Die WeinFunatiker und der Kanzemer Altenberg

Diesen Abend vergnügten wir uns mit sechs Rieslingen von der Toplage Kanzemer Altenberg an der Saar. Devonschiefer und 50-85% Steigung zeichnen den Hang, der fast nur mit Riesling bestückt ist, aus. Die Weine waren die Reihe von 2008-2003 und nicht von v. Othegraven, van Volxem oder dergleichen, sondern von den WeinFUNatikern, die z.T. nur rund 100 Flaschen abgefüllt haben und ihre Weine von Andreas Barth im Keller von von Othegraven vinifizieren und ausbauen lassen. Allesamt Spontis.

2008: Der trockenste, aber trotzdem schon mit einer Portion Restsüße. Zuerst scheint er schon Alterstöne aufzuzeigen, aber dabei handelt es sich letztendlich um den Schieferboden, auf dem er stockt, der sich deutlich offenbart. In der Nase Mandarine, Birne, Pappe. Im Mund mit nicht zuviel Säure, die Fruchtaromen treten zu Tage, eine feine, aber fröhliche Bitterkeit ist auch am Start. Ein Wein, dem man anmerkt, dass er noch lange trinkbar sein wird, obwohl er das jetzt schon 100%ig ist.

2007: Jetzt wirklich schon tief im halbtrockenen Bereich: 16,6 g RZ, dazu nur 5,8 g/l Säure. Ein ganzes Stück dunkler im Glas als der 2008er. Riecht ganz schwach nach Holzkohle, aber viel mehr nach Birne und Zitrusfrüchten. Auf der Zunge mit dicker Konsistenz. Aprikose findet sich und die Zitrusfrüchte aus der Nase tauchen wieder auf. Macht mehr Spaß als 2008, vielleicht weil er wuchtiger ist, aber auch mit zartem Schmelz nicht spart.

2006: Eher im unteren Teil der Flasche ein Sack voll Trubstoffe. Sieht richtig milchig aus. Er dringt mit Aromen von Pfirsichen und Golden Delicious durch die Nüstern. Wieder mit mehr Süße, diesmal 25 g. Aber selbst bei uns Trockentrinkern stieß sie nicht auf Unbehagen, da sie sauber im Wein harmoniert. Die Mineralität kommt nicht zu kurz. Dicke Fruchtaromen liegen auf der Zunge und auch die Süße ist es, die ihn schwer und ölig erscheinen lässt.

2005: Wieder einer der farblich dunkleren Vertreter. Erster Eindruck: Uhu. Selbst am Folgetag noch nicht verflogen. Etylacetat. Wenn es nicht zu stark ist, kann es durchaus auch animierend empfunden werden, so wie bei einigen in unserer Runde. Dann Pomelo. Eine Frucht, die man eigentlich viel zu selten isst, weil sehr lecker. Und Weinbergspfirsich. Mit 13,6% Alkohol schlägt er etwas aus der Reihe. Die anderen haben zwischen 10,5 und 11%, der 08er 12%. Aromaklumpen von hier noch deutlicherer Pomelo im Mund. Und so ein Hauch von diesen gelben Johannisbeeren. Oh ja, und Mirabellen, nicht zu knapp. Wildes Ding. Lecker.

2004: Noch dunkler als 05. Noch süßer als 05 (35,1g). Schon die ersten echten Alterstöne, aber noch schwach. Hier mal endlich ruppiges Apfelaroma. Spürt man da schon die immense Säure von 8,1 g in der Nase? Ein bisschen Teppich, ein bisschen Löwenzahn. Die Säure puffert hier enorm die Süße ab, legt sich dominant durch den Mundraum und erzeugt sogar ein wenig den Eindruck von Sauvignon Blanc. Aber hey, noch lange nicht mit einem SB zu verwechseln. Sehr interessant, keine Popmusik.

2003: Da steckt Beifuß drin, feuchter Asphalt und Birne wieder mal. Sehr sehr pfirsichig im Mund. Und Banane. Und ein Apfelstückchen. Und diese Schiefermineralik. Aber das haben sie alle. Schöne Flaschen auch. Langgezogen, dunkelblau und dunkelgelbe Etiketten.

Mein Fav: Ich glaube, 2004. Oder 7. Nee, 4. 

(click to enlarge)
(click to enlarge)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0