Portugal

Im August hat die Portugalschmecktologie stattgefunden, im August habe ich die VKNs geschrieben, aber im Oktober erst pflege ich sie hier ein. Man muss auch mal gegen die allgemeine Schnelllebigkeit arbeiten. Schön, wieder ein Wort mit lll.

 

Here we go:

 

Júlio Bastos: Dona Maria, Vinho Regional Alentejano, 2008, 13,5%, Viosinho, Arinto, Antão Vaz

Sattes Gelb

Intensives würziges Aroma, schon fast wie von einem alten Wein. Etwas Gummi, Heu, Hauch Grapefruit, Birne? Ja, Birne auch. Vielleicht auch nur mit Fantasie.

Der Naseneindruck wird auf der Zunge enttäuscht, geschmacklich verliert er gegenüber dem Geruch an Dichte. Die Grapefruitnote tritt deutlicher hervor. Erfrischend, säurebetont. Auch wenn auf der Zunge weniger als erwartet passiert, ist es noch ein spaßbereitender Wein mit gutem Nachhall, der nicht zu den simpelsten gehört.

 

Winzergenossenschaft, wenn ich das richtig verstehe: Gaião, Vinho Regional Alentejano, 2009, 14%, Aragonês, Trincadeira, Alfrocheiro, Alicante Bouschet

Auf der Flasche ist eine Nebelkrähe abgebildet. Na toll. Etikett mit Tier. Wenn es nicht irgendwie auf besondere Art und Weise gemalt oder gezeichnet ist, kann man solche Weine oft vergessen. Ja, man muss auch mal vom Etikett auf die Qualität schließen. Was diese Krähe da jetzt soll, ist mir schleierhaft, da ihr Verbreitungsgebiet in Osteuropa ist und nicht Portugal.

In der Nase buttrig, vanillig, fruchtig, sommerlich

Schmeckt tanninreich, fruchtig zwischen Him- und Brombeere und seine Bestandteile passen alle nicht zusammen. Forget it. Maximal was für Anfänger.

 

Burmester: Douro DOC, 2008, 13,5%, Tinta Roriz, Touriga Franca, Touriga Nacional

Nach dem letzten kann es ja nur besser kommen. Dieser jetzt riecht satter und durchdachter als der vorige. Die unschöne Uhunote verfliegt recht schnell und dann offenbaren sich erdige, ledrige Töne. Rassig, rustikal.

Für den Mund braucht er allerdings eine Weile Luft. Dann zeigt er sich kräftig, tanninbetont mit gut eingebundenem Alkohol, der kaum schmeckbar ist. Die gesetzten erdigen Töne werden durch saftige Kirschen erfrischt. Kein Topwein, aber schön und unangestrengt zu trinken.

 

Keine Ahnung von wem: Planura, Vinho Regional Alentejano, Reserva, 2007, 14%, Syrah, Touriga Nacional, Alicante Bouschet

Erster Eindruck: Staubsaugerbeutel. Kein Witz. Einstimmige Bestätigung aller Beteiligten. Staubsaugerbeutel. Tja, was will man machen. Erst später dringt auch hier etwas Lösungsmittel durch. Und Leder. Und Pilze. Und Lorbeer. Wegen dem Staubsauger waren die meisten schon negativ voreingenommen, was den Geschmack angeht. Aber der ist in sich schön rund und stimmig. Auch wieder viele Tannine, aber wie bei den anderen Weinen keine rauen, sondern feine Tannine. Wenn auch viele davon, aber das scheint Portugal zu charakterisieren. Guter Wein. Wenn man sich mit diesem Staubsaugerbeutel arrangieren kann.

 

Luis Pato: Pato Rebel, Vinho Regional Beiras, 2009, 13%, Baga

Eindeutiger Etikettenpreisgewinner des Abends. Abgebildet ist auf schwarzem Hintergrund eine Grafik des Winzers, wie er mit den Händen an den Ohren wedelt und die Zunge rausstreckt. Rebellisch halt. Schwarzes Etikett mit roten Eyecatchern, weiße Kapsel: hübsch.

Riecht nach frisch ausgegrabenen Baumwurzeln, wieder Leder, kräutrige Noten. Lässt auf der Zunge Tiefe und Länge vermissen. Kräuter wie Thymian sind auch hier vorhanden, dazu frische rote Früchte. Als 2009er ncoh zu jung. Ach was, viel zu jung. Der braucht noch 5 Jahre mindestens.

 

Casa Cadaval: Trincadeira Vinhas Velhas, Do Tejo DOC, 2008, 13,5%, Trincadeira

Hmmm, duftet schon lecker. In sich stimmig, souverän und wissend. Kräutrig, würzig, rural, traktorig. Genau so sieht’s aus. Im Mund merkt man Vanille und Gewürze. Ausgewogen und bestimmend. Eine Exzellenz. Aber auch Exzellenzen haben ihre Macken. Ein guter Bordeaux kann mehr.

 

Quinta do Sanguinhal, Vinho Regional Lisboa, 2006, 13,5%, Touriga Nacional. Aragonez

Balsamischer Duft, Leder, Vanille, etwas Moos. So riecht er. Geschilffene und erwartungsgemäß reichhaltige Tannine. Da ist was von Baum. Also, wenn man so im Wald ist und man möchte mal in eine Baumrinde beißen. Der Geschmack, den man sich davon so vorstellt. Ich denke, Eichenrinde ist es. Oder auch Eichhörnchen und Rind. Sonderbar, aber das triffts auch. Kann man nix sagen gegen den Wein. Aber seine 17 Euro ist er nicht ganz wert.

 

Photos? Nee, die Putzmonautenmannschaft hat die leeren Flaschen entsorgt, bevor ich die Linse draufhalten konnte. Was solls. Nächstes Mal wieder.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Sarah (Samstag, 12 November 2011 12:59)

    oh, da sind einige wirklich interessante empfehlungen dabei! danke....

  • #2

    schmecktologie (Samstag, 12 November 2011 17:25)

    Hallo Sarah, danke für deinen Kommentar + viel Spaß beim probieren. Oder trinken. Jedenfalls genießen.