Schmecktologieabend Primitivo/Zinfandel

An diesem Abend wollten wir uns ein wenig mit einer Rebsorte auseinandersetzen, die sich häufig durch ein gutes Preis/Leistungsverhältnis auszeichnet und sicherlich in den nächsten Jahren wie ich vermute noch einiges an Aufschwung erleben wird: Primitivo bzw. Zinfandel. Eine Rebsorte, die unter diesen Namen erst seit ca. 150 Jahren agiert, aber unter dem Namen Crljenak Kastelanski schon seit weit über 3000 Jahren in Kroatien angebaut wird.

 

Doch als erstes stand durch einen bestimmten Umstand ein ganz anderer auf dem Tisch, und zwar ein Chianti Colli Senesi 2008 mit dem Namen Giobatta von der Azienda Vitivinicola „Il Chicco“ di Anreucci. Diese Flasche hat Alex F. im Laden geschenkt bekommen mit der Auflage, sie auch bei der Schmecktologie zu verkosten. Die Nase antipiziert die Traubensorte Sangiovese durch deutlichen Veilchenduft mit durchgewalktem Leder. So wie man sich einen Sangiovese vorstellt und ich ihn auch liebe. Er ist noch ein bisschen durch Cannaiolo abgerundet, was sich aber kaum bemerkbar macht. Wie so oft bei Sangioveseweinen flaut er nach einer vielversprechenden Nase im Mund ab. Hier haben wir zwar schöne saftige Kirschen, aber auch so etwas wie Gurkensalat. Schön zu trinken, aber für einen romantischen Abend zu wenig.

 

Kommen wir zu den Primitivos, einer frühreifenden Sorte, daher möglicherweise auch der Name (primo = der Erste).

 

Unser erster Primitivo war ein 09er Zinfandel. Vom Megaproduzenten Robert Mondavi aus seinem Keller Woodbridge in Lodi, Central Valley, Kalifornien. Erster Eindruck: Kunststoffkorken. Empfinde ich inzwischen als unangenehm. Naturkork geht, trotz TCA-Risiko. Schrauber geht auch, auch wenn dem Tropfen damit ein Stück weit die gefühlte Noblesse genommen wird. Glasstopfen ist auch hübsch. Aber Plastik, nee. Na gut, kommt ja auf den Inhalt an. Riecht erstmal sehr würzig, Eukalyptus, Wachholder, Dattel. Im Geschmack etwas hart und mit einem Stückchen getrockneter Feige versetzt. Muss man nicht zwingend haben, da er insgesamt wie nicht zu Ende gedacht erscheint – quick and dirty. Mondavi kann mehr.

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Dann ging’s mit einem Primitivo wieder zurück nach Italien. Quota 29 heißt der Wein und das Weingut MenhirSalento und er stammt von 2008. Der Name rührt von der Anbaufläche her, die 29 m über NN liegt. Quota kann mit Höhenniveau übersetzt werden. Er sticht ein wenig in der Nase und riecht nach Apfelringen, Waschmittel und erinnerte mich an Italienaufenthalte, bei denen ich einmal inmitten von unendlichen wilden Zistrosenflächen wohnte. Oder an die typische derbwürzige Macchiavegetation. Spannende Kombi von Gerüchen. Ebenso beim Geschmack: Pfeffer schwarz/weiß, Blauschimmel, Kartoffelpürree, Himbeeren. Hört sich alles zusammen skurril an. Wurde aber an dem Abend bei den Verkostern sehr beliebt.

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  Zinfandel entdecken ohne Ravenswood geht nicht. Wir öffneten eine 2007er Flasche von Ravenswoods Basisreihe „Vintners Blend“, die, wie der Name schon sagt, aus Trauben von verschiedenen Winzern zusammengestellt ist. Eigentlich entspricht das dem ursprünglichen Vorgehen von Ravenswoods Gründer Joel Peterson, der seine ersten Weine gänzlich ohne eigene Trauben herstellte. Unser Zin lag 12 Monate in französischer Eiche, ein Viertel davon neu. Sowas lässt sich organoleptisch nicht verbergen. Mark W. definierte ihm auch erkaltetes Lagerfeuer in den Geruch. Aha. Dazu kommt eine Menge Brom- und Heidelbeere. Weich im Geschmack, beerig und mit feinen Lakritznoten. Steht lange im Rachen. Sehr passabler Wein, der einen Abend aufzuwerten wüsste. Ich bin jetzt auch gespannt auf die höheren Qualitäten von Ravenswood. Muss ich mir mal geben.

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Immer hin und her. Wieder Italien, noch zwei Weine aus Apulien, das war’s dann. Einmal der Primitivo 2008 „Pilùna“ vom Castello Monaci. Riecht deutlichichichich nach Vanille, war halt auch im Barrique. Rosinen, oder um genauer zu sein: Käsekuchen mit Rosinen, der oberseits leicht gebräunt ist. Das ist der Pilùna. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, ist selber schuld. Oder sollte sich den Wein kaufen, der einem preislich mit ca. 7,00 € auch nicht mal weh tut. Im Mund kommen Lakritztöne dazu und wunderbar feine Tannine, die einen fragilen Flaum in den Mundinnenraum legen.

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Und dann kam noch eine Magnum Primitivo di Manduria 07 von Feudi di San Marzano. Moment, es war doch nur eine 0,75-l-Flasche. Aber so etwas dickes habe ich noch nie in der Hand gehabt. Die leere Flasche hat noch mindestens das Gewicht einer normalen vollen. Mindestens doppelte Wandstärke. Holla die Waldfee! Die Rebstöcke sind 60 Jahre alt, daher erschließt sich auch des Weines Name Sessantanni (sessanta = 60). Er riecht dick, fruchtig, nach angenehmen Tabakhauchen, zimtig, Rosinen und Nelke und alles schon in der Nase höchst fein abgestimmt. Aber schon wuchtig. Wie eine gelassen summende Oberklasselimousine, mit der man gediegen zum Abendempfang cruist. Rosinig auch im Geschmack, souverän, Kirsche, Tabak, ach eigentlich kann man gar nicht alles aufzählen, was er für den Gaumen im Gepäck hat. 14,5% Vol. Puuh, nicht wenig, aber notwendig bei der Bombe, damit der schwere, komplexe Geschmack transportiert werden kann. In vielerlei Hinsicht einem Amarone nicht ganz unähnlich, nur preiswerter. Köstlich!

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Kommentare: 1
  • #1

    Pétísek (Freitag, 01 Juni 2012 09:58)

    Nice one info, thanks