fortsetzen? Der Wein stammt aus dem Jahr 1999 und von Hubert Lignier, der wegen unglücklichen familiären Fällen im eigenen Keller Hausverbot hat. Nanu, riecht nach Käse und Wurst, Leder, Heidelbeeren und nassen hartlaubigen Gehölzen. Die Textur ist super. Insgesamt aber nicht mein Ding. Vielleicht hat er seinen Zenith schon überschritten. Kostet 42,50 in Deutschland.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hipo (Donnerstag, 12 Juli 2012)

    Good info dude