中国 葡萄酒

Das Durlacher Weinhaus am Markt lud zur Chinaweinprobe. Ganz interessant, denkt man da als offener Weingenießer mit fernöstlicher Affinität. Also hin. Der Weinhändler Herr Wachter hat über die letzten Jahre einige Weine aus China zusammengesammelt, die an jenem Abend zur Verkostung standen. Keine Weine, die er in sein Programm aufzunehmen gedenkt, sondern nur ein abendfüllender Ausflug in neue Regionen. Er selber kannte die Weine auch noch nicht, und so war die gesamte Gruppe gespannt wie ein Flitzebogen.

Ordnungsgemäß starteten wir mit den Weißen. Es wurde ein Chardonnay von Greatwall mit dem Jahrgang 2008 geöffnet. Und einstimmig waren wir der Meinung, dass dieser Wein einen Fehler haben musste, z.T. wurde auf Kork getippt, aber Trichloranisol olfaktort zwar genauso übel, aber anders. Da er beinahe untrinkbar war, wurde eine Flasche des gleichen Weins entkorkt. Genauso. Zunächst schwächer, aber nach ein paar Minuten an der Luft mit gleicher Intensität. Es schimmerten nur spärlich Wohlklänge von Quitte und Honig durch die Mischung aus Muff, Schimmel, Benzin und Harz. Fürchterlich. Auch die dunkel honiggelbe Farbe verstörte bei einem Wein, der erst zwei Jahre alt ist. Der Geschmack entsprach dem Geruch. Man fragt sich ernsthaft, warum so etwas abgefüllt wird. Naja, man nimmt es als Erfahrung und wird diesen sicher nicht so schnell kaufen. Wo auch?

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Wir hofften beim nächsten Wein auf etwas besseres. Auch weil es ein Riesling war. Davon kann man was erwarten. Einer von Changyu, der größten Winery Chinas. Jahrgang unbekannt. Müssen die Chinesen es nicht draufschreiben oder ist es ein Jahrgangscuvée? Beides wäre doof, letzteres aber doofer. So. Riesling. Man findet sortentypische Aromen. Man hat ja Phantasie. Aber auch die paaren sich mit diesem harzigen, muffigen Ton, wenn auch glücklicherweise deutlich schwächer als beim ersten Wein. Vielleicht sind wir in Deutschland einfach von Riesling verwöhnt, aber dieser nimmt es gerade mal mit den schlechten unseres Landes auf. Ein Scharzhofberger ist was anderes. Oder ein Rüdesheimer Berg Roseneck. Oder ein Niersteiner Orbel. Oder oder oder...

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Fertig mit den Weißen, ab zu den Roten. Zuerst zwei Brüder von Dragon Seal, auch einer der größten Produzenten des Reichs der Mitte und ist im Pekinger Distrikt ansässig. Beide Weine waren Merlots, beide von 2003, äußerlich nur an der Farbe des Etiketts (rot bzw. schwarz) und, auf dem schwarzen Etikett, ein paar mehr Schriftzeichen zu unterscheiden. Diese Schriftzeichen habe ich, nachdem ich selbst erfolglos gescheitert bin, zum übersetzen nach Kiel und Singapur (hier an meinen Kontakt mit chinesischen Wurzeln) geschickt, aber selbst dort taten sich die konsultierten schwer. Am Ende kam etwas heraus wie "Aus dem Gemüt/Schoß/Herz kommende Produktionsgebiete, hin zu Sonnenfeldern am Hang", was in meinen Augen nicht allzu viel Sinn macht und auch keinen Hinweis auf die Unterschiede im Wein selber gibt. Die waren jedoch sehr unterschiedlich. Der rot etikettierte war heller im Glas und hatte kühlere, wenn auch doch schon orangene Reflexe, der schwarze hatte deutlich orangene Reflexe. Der rote war in der Nase auch klar als Merlot zu erkennen, mehr noch als auf der Zunge und hatte - sowas blödes - auch diesen Muffton. Dennoch eine schöne Frucht und wäre ohne den Muff gut trinkbar. Erstes Aroma des schwarzen, welches sich einer Teilnehmerin der Weinprobe zeigte, war ausgelassener Speck. Was aber auch daher rühren könnte, dass sie direkt bei der aufgeschnittenen Salami saß, die eingangs gereicht wurde. Nein, ausgelassener Speck war auch ohne Salami nachvollziehbar. Außerdem Hagebutte, Sauerkirsche, Nelke, insgesamt eher exotisch. Und auch hier wieder, und schon fast erwartet, der harzige Muffton, der diesmal aber an eine gemütliche alte Holzbude erinnerte und dadurch erträglich war. Von den beiden der interessantere und bessere.

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Dann kamen wir zu einem Cabernet Sauvignon 2000, wieder von Weingut Changyu. Die Erinnerungen sind nicht mehr allzu dicht, meine VKNs des Abends geben nicht viel her. Eine Teilnehmerin jedenfalls war der Meinung, er rieche nach (Originalton) "Diabetiker kurz vor dem Koma". Interessant, wenn auch nicht gerade attraktiv. Den Muffton muss ich nicht mehr extra erwähnen. Auf jeden Fall war er schön präsentiert, zusammen mit einer weiteren, nicht verkosteten Flasche in einer schmucken mit brauner Seide drapierten Kiste. Und das ist ja schonmal was.

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Der letzte Wein schließlich war wieder ein CS, diesmal von 1994 und von einem nicht erkennbaren Weingut. Oder sollte "Happy News", was dick auf der Flasche bzw. der Kartondose aufgedruckt war, etwa der Name des Guts sein? Man weiß ja nie bei den Chinesen. Wenn man das Jahr bedenkt, macht einen die Farbe des Weins stutzig. Sie war noch richtig jugendlich, keine Spur von warmen Tönen, die man eigentlich nach 16 Jahren erwarten sollte. Aber sehr interessant im Geschmack, wenngleich auch hier das Alter nicht erkennbar war. Geschmeckt wurde in erster Linie Fallobst (Äpfel), und zwar nach Aussage eines Teilnehmers Fallobst vom Thomashof, einer kleinen Siedlung nahe Karlsruhe. Kennt man eher von St. Laurent, nicht von einem Cabernet. Bißchen reife Sauerkirschen und nach knapp einer Sekunde im Mund changierend zu diesen Haribo Kirschen. Nur gaaanz leicht der muffige Störfaktor. Klasse Wein, der beste des Abends und auch in einer hübschen Flasche: das grüne Glas war satiniert.

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Unklar blieb leider, ob diese irritierende Muffigkeit in allen Weinen gewollt war, ein Fehler ist, durch den Flugtransport entstanden ist oder sonst einen Grund hatte. Wäre er nicht vorhanden, hätten wir es mit richtig ordentlichen Weinen zu tun gehabt. Viele der großen chinesische Weingüter sind mithilfe westlicher, oft französischer, önologischer und ökonomischer Hilfe entstanden. Daher sollte man erwarten, dass die Weine aus dementsprechender Erfahrung und Knowhow entstanden sind und diese Misstöne eliminiert sein sollten. Es werden noch mehrere chinesische Weine den Rachen runterrauschen müssen, um sich ein adäquates Bild von der fernöstlichen Entwicklung der Weinwelt machen zu können und die Frage des Muff zu klären.

Aber dieser erste intensive Chinaweinabend im Leben des Schmecktologen hat auf jeden Fall eine Menge Spaß gemacht, nicht zuletzt auch wegen der illustren Gruppe der Teilnehmer.

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