Was lernen über georgischen Wein

Vor einigen Tagen habe ich den Winemaker Giorgi Dakishvili aus Georgien getroffen und er hatte interessantes zum Wein aus seinem Land zu sagen. Natürlich verbindet man vor lauter Unwissenheit georgischen Wein mit süßer Plörre, aber das muss so nicht sein, es gibt auch wirklich gute Tropfen und einige autochthone Sorten. Wein wird schon seit 7000 Jahren dort angebaut, was man von vielen europäischen Ländern nicht sagen kann, und die traditionelle Methode, die nach wie vor angewendet wird, ist der Amphorenwein. Eine riesige Tonamphore (Qvevri) von mehreren Tausend Litern Fassungsvermögen ist in den Boden eingelassen und von innen mit Bienenwachs ausgekleidet, was sie abdichtet. Ton würde sonst beständig feine Mengen Flüssigkeit durchlassen. Das Wachs teilt durch den direkten Kontakt zum Wein natürlich auch leicht seinen Geschmack mit. Die Lagerung in der Erde garantiert eine gleichmäßige Temperatur. Vor allem aus diesem Grund sind heutige Weinkellereien eben auch im Keller. Heute werden die Amphoren entweder als kurzzeitiger Behälter während der Maischegärung (bis zu 20 Tage) oder zur Reifung (mehrere Monate) eingesetzt. Sie werden mit einem Stein und dann mit Asche und Sand abgedeckt.

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Ich durfte zwei Qvevri-Weine probieren, einen weißen und einen roten. Der Weiße aus der Sorte Kisi verblieb 5 Monate in der Amphore und wechselte dann 12 Monate in gebrauchte Barriques. Er war dunkelgelb, schmeckte nach Datteln, dick, muffig, Honig. Der Rote aus 50jährigen Saperavitrauben, wie Kisi auch autochthon, wurde nur im Qvevri vinifiziert, und kam dann ins Holz. Er zeigte Noten von Estragon, mehr Feinheit als der bracchiale Weiße, merlotartiges Fruchtspiel, reichlich sanfte Tannine. Aber dennoch waren mir die am gleichen Tag verkosteten georgischen Weine, die nicht in der Amphore waren, lieber. Vielleicht muss man sich auf diese Weine konditionieren, indem man in Georgien aufwächst. Aber interessant waren sie allemal.

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