Schmecktologie Syrah! nein, Shiraz!

Nach dem letzten gescheiterten Versuch, eine Syrah/Shirazschmecktologie zu machen, wurde das nun erfolgreich nachgeholt. Die illustre Auswahl der Weine begann mit einem syrahig untergeordneten Land, Italien. Und im Detail Sizilien. Ein 2009er Syrah von der Azienda Agricola Nino Gandolfo. Der Name ist keinem der zahlreichen anwesenden Herr der Ringe Verehrer aufgefallen. Was aber daran liegt, dass der Erzeugername auf dem Etikett nicht großartig in Erscheinung tritt. Ganz anders der Name des Weins: Muharta. Was das heißen soll? Das ist gleichzeitig der Name eines Stadtviertels von Salemi in Sizilien. Oder heißt es, da es eine Insel ist, auf Sizilien? Und wie es nicht der Zufall, sondern einfach die Gegebenheiten wollen, ist dort auch der Sitz des Weinguts. Nun endlich zum Wein, der in einer Höhe von ca. 450 m über NN gewachsen und im Betontank ausgebaut wurde: Rubinrote Farbe, leicht violette Reflexe. Der Duft ist würzig wie die italienische Macchia und hat sehr reife Brombeeren und auch das rassige Aroma von schwarzen Johannisbeeren fehlt nicht. Es ist ein Wein, der rough ist, mit dem man ein bisschen kämpfen muss, kein geschmeidig-glitschiger Schwiegermutterschwarm. Nach dem ersten pfeffrigen, säurebetonten Eindruck drängeln sich die Tannine in den Vordergrund, aber ohne zu kratzen. Und die ganze Zeit wird der Geschmack von dem Spiel der Brom- und schwarzen Johannisbeere untermalt. Die Buddel für 8,50, super PLV!

 

2008er Shiraz von Enrique Mendoza, nicht aus Mendoza, Argentinien, sondern Alicante, Spanien. Sanfte Holztöne umschlingen die Nasenlöcher, Nutellatoast und Beeren des Unterholzes im Wald. Im Geschmack weich und würzig wie Moos, Heidelbeeren, ein Schuss Vanille und, wie es sich für einen vernünftigen Shiraz gehört, tanninlastig. In sich runder und stimmiger Wein.

 

Weiter geht’s mit dem 07er Shiraz von Tyrrell’s Wines, Hunter Valley, Australien. Schmusiger vanilliger Duft neben dem Aroma von dunklen Beeren. Aber auf der Zunge ein Kleindesaster. Pappige Weichheit und starke Frucht, etwas schokoladig, etwas Weinbrand, etwas Haribolakritz. Alles im einzelnen nicht unbedingt verkehrt, aber jeder Geschmacksteil spielt seine eigene Melodie. Die Einzelteile kommen nicht wirklich zusammen und dann ist das Ganze auch mal weniger als die Summe aller Teile. Schade.

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2005er Scali Syrah von Scali Schoone Oord, Paardberg, Paarl, Südafrika. Davon gibt’s nur 27 Barriques Fässer, also rund 6000 Liter. Und in den Fässern lag der Wein 24 Monate lang. Diese Reife riecht man ihm schon gleich an. Ab dem ersten Atemzug weiß man, dass man sich mit diesem Wein gegenüber den drei vorherigen in einer anderen Liga befindet. Der Liga der passionierten Winzer, die alles herauskitzeln wollen. Natürlich riecht er nach den 24 Monaten holzig (im positiven), schokoladig und dann schieben sich filigrane Noten von Wiesenkräutern durch. Im Mund erscheint ein absolut sauber gemachter Wein, fein auf sich selber abgestimmt, durch das Auslassen von Filtration geschmacksintensiv, geschliffene Tannine. Schokolade, Himbeere, Christstollen. Der reiche Geschmack braucht dann auch seine 14,5% Alkohol als Transportmedium.

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So, und dann ging’s ab. Hidden Valley (das ist der Name des Weinguts, nicht eines Tals) Land’s End Syrah 2006, Cape Agulhas, Südafrika. Unterster Zipfel von Südafrika. Ich hatte ihn noch nicht im Glas, da flogen mir schon die ersten begeisterten Assoziationen der Freunde um die Ohren: Blauschimmelkäse, schwitzender Pferdearsch, riecht nicht nach Hundekacke, sondern nach Hundedünnschiss. Und es bewahrheitete sich. Ha, ein Wein genau nach meinem Geschmack! Das beste, was ich bisher dieses Jahr getrunken habe. Ok, das Jahr ist erst 14 Tage alt, aber mal sehen, wie lange es dauert, bis der getoppt wird. Junge junge, der hat Unterscheidbarkeit, der hat Charakter. Der Scali war klasse, aber dieser ist Ken Blocks Gymkhana im Glas. Punk! Wie er genau schmeckt? Probier ihn und es aus. Du wirst nicht enttäuscht werden. Außer du spielst noch mit Monchichis.

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Und dann der letzte. Deutschland, Pfalz, Schneider. Syrah. 2009. Vorher dekantiert. Bei Markus Schneider erwartet man, dass er deutschuntypische Geschmacksstile in die Flasche bringt. Der erste olfaktorische Eindruck bestätigt, dass es ein Schneider ist. Irgendwie haben die alle eine ganz eigene distinktive Note. Von seinem „Ursprung“ angefangen bis in seine höchsten Qualitäten. Aber wow, dieser schmeckt nach Anis, Kümmel, Thuja, Schokolade und gar nicht so sehr beerig. Vielleicht Jostabeere oder so was. Auch so ein wagemutiger Wein. Aber wer will schon handwerklich top gemachtes Zeug, dem es aber an Eigenständigkeit und Interessanz mangelt. Für 30 Euro kann man genau das erwarten, was man mit dem schneiderschen Syrah im Glas hat. Finde ich. Geiler Stoff.

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Danach gab’s noch einen ... nein, nicht Reparaturwein. Das wäre nach dem Line up nicht nötig. Aber als Kontrast den Grauburgunder Goldkapsel 2010 von Ellermann Spiegel, Kleinfischlingen, Pfalz. Für einen Grauburgunder ziemlich wuchtig (das hat der Ausbau im Holz gemacht) und fruchtig. Läuft wie von alleine den Rachen runter. Immer gut, zu jeder Gelegenheit. Also auch als Abschluss nach sechs Syrah aus fünf Ländern.

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