Weihnachtsschmecktologieabend: Burgund

Kurz vor Weihnachten muss man sich mal was geben, damit die guten Weine auf all den Weihnachtsfeiern noch übertrumpft werden (z.B. der Pfälzer Spätburgunder "Kalkmergel" 2008 von Bernhart). So gab es am letzten schmecktologischen Abend des Jahres Weine aus dem Burgund. Teuer, aber gut. Ich habe mal wieder zwar am Folgetag nachverkostet und Notizen gemacht, aber dann nicht schnell genug diesen Eintrag in Fließtext verfasst, daher nur die VKNs in ihrer notierten Form. So ist es auch authentisch :-) (A=Auge, N=Nase, M=Mund)

 

Domaine Cordier Père et Fils Saint Véran „En Faux“ Chardonnay 2007

(Pouilly-Fuissé) Für Parker der beste Erzeuger des Burgunds. Aber muss das wirklich erwähnt werden?

A: sehr dunkles, volles Gelb

N: Honig, Würze von Ysop, und irgendwie finde ich die Assoziation mit Schlangen

M: Honig, Waldmeister, Spekulatius, passt also zur Vorweihnachtszeit, weich und cremig, lang. A+

Was Parker sagt, muss ja nicht falsch sein.

 

Beaujolais Nouveau, Jean-Claude Debeaune, Romanèche-Thorins

Dass er von 2010 und ein Gamay ist, muss ja nicht gesagt werden.

A: extrem violett

N: Banane, leicht medizinisch, Kirsche

M: sehr fruchtig, Banane, dunkle Kirschen, wenig Tiefgang, aber amüsant

 

Trénel Fils: Moulin à Vent 2006, Gamay, Romanéche-Thorins und Chénas

Die älteste Cru des Beaujolais

A: sattes Pflaumenmusrot

N: intensiv Nagellack und Banane

M: Reife, Zwetschen, Banane, Früchtebrot.

Kein romantischer Wein für ein Candlelight Dinner, sondern urtypisch zum draußen mit einer Salami und Baguette auf großen Steinen sitzen und seelebaumelnd das Leben genießen. Ein Wein, der lacht.

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Blason de Bourgogne Cuvée 2005, Mercurey

Was daran Cuvée ist, sei mal dahingestellt. Ob es ein Lagencuvée ist oder neben Pinot Noir ausreichend Mengen an P. Gris und P. Liébault drin sind, bleibt fraglich.

A: Pflaumenmusrot

N: Herbstlaub, Lakritz

M: sauer, Pflaumen, Himbeeren

 

Domaine Gabriel Billard „Les Epenottes“ Beaune 1er Cru 2005

A: Purpurn mit zart ziegelnen Reflexen

N: Moos, Laub, Rind, überreife Erdbeeren

M: fängt super an, und dann fällt er. Veilchen, Erde und auch die überreifen Erdbeeren. Am Tag der NVK hält er sich stabiler im Mund, samtig. Trotzdem zu teuer.

 

Michel Picard, Nuits-Saint-George 2004

A: dunkel Ziegelrot

N: Kohlrabi und kalte nasse Holzkohle und Sonnenblumen, aber die riechen ja eigentlich nicht viel

M: kalte nasse Holzkohle, oder was man darunter als Geschmack vermutet, Trüffel. Sehr interessant und überraschend, irgendwie stumpf, und dennoch mit Klasse. Zuviel Säure. Brombeeren.

 

René Bouvier Gevrey-Chambertin 2001

 A: Ziegelrot

N: rassig, animalisch, Herbstlaub, Dörrpflaumen, Holunder, Vanille, Hauch Eukalyptus

M: Brom- und Erdbeere, Dörrpflaume, lang ziehender Abgang, harmonisch, brummt im Mund wie eine S-Klasse

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Die Pinots waren sehr unterschiedlich, obwohl aus der gleichen Traube. Man hat deutlich gemerkt, dass "Terroir" das im Burgund herrschende Leitmotiv ist und die Weine die Eigenarten ihrer Lagen herausstellen. So sollte die Weinmacherei sein! Kein Einheitsbrei, sondern mit Gesicht und Charakter.

 

Nach denen liefen plötzlich noch ein paar deutsche Pinots auf... der Manz <Kalkstein> 2007 (Rheinhessen), der "B" 2008 von Friedrich Becker (Pfalz) und der ... naja, nicht wirklich deutsche Gladstone Reserve 2006 von Johner Estate. Ein Dreiergespann, wie es schöner nicht sein kann. Der "B" wurde zu meiner persönlichen Weinentdeckung 2010. Ein Wein, der schmeckt, wie wenn man beim golfen endlich Handicap 0 erreicht. Geil. Und ganz anders als die Franzosen.

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