Schmecktologieabend Eeeestereich

Samstag Abend, Schmecktologie. Yeah! Das Thema: Österreich. Die Teilnehmer: Illuster aber wenige, da einige abgesagt haben. Start mit der typischsten der typischen Trauben Österreichs, dem Grünen Veltliner. Eine Flasche von ewiger Länge, physisch. Letztes Mal hatten wir die vielleicht schwerste 0,75er Flasche der Welt. Leergewicht 1,2 kg und darin ein prachtvoller Primitivo aus alten Reben. Und jetzt eine Flasche, die lang und dürr wie ein Supermodel ist. 35 cm, ich mag so was ja. Der GV stammt vom Weingut Kirchmayr aus dem Kamptal, stand auf Lößboden und wurde 2009 gelesen und hat einen Gehalt von 12,5% Alkohol. Die Sonderedition für Martin Koesslers K&U Weinhandel in Nürnberg. Sehr hell und stählern im Glas. Duftet sehr frisch nach Ananas mit Schlagsahne und natürlich Pfeffer, angeblich unvermeidlich bei GV. Weißer Pfeffer hier. Pfeffer auch im Geschmack und frisches Basilikum von einer alten Pflanze. Mark R. sah auch Parallelen zu Auxerrois. Sauerbratensäure. Adstringierend. Dill. Irgendwie stumpf wie nasser Asphalt. Aber eine schöne Flasche, auch das Etikett.

 

Dann als zweiter Weißer ein Riesling von Bründlmayer, auch aus dem Kamptal. 2006 vom Zöbinger Heiligenstein, wo klüftiger Sandstein mit vulkanischen und Kohleanteilen ansteht. Die Reben werden auf zwei Weisen erzogen: 80% Guyot und 20% Lyra. Kräftige Rieslingfarbe, die das Alter von 5einhalb Jahren noch intensiviert hat. Vornehmer, kräftiger Duft nach Pfirsich und einem Hauch Honigmelone. Noch nicht der Kellermuff von lange gelagerten Rieslingen, aber der zarte Geruch vom öffnen der Kellertür, in dem es muffig ist, wenn man die Treppe hinuntersteigt. Aber noch spritzig auf der Zunge. Etwas Banane dabei. Vermittelt das Gefühl, durch die nordfinnische Heidesteppe zu spazieren. Doch, echt. Nach Mark R. geschmackliche Parallelen mit Chardonnay, dafür fehlt mir allerdings die Buttrigkeit. Nobel, aber für mich zu alt. Slow Wine ist ein interessanter Gedanke, aber ich mag nun mal lieber junges Gemüse.

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Ab jetzt nur noch Rote. Fangen wir an mit Claus Preisingers basic, seinem Basiswein. Ein 2009er Zweigelt mit 10% St. Laurent-Einschlag. Sattes, kräftiges Aroma. Blau- und Brombeeren, kleines bisschen Benzin, schöne Frucht. Die Zunge spürt den leichten Holzeinfluss. Die Vanille trägt die Heidelbeeren wie auf einer Sänfte. Am Folgetag hat er etwas aus sich gemacht. Am ersten Abend zeigte er sich noch etwas lasch. Aber perfekt ist er auch am Folgetag noch nicht. Ordentliche Basisweinqualität. Und, wie überhaupt der Abend zeigte, ist Zweigelt auch kein Wein, der es einem leicht macht, kein Zungenschmeichler. Schöne Website hat er übrigens, der Preisinger. Und schöne Etiketten. Und viel Heidelbeergeschmack im basic. Nach dem nächsten Wein sind wir noch mal zu diesem zurückgekehrt und da hatte er plötzlich starken Wachholdercharakter.

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Wie der Preisinger kommen auch Anita und Hans Nittnaus aus Gols in der Region Neusiedlersee. Von ihnen hatten wir den nächsten Wein. 2008, Blaufränkisch Kalk und Schiefer. Riecht vanillig-buttrig von 15monatiger Reife in 500 l Fässern. Mediterrane Kräuter in der Nase und – sorry – undefinierbare rote Früchte. Oder Blut. Aber nicht Blutwurst, sondern frisch aus einer Wunde ausgetretenes Blut. Auf der Zunge schmierige Mineralik, dunkelrau (geschmacklich, nicht haptisch) (was meint der Schmecktologe damit überhaupt?), Kirsche, ja und ein kleiner Zauber von Orange.

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Zantho Zweigelt 2008, ebenfalls Neusiedlersee. Einer der technisch modernsten Betriebe Österreichs. Glasstopfen. Nase: Pisse und Sauerkraut. Geschmack: Rhabarber, Flusskiesel, Raufasertapete. Aber schöner weicher Abgang. Mit 4,4g/l sehr säurearm. Nicht so ganz mein Ding. Erinnert mich an den ersten Zweigelt, den ich getrunken habe. Und der hat mich erstmal Abstand nehmen lassen von der Rebsorte.

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Dann wieder ein Blaufränkisch. Von Moric aus dem Neusiedlersee-Hügelland. Jahrgang 2007. Die Reben sind bis zu 45 Jahre alt und das Produkt ist spontanvergoren, ungeschönt und ungefiltert. Daher findet sich auch noch der eine oder andere Trubstoff. Die Farbe ist dunkel und schwenkt an den Rändern langsam in warme Töne um. Aroma von Vollmilchschokolade und Estragon und Erdbeerjoghurt. Joghurt auch am Gaumen, aber da eher Kirschjoghurt. Auch wieder Heidelbeeren. Voller Körper, aber sich nicht im Mund aufblähend wie ein australischer Shiraz. Und er erhält zumindest von mir den unwichtigen Etikettenpreis des Abends. Das ist klar, nur serifenlose Schrift drauf, wobei die Schriftart köstlich gewählt ist. Toller Wein.

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Wenn Österreich, dann auch Pannobile. Der des Abends wurde wieder von Preisinger vertreten und war sein 05er, in dem er rebsortenrein Zweigelt verwendet hat, da er in dem Jahr Probleme mit seinen Blaufränkischreben hatte, die sich normalerweise auch in seinem Pannobile wiederfinden. Er duftet souverän schwer, animalisch ledrig und ein wenig nach Herbstlaub. Könnte fast ein Sangiovese sein, ist er aber nicht. Leider schwächelt er dann auf der Zunge ein bisschen. Zumindest im Vergleich mit der kraftvollen Nase. Er schmeckt wie Thujas riechen. Und Kokos, ja, irgendjemand in der weiten Welt meinte das behaupten zu müssen, Kokos ist auch im Geschmack. Auch bei diesem Zweigelt zeigt sich, dass er nicht geschmeidig ist, eher sperrig und trotz seiner Klasse einen zum Straßenkampf auffordert. Wenn man die Ärmel hochkrempelt und ihm fest in die Augen schaut, gewinnt man den Kampf und er schmeckt. Und zwar vorzüglich. Und dann leckt man sich die Wunden.

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