Schmecktologieabend Barbera vs Nebbiolo

Eigentlich wollte ich als Thema für diesen Abend „Welcher Wein passt am besten zu Aldi Gewürzspekulatius?“ machen, aber wegen schneidigem Gegenwind der Freunde wechselte ich zu etwas ganz anderem: Barbera vs Nebbiolo. Zwei Rebsorten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, außer dass sie hauptsächlich im gleichen Gebiet angebaut werden, der Gegend von Asti und Alba, Barolo etc. im Piemont. Barbera war lange Zeit eine Massenträgerin für einfachen Wein, z. T. auch perlend ausgebaut. Anpassungsfähig in den Ansprüchen. Inzwischen aber dabei, wieder zu Renommee zu kommen. Tanninarm, aber säurestark. Nebbiolo gehört schon seit Jahrhunderten zu den edelsten Rotweintrauben weltweit. Reift langsam wie Sau und braucht auch im Ausbau ewig. Extrem standortintolerant, wächst Nebbiolo nur in dem piemontesischen Gebiet, wo er an sonnenexponierten Hängen Kalkmergel findet und im Herbst lecker Morgennebel (nebbia (ital.) = Nebel) die Beeren benetzt. Eine Legende sagt, dass ein Mönch sich wegen zuviel Weinbergsarbeit nicht mehr ums Beten gekümmert hat und statt im Kloster ständig zwischen Reben war. Gott erboste und schickte ihm so dichten Nebel, dass die Arbeit nicht mehr möglich war und er fürderhin im Kloster weilen musste.

Zuerst reihten wir die Barberas aneinander, danach schmeckten wir die Nebbiolos. Erster Barbera: Barbera d’Asti von Alto di Bellano, 2005. No comment, weil er beim Nachverkosten nicht mehr da war. War aber eigentlich ganz ordentlich, wenn auch eine gewisse Härte mit drin war. Zweiter: Barbera d’Asti „Blina“ von Agostino Pavia & Figli, einem nur 7,5 ha großen Weingut, das seine Rebstöcke mit Sorgfalt und Geduld behandelt und sie nicht sofort abholzt, sobald sie ertragsschwächer werden. Der Blina stammt z.B. von 50jährigen Gewächsen und erschien auch etwas ausgefeilter, souveräner als der erste des Abends. Leider auch beim Nachverkosten nicht mehr vorhanden.

Es folgte ein Pärchen von Renato Ratti. Barbera d’Alba Torriglione von 2008 und von 2007. 2008, erster Eindruck von Mark R.: Kacke und Kupplung. Nicht grade verführerisch. Ein fieses Aroma, aber mit Veilchen durchmischt. Aber beschissene Veilchen sind auch nicht das wahre. Im Geschmack dagegen stimmiger. 4 Monate im französischen Barrique ausgebaut, das verleiht ihm Abrundung und etwas Eleganz. Ledrig, würzig, pflaumig und gar nicht mal so säurebetont. Der 2007er hat von dem üblen Geruch verloren, dieser ist aber immer noch zu erahnen. Blöd, wenn man durch den anderen schon vorgeprägt ist und Erwartungshaltung hat. Er ist aber leiser in der Nase und es mischen sich nasse Steine und eine feine Note von Estragon rein. Dagegen hat er geschmacklich wesentlich mehr charakterliche Schärfe und Rasse. Das eine Jahr mehr an Reife hat ihm gut getan. Ein noch älterer Jahrgang wäre von daher nicht uninteressant. Beide bleiben lange im Mund hängen. Eigentlich gar nicht so üble Gesellen. Bis auf den Geruch vor allem des ’08ers. Wir tauften die beiden Weine „die Stinkebrüder“. Nun ja, zum Geruch kann man eine Hassliebe entwickeln, und dann macht’s Spaß.

Als letzter Barbera trat aus den Colli Tortonesi der von der Cantina Volpi auf, ein ’06er. Nach sechs Monaten im Barrique strömt der dafür typische Ton sanft in die Nase. Man merkt ihm sofort an, dass er toll ausgebaut ist. Nicht zu viel, nicht zu wenig Barrique. Die Säure ist präsent, aber schön eingebunden. Er schmeckt nach Pflaumen, Leder und Veilchen und strahlt Souveränität aus. Unter den Barberas der Sieger des Abends.

Kommen wir zu den Nebbiolos. Als erstes hatten wir einen Nebbiolo d’Alba von Grimaldi. Davon war allerdings die ganze Flasche am Tag der Nachverkostung nicht mehr auffindbar. Also kein Wort darüber. Bleiben ja auch noch drei weitere. Und zwar einmal der Nebbiolo d’Alba 2007 von Francesco Rinaldi & Figli, dessen Schriftzug auf dem Etikett auch zu einem Zirkus gehören könnte. Aufgrund seines jungen Alters haben wir ihn in den Dekanter gegeben, wo er sich noch ein bisschen entwickelte. Aromen von Tabak, Leder und ein Hauch von Rosen, etwas Heidelbeere. Und so schmeckt er auch. Irgendwie nach dem Wohlstand von kulturbeflissenen älteren Damen an einem spätsommerlichen Tag mit Kuchen auf der Terrasse. Mein ich positiv. Dabei belegen eine arttypisch Menge Tannine den Mundinnenraum, die allerdings eine noch etwas geschliffenere Erscheinung haben könnten. Trotzdem für mich der beste an dem Tag.

Barbaresco 2006, Castelvecchio. Riecht rustikaler als der Vorgänger, Leberwurst, Ziegel, Leder, auch Veilchen. Der Geschmack geht in rote Früchte, könnte mehr Körper vertragen, aber ist dennoch nicht verkehrt. Hat das Spannende von etwas nicht lupenreinem.

Noch einer, der Nebbiolo 2006 von Luigi Dessilani & Figlio aus der DOC Colline Novaresi, wo Nebbiolo auch Spanna gennant wird. Für die meisten war er der Etikettgewinner. Dunkelgrün und ornamental. Das Weingut möchte die Eigenart seiner nordpiemontesischen Herkunft bewahren und baut auf seinen 50 ha nur heimische Sorten an. Ca. anderthalbjähriger Barriqueausbau und weitere Reifung in großen Fässern aus slawonischer Eiche haben den Wein verfeinert, wobei die lange Zeit im Holz gar nicht hervorsticht. Stattdessen eher weiche Veilchen, auch im Geschmack dominieren sie. Dazu noch Pferd, Herbstblätter und Leder. Die Tannine sind natürlich auch reichlich, aber zart und anschmiegsam. Nach anderthalb Tagen offener Flasche in Bestform.

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Kommentare: 2
  • #1

    Miles (Sonntag, 22 Juli 2012 00:06)

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    Nithin (Dienstag, 25 September 2012 18:37)

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